Die Jugendstil-Metropole

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Die Moselschleifen: Fernsehen im wahrsten Sinne des Wortes.
© imago images / CHROMORANGE

Belle Époque oder Jugendstil – das war der Baustil, der vor mehr als 100 Jahren der rasanten Industrialisierung verspielte Formen, florale Ornamente und erotische Symbole entgegensetzte. Nicht nur in Wien und Glasgow, Brüssel oder Berlin, sondern auch in Traben-Trarbach, einem verschlafenen 6.500 Einwohner-Städtchen an der Mosel.

Text: Ralf Scholze

Traben-Trarbach, eingebettet zwischen steilen Weinbergen, ist ein kleiner, etwas verschlafener Ort an der Mittelmosel mit knapp 6.500 Einwohnern. Kaum zu glauben, dass hier, direkt am Ufer der Mosel, eines der schönsten und vor allem vollständig erhaltenen Jugendstil-Hotels Deutschlands steht – ein Schmuckkästlein, das wie durch ein Wunder zwei Weltkriege überstanden hat. Wie das kleine Moseldorf Traben-Trarbach vor über 100 Jahren zu einem Grandhotel kam, ist eine spannende Geschichte, denn wer weiß schon, dass der Ort zur Zeit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Weinhandelsmetropole war, weltweit die Nummer zwei, gleich hinter Bordeaux in Südfrankreich. Die örtlichen Weinkontore und Großhändler belieferten nicht nur Deutschland und das ganze europäische Festland, sondern auch die USA und das britische Commonwealth, denn Queen Victoria liebte deutschen Riesling. Und was die Königin im Glas hatte, das wollte natürlich auch die restliche High Society des Empire im Glas haben. Riesling von der Mosel boomte und wurde als der exklusivste Wein der Welt gehandelt, die Weinhändler in Traben und dem benachbarten Trarbach wurden nicht nur richtig reich, sondern lebten regelrecht in Saus und Braus. Die Goldmark saß locker und für jede Mark, die man ausgab, verdiente man mit der nächsten Weinernte zwei. So gehörte Traben-Trarbach zusammen mit Berlin und Berchtesgaden zu den ersten Städten im Deutschen Kaiserreich mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Man wollte zeigen, was man hatte. Nennen wir das Kind ruhig beim Namen: Man wollte protzen. Was man sonst noch alles mit den 48 Kilowatt des E-Werks in der Stadt anstellen konnte, darüber machte man sich erst später Gedanken.

Mit einer Brücke ging es los

Als um die Jahrhundertwende eine Brücke über die Mosel gebaut werden sollte, um die beiden Orte Traben und Trarbach miteinander zu verbinden, sollte Geld keine Rolle spielen. Im auf der linken Moselseite gelegenen Stadtteil Traben war man seit Kurzem an die Eisenbahnstrecke von Koblenz nach Trier angeschlossen und damit Teil der Schnellbahnstrecke von Berlin nach Metz. In Trarbach auf der anderen Moselseite wurden währenddessen Thermalquellen gefasst und der Kur- und Badebetrieb startete. Was jetzt noch fehlte, war eine Brücke über den breiten Fluss. Dafür wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben – aber nicht etwa damit der billigste Anbieter den Zuschlag bekommt, sondern damit in Traben-Trarbach die prachtvollste Brücke errichtet wird.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 3/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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