Exotik im Münsterland: Die pinkfarbene Seite Nordrhein-Westfalens erwandern

Eine Kirche – schmuckvoll und prächtig – taucht kurz vor der Grenze plötzlich aus der Menschenleere des westlichen Müns­terlandes auf. Quasi nebenan staken Flamingos, die sonst von Postkarten aus der Camargue oder Chile grüßen, durchs flache Wasser: Das Zwillbrocker Venn zeigt seine exotische Seite.

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Das flache Gewässer im Zwillbrocker Venn kann Ruhe ausstrahlen. Fotos: pa/dpa, Beate Wand
© pa/dpa

Text: Beate Wand

Knapp 50 Männer und Frauen stapfen – ­locker im Halbkreis aufgereiht – durchs kniehohe Wasser. Plitsch, platsch. Aber nicht in Bikini und Badehose. Manche tragen hüfthohe Wathosen und Gummistiefel, andere laufen an dem Spätsommertag einfach mit Jeans und Wanderschuhen oder barfuß über den schlammigen Grund des Lachmöwensees. Er füllt das abgetorfte Herzstück des Zwillbrocker Venns. Als man die Entwässerungsgräben des ehemaligen Hochmoors an der niederländischen Grenze in den späten 1930er Jahren zuschüttete, bildete sich das flache Gewässer. Schilf, Binsen und Wasserschwaden umrahmen es nun. Die Pflanzen schirmen Nester und Nachwuchs brütender Singvögel vor gefräßigen Feinden ab. So jubiliert und tiriliert es munter durch das Naturschutzgebiet. Man muss allerdings genau hinhören, denn von März bis Juni schallt das tösende Gekreische tausender Lachmöwen noch weit über den nach ihnen benannten See hinaus.

Der Kot von Mitteleuropas größter binnenländischer Lachmöwenkolonie düngt den See. So fühlen sich über­mäßig viele Wasserflöhe und Plankton darin wohl. Ein Eldorado für Flamingos! Die rosa Allesfresser filtern solch kleine Lebewesen mit den Lamellen ihres Schnabels aus dem Wasser. Aber Flamingos? Die leben doch in südlicheren Gefilden? Richtig. Eigentlich. Aber seit 1982 brüten freilebende Flamingos sogar erfolgreich im Zwillbrocker Venn, wo sie ursprünglich herstammen, weiß niemand so genau. Vermutlich sind sie aus einem Zoo oder aus privater Tierhaltung entflohen. Mittlerweile laben sich 22 Chilenische, neun Europäische und ein Kubanischer Flamingo sowie zwei Hybriden am reich gedeckten Tisch Lachmöwensee. Zur Brutzeit halten sie sich gern am Rande der Flamingoinsel auf. Ihr nähern sich die durchs Wasser watenden Besucher allmählich. Vorsichtig kreisen sie die noch flugunfähigen Jungen ein, treiben sie zusammen und versuchen, sie vom Boden aufzunehmen. Wenig später hält Regine Kern einen der flauschigen, noch grauen Jungvögel in ihren Armen. Er kuschelt sich richtig an ihren Bauch und die Mitarbeiterin der Biologischen Station Zwillbrock strahlt, als hielte sie ihr Baby im Arm. „Ganz warm in der Hand“, schwärmt sie. Währenddessen wird das Tier beringt: Ein Metallring der Vogelwarte Helgoland, die für Nordwestdeutschland zuständig ist, sowie ein farbiger Plastikring, dessen weißer Zifferncode auch mit Fernglas erkennbar ist, schmücken fortan die zarten Flamingo-Beinchen. Die Buchstaben ZV stehen für Zwillbrocker Venn, dazu identifizieren zwei weitere Zahlen den Flamingo nun sein Leben lang eindeutig. Mit ihrem neuen „Personalausweis“ über den Knien staksen die Jungen zurück zur Insel, die Helferschar schreitet gut gelaunt in die entgegengesetzte Richtung – zurück an Land.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 3/2014 von wanderlust.

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An der Grenze entlang: Die Zwillbrocker Vennroute umrundet den Kern des Naturschutzgebiets. Hinter einem Waldgürtel aus Eichen und ­Birken regeneriert sich das ehemalige Hochmoor. Auf der anderen Seite liegen niederländische Äcker und Wiesen.
© Beate Wand

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attachment iconGPX-Datei: Zwilbrocker Venn

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2014

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