Harz: Ein Teufelswerk aus Sandstein

Wo sich der nordöstliche Vorharz zu einem narbenähnlichen Wulst wölbt, ragt eine Schichtrippe aus der Erde, gekrönt von gezackten Felsnadeln und bizarren Sandsteingebilden. Sie heißen Großvater, Hamburger Wappen und Königstein. Hatte da etwa Luzifer seine Hände im Spiel?

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Der Gehörnte bewundert sein Werk: am Hamburger Wappen oberhalb von Timmenrode.
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Ein Teufelskerl! Ganz oben, in den gräulichen Stein gemeißelt. Er wechselt sein Antlitz mit der Position seines Betrachters: Erst ­grinst er hämisch unter einer scharfkantigen Hexennase hervor, später sinniert er mit gerunzelter Stirn vor sich hin. Süßlicher Duft strömt durch die laue Abendluft bei Weddersleben. Rapsblüten leuchten goldgelb im Gegenlicht der tief stehenden Sonne. Darüber lehnen sich die skurrilen Zacken einer dunklen, gewaltigen Felswand wagemutig nach vorn. Zwischen Feldern und Streuobstwiesen sticht die Teufelsmauer aus dem sonst eher platten Landstrich des nordöstlichen Harzvorlands hervor. Nein, keine Fata Morgana! Echter Sandstein. Stellenweise hart wie Granit. Hellgrau. Durchzogen von so rabenschwarzen Partien, als hätte die Wand eine Weile in der Hölle geschmort.

Himmlischer Hahn

Viele Sagen ranken sich um diese merkwürdige Felsrippe, die auf rund 20 Kilometern Luftlinie zwischen Blankenburg und dem Schierberg bei Ballenstedt immer wieder aus dem Boden bricht. Die meisten widmen dem Höllenfürsten eine tragende Rolle: So soll er um die Zeit, als der Harz christianisiert wurde, mit dem Herrgott um das Land gestritten haben. Der Teufel beanspruchte das erzreiche Gebirge für sich. Außerdem regierte er vom Brocken aus, und: Noch lebten viele Heiden in der Gegend. Er wollte „seinen“ Harz mit einer riesigen Mauer umfrieden. Dem Herrgott versprach er dafür das fruchtbare Flachland. Dieser willigte unter der Bedingung ein, dass der Pferdefuß in nur einer Nacht – bis zum ersten Hahnenschrei – sein Werk vollenden müsse. Der Satan schuftete und schuftete, lag ganz gut in der Zeit. Da stolperte eine Bäuerin auf ihrem Weg zum Markt in Quedlinburg bei Weddersleben über einen Kiesel.

Die Frau schlug der Länge nach hin. Der Deckel ihres Korbs sprang auf, und ihr erschrockener Hahn flatterte lauthals krähend davon. Der Düwel dachte, es sei schon morgen und er hätte versagt. Voller Wut stampfte er Löcher in den Boden. Zornig schleuderte er den Schlussstein gegen die fast fertige Mauer. Große Teile stürzten ein. Erst als er wieder zur Besinnung kam, merkte er, dass es noch Nacht war. Er verdächtigte zwar Gott, bei der Sache mit dem Hahn seine Finger im Spiel ge­habt zu haben, konnte aber nichts beweisen. So zog der Glaube auch bei den letzten Heiden ein. Seit dieser Zeit bespötteln die Harzer die restlichen Klippen und Bruchstücke, die einst das Gebirge abriegeln sollten, als Teufelsmauer.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 6/2015 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2015

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