Genießertour durchs Keschdeland

neuer_name
Unterwegs auf dem Keschdeweg.
© Wolfgang Stelljes

Im Herbst dreht sich an der Südlichen Weinstraße fast alles um den Wein. Und um die Kastanie. Denn auch die „Keschde“ ist den Pfälzern eine Herzensangelegenheit.

Text: Wolfgang Stelljes

Der Wein- und Kastanienmarkt in Edenkoben nähert sich seinem Ende, die Sonne versinkt gerade im Pfälzer Wald, da hebt rechts vom Bierstand noch einmal Gesang an. Nicht, dass sie zu tief ins Weinglas geschaut hätten, nein, heute haben sie doch tatsächlich eher dem Bier zugesprochen. Zum einen braucht es nicht viel, um einen Pfälzer in gute Laune zu versetzen, und zum anderen handelt es sich nicht um ein normales Bier, sondern um ein Kastanien-Bier, „unser Renner“, sagt Agron Imami, der Mann am Zapfhahn. Es ist ein Bockbier, etwas schwerer und recht süß, dank des Kastanienmehls. „Die Pfälzer fahren so auf Kastanie ab“, freut sich Imami und füllt das nächste Glas.

Nicht nur die Pfälzer. Auf dem Markt waren auch viele „Kalumas“, Tagesausflügler aus Karlsruhe, Ludwigshafen und Mannheim. Mit Brot, Bonbons und anderen leckeren Dingen, die man aus Kastanien machen kann, treten sie die Heimreise an. Und der Tischtennis-Verein 04 Edenkoben verkauft noch schnell seine letzten Kastanien-Saumägen und Bratwürste, sage und schreibe 450 Kilo sind an diesem schönen Oktobertag über den Tresen gegangen.

„Vor 20 Jahren hätten Sie hier noch keinen Kastanien-Saumagen gekriegt“, sagt Maria Bergold, die das Tourismus-Büro im nahen Maikammer leitet. Als Kind hat sie mit ihrer Oma Kastanien gesammelt. Die wurden geschält und getrocknet und dann zu Weihnachten mit dem Gänsebraten serviert. Man konnte sie aber auch einfach mit Schale in Salzwasser kochen und dann in einer großen Schüssel auf den Tisch stellen. Jeder schälte selbst. Und die Erwachsenen genossen dazu ein Glas Wein. Mit einem Wort: „Keschdlich.“

Beides, den Wein und die Kastanie, haben sie den Römern zu verdanken. Es gab Zeiten, da war die Kastanie ein Zubrot in Hungerjahren, ein Ersatz auch für Fleisch. Da mussten die Kinder mit in den Wald und sammeln. Heute zieht die Familie freiwillig los, ausgestattet mit Rucksack oder Jutetasche, eine Art pfälzisches Sonntagsvergnügen.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 6/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

Zur Zeit liegen keine Events vor …