Immer der roten Raute nach

Deutschlands ältester Fernwanderweg Seinen 100. Geburtstag hat er schon vor einer ganzen Weile gefeiert. Zum alten Eisen gehört der Schwarzwälder Westweg deshalb noch lange nicht. wanderlust-Autorin Alexa Christ war drei Tage lang zwischen dicht bewaldeten Bergrücken unterwegs, lief über Feuchtheiden, umrundete eiszeitliche Karseen und stellte fest: Dieser Klassiker wird mit zunehmendem Alter immer besser!

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Text: Alexa Christ

Quizfrage eins: Wo wurde wohl der älteste deutsche Wanderverein gegründet? Irgendwo in den Alpen, glauben Sie? Von ­wegen. 1864 riefen sieben Freiburger Gastwirte den Schwarzwaldverein ins ­Leben. Meinem Wanderguide Hans-Jörg Mathieu merkt man an, dass er stolz darauf ist, bereits seit 26 Jahren für ebendiesen Verein als Wegewart tätig zu sein. Der 77-Jährige ­betreut ein Stück der Etappen drei und vier des Westwegs, der bereits im Jahr 1900 ­angelegt wurde und damit der ­älteste deutsche Fernwanderweg ist. Und genau diesen Klassiker will ich kennenlernen. Zumindest teilweise, denn für die ­kompletten 285 Kilometer, die von Pforz­heim nach Basel führen und damit den ganzen Schwarzwald aufs Schönste durchlaufen, fehlt leider die Zeit.

Eine nette Überraschung hat Hans-Jörg gleich zu Beginn parat – wir bekommen Gesellschaft. Sein Freund Klaus und dessen Hund Morris, ein wunderschöner Deutsch Kurzhaar, schließen sich uns an. So nehmen wir vier gut gelaunt die Strecke von Hundseck zum berühmten Mummelsee in Angriff. Und es wird sofort deutlich, dass es hier einmal mondän zugegangen sein muss, auch wenn das Kurhaus Hunds­eck, das wir gleich am Anfang passieren, mittlerweile zur Ruine verkommt. 1896 war die ehemalige Fuhrmannskneipe zum Höhen­hotel umgebaut worden. Schnell verbrachte die feine Baden-Badener Gesell­schaft hier die Sommerfrische. „Heinz Rühmann und ­Zarah Leander sind dort abgestiegen“, erzählt Klaus, der sich in der Folge als kompetenter Hobby-Historiker entpuppt. Von der entzückenden Villa im Schweizerhausstil gleich gegenüber weiß er zu berichten, dass sie einst der Industriellenfamilie Bosch ­gehörte. Und als wir nach kurzem Aufstieg das erste Mal den Blick weit über die bewaldeten Hänge des Nordschwarzwalds schweifen lassen können, deutet er auf die Hotellegende Bühlerhöhe, die in einiger Ferne aus dem dunklen Tannengrün ragt. „In den 50er-Jahren hat Konrad Adenauer dort wiederholt Urlaub gemacht. Dem Schah von Persien erlaubte man sogar, einen Hirsch zu schießen“, führt er aus, „und noch 2006 war es das Quartier der englischen Nationalmannschaft während der Fußball-WM.“ Und heute? An dieser Stelle schaltet sich Hans-Jörg ein. „Steht schon seit vier ­Jahren leer. Ein kasachischer Investor hat es ­gekauft und wollte es sanieren, aber bislang passiert nichts“, erklärt er ­naserümpfend und setzt den Weg demonstrativ fort, so als bringe es nichts, weiter über das leidige Thema zu reden. Tatsächlich ist es ja auch viel schöner, die herrliche Umgebung zu genießen. Schließlich folgen wir hier dem Schwarzwald-Hauptkamm und bewegen uns auf einer Höhe von über 1.000 Metern.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 6/2017 von Wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2017

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