Kliff im Klützer Winkel

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Kliffhänger: Am Großklützhöved sackte zwischen Steinbeck und Redewisch ein Stück Steilufer samt Bäumen und Büschen eine Etage tiefer. Ein schmaler, teils zugewachsener Pfad schlängelt sich aussichtsreich an der Kante entlang.
© Beate Wand

Knapp drei Jahrzehnte lag der Ostseestrand bei Groß Schwansee im vom DDR-Staat verordneten Dornröschenschlaf. Betreten war strengstens verboten! Die Natur hatte ihre Ruhe. Nun besticht die Küste durch Lebensräume, die anderswo längst Investoren weichen mussten.

Text: Beate Wand

Der Weg an sich ist breit genug, eben und wirklich nicht zu verfehlen: von Groß Schwansee immer am Strand entlang. Richtung Osten, die Landmarke eines Travemünder Hotelkastens und das bleckende Brodtener Hochufer gut zehn Kilometer entfernt im Rücken. Hin zu den steilen Wänden von Klein- und Großklützhöved. Wo sich der Klützer Winkel samt seiner von skandinavischen Gletschern herangewälzten Steine und zermahlenen Kreide bis zu 37 Meter tief in die Ostsee stürzt.

Wie man den Weg aber am besten beschreitet, erweist sich als die kompliziertere Frage: Bei Zugang Nr. 3 wirft sich der Strand zu einer kleinen Düne auf. Bäume und Büsche strecken sich darauf mit Seesicht in die Höhe. Davor sammeln sich rund geschliffene Steine in allen möglichen Farben. Von weiß-dunkel gesprenkelt über orange-rötlich bis blau. Hübsch anzusehen, doch auf dem Geröll knicken die Füße immer wieder weg. Entlang des angehäuften kleinen Walls vor den Dünen ziehen Salzmieren eine grüne Spur. Sie schieben ihre fleischigen, mit kreuzgegenständigen Blättern bekränzten Stängel wie kleine Türmchen aus dem Sand. Grobkörnig und hell schimmert er in der Sonne. Immer mehr davon sackt in die Schuhe – bis sie drücken. Also ausziehen! Doch unter der weichen Oberfläche verbirgt sich der ein oder andere größere Stein. Erwischt der nackte Fuß so einen mit vollem Tritt, fühlt er sich meist gar nicht mehr so rundgeschliffen an. Ein kurzer Aufschrei hilft, den Schmerz abzuleiten.

Zum Wasser hin festigt sich der Untergrund. Eigentlich die perfekte Wanderzone. Begrübe sie nicht der Spülsaum. Frischer, leicht algiger Meeresduft steigt in die Nase. Seegras und Großalgen schlingen ineinander, verpassen dem Ufer eine dunkle, zottelige Mähne. Darin verstecken sich Muschelschalen, Schnecken und Holz. Alles, was das Meer so ausspuckt, sammelt sich. Möwen und andere Vögel bedienen sich daran, tragen im Gegenzug Samen herbei. „Dieser Streifen enthält viel Stickstoff, also Dünger, und erwärmt sich rasch“, erklärt Elke Hohls Besuchern auf ihren Führungen. „Ein ideales Keimbett.“ Einjährige Pflanzen wie Melden und Europäischer Meersenf schaffen es, in der Übergangszone von Land und Wasser aufzublühen.

Zerstört ein Herbsthochwasser diesen speziellen Lebensraum, haben sie längst genügend Saat produziert, um erneut auskeimen zu können. So lange der Spülsaum am Strand liegen bleiben darf. Auch wenn er mal etwas strenger riecht.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 3/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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