Die Schlingenzieherin

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wanderlust-Autorin Beate Wand blickt vom Bockfelsen auf den Hohenwarte-Stausee. Solche Aussichten spicken den viertägigen Rundweg um den Speicher.
© Beate Wand

Am „Thüringer Meer“ liegt zwischen Bleilochtalsperre und Hohenwarte-Stausee eine kleine Stadt mit ulkigem Namen: Ziegenrück. Hübscher und entspannter Ausgangspunkt für Wanderungen an den Prall- und Gleithängen der Saale, zwischen denen sie sich kunstvoll windet.

Text: Beate Wand

Er rupft. Und rupft. Und rupft. Bis zu den Knien reicht dem hellbraunen Bock einer Thüringer Waldziege das von Klee, Butterblumen und Wegerichblättern durchsetzte Gras. Sein Bart sammelt die von den Halmen perlenden Wassertropfen. Als Station 12 liegt das Wiesenspektakel am Pfad über die Walderlebnisinsel. Ein Ziegenkopf weist den Weg. „Die Ziegen gehören der Stadt“, verrät Gerd Steckert, „unser Wappen hat nämlich auch eine.“ Auf dem Weg hierher begegneten uns schon einige: Zwei Zicklein kreisen zum Rennsteiglied an der Fernmühle auf einer Spieluhr, auf der Freiterrasse davor trägt ein geschnitzter Bock als Wandersmann sein Bündel über der Schulter, eine aus Bronze gegossene Ziege stakst neben der Saale. Sie umfließt die Walderlebnisinsel. Ziegenrück, auch wenn es mit seinen gut 650 Einwohnern auf Platz fünf der kleinsten Städte Deutschlands rangiert, macht seinem Namen alle Ehre!

„Früher brachte ein Sonderzug von Leipzig jeden Sonnabend neue Urlauber“, erzählt Steckert am Ufer, wo er mit seiner Frau immer die Blumenkübel gießt, „da war Gästewechsel. Bei schönem Wetter reisten dazu viele Tagesgäste an.“ Auf der Strecke der Thüringischen Oberlandbahn, die einst malerisch über zahlreiche Viadukte und durch etliche Tunnel Triptis via Ziegenrück mit dem fränkischen Marxgrün verband, fuhr 1998 der letzte Zug. Immerhin: Gut 120 Betten stehen auch heute noch für Übernachtende bereit. Dem staatlich anerkannten Erholungsort haftet eine skurrile Atmosphäre an: Hübsch sanierte Fachwerkhäuser im saalefränkischen Bauernstil zwängen im Tal des Drebabachs bis an die Felsen. Außer Bäcker und Getränkemarkt gibt es keine Geschäfte, nicht mal mehr einen Geldautomaten. Kurpromenade, Kemenate auf dem Berg und eine Fontäne in der Saale versprühen dagegen mondänen Charme. „Bei günstigem Wind sitzt du hier auf der Bank und wirst geduscht – kostenlos!“, preist der Rentner, der ehrenamtlich Bänke streicht, Bäume beschneidet und Schutzhütten repariert, das Wasserspiel an. Heute überflüssig, der Himmel hält schon den ganzen Nachmittag seine Schleusen weit geöffnet.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 2/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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