Göttlicher Schlund

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Berauschend: Ein Gang durch die Breitachklamm bei Oberstdorf macht gerade bei Regen Spaß.
© Beate Wand

Zwischen dem Kleinwalsertal und dem Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach donnert das Wasser der Breitach spektakulär durch eine Klamm. Einem Pastor sei dank, können Besucher bequem hineingehen und das Naturschauspiel hautnass erleben.

Text: Beate Wand

Jens!“, brüllt eine Frau. „Jeheeens!!!“ Sie tobt, zornig und erbost – die Breitach, tief unten zwischen senkrechten Felswänden. Darum kann der Sohn die Mutter auch nicht hören. Sie zieht ihn nun an der Kapuze, damit er seinen Schnürsenkel zubindet. Eltern müssen nämlich auf ihre Kinder achten, mahnt ein Schild. Das Prasseln des seitlich herabstürzenden Wassers auf den Felsen und das Poltern des wütenden Flusses wetteifern, wer lauter ist. Schutzdächer bewahren die Besucher der Breitachklamm an Regentagen wie dem heutigen nicht nur vor Steinschlag, sondern auch vor einer kalten Dusche. Je mehr Wasser von allen Seiten rinnt, desto beeindruckender. Etwas weniger mitreißend erfrischt die Klamm an heißen Sommertagen. Dann spielt das Licht mit den feinen Tröpfchen, die das Wasser überall versprüht.

Als die Gletscher nach der Würm-Eiszeit abtauten, fraß sich das Schmelzwasser der Breitach immer tiefer in den Talboden. Heute speist sie sich aus dem Zusammenfluss dreier Bergbäche in Baad, dem höchstgelegenen Ort im österreichischen Kleinwalsertal. In einem diagonal verlaufenden Riss, den die Last von bis zu 700 Meter mächtigen Eismassen aufgedrückt hatte, fand die Breitach vor rund 10.000 Jahren ihren Weg durch harten Schratten-kalk in den 90 Meter tiefer gelegenen Talgrund von Tiefenbach. Mitgeschlepptes Geröll und Sand hobelten am Gestein. Wasserwirbel höhlten Strudeltöpfe aus, strömendes Wasser spülte weichere Mergelschichten weg. So fräste sich die Breitach im Laufe der Zeit auf anderthalb Kilometern ihre bis 150 Meter tiefe Klamm. Flussauf und flussab dieser gewaltigen Felsritze fiel es dem Quellfluss der Iller leichter, die weicheren Gesteine zu durchdringen. Dort geben V-förmige Kerbtäler dem Wasser mehr Raum.

Weniger klamm dank Klamm

Am unteren Eingang führt ein Tunnel in die Klamm. Über dem Durchlass würdigt eine farnumkränzte Tafel jenen Mann, der das scheinbar Unmögliche möglich machte: diese Felsenschlucht inmitten senkrechter Wände zu erschließen. 1901 kam Johann Schiebel als Pfarrer nach Tiefenbach. Er predigte ebenso begeisternd wie hartnäckig von der Idee, die Breitachklamm zugänglich zu machen. Den in Finsternis getauchten, unheimlichen Schlund, der sich zwischen Walserschanz und Tiefenbach auftut, sah er als Meisterleistung göttlicher Schöpfungskraft. Wie auch die Tatsache, dass dieses Naturwunder im aufkommenden Alpentourismus Sommerfrischler anlocken und der bettelarmen Bevölkerung ein Zubrot bescheren könnte. Entschlossen seilte sich der Pastor selbst in die Schlucht ab, um sie zu inspizieren.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 4/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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