Moderat weitwandern

Bayernkönig Maximilian II. krönte die romantische ­Landschaft bei Schwangau mit Schloss Hohenschwangau, sein Sohn Ludwig II. überbot ihn später mit dem Bau von Schloss Neuschwanstein. Klar, dass die Schlussetappe des Lechwegs da entlang muss! Auch wenn sie den Lech dafür eine Weile im Stich lässt.

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Text & Fotos: Beate Wand

Abertausende kleiner Sterne funkeln in den tänzelnden Wellen. Am anderen Ende des smaragdgrünen Wassers leuchtet eine Wiese. Nur dort, wo die Hänge unterhalb des massigen Säulings sanft ausrollen, tritt der dunkle Wald ehrfürchtig einen Schritt zurück: die Sperbersau, einst ein königlicher Badestrand. Auf Schloss Hohen­schwangau stromerte der bayerische König Ludwig II. schon als Kind im Sommer umher. Gelb und reich bezinnt, thront es unterhalb seines nie vollendeten Schlosses Neuschwanstein auf der Schwelle zum Alpenvorland. „22 Minuten brauchte Ludwig nur, um hinüberzuschwimmen. Das sind fast zwei Kilometer!“, betont Winfried Gößler achtungsvoll. Der Wanderführer aus Füssen sonnt sich auf der Bank beim Marienmonument, einst der Lieblingsplatz von Ludwigs Mutter Marie, Königin von Bayern. „Und der soll ertrunken sein?“, zweifelt der Allgäuer mit dem dunklen Filzhut die offizielle Wittelsbacher Version zum mysteriösen Tod des am Ende völlig überschuldeten und entmündigten „Märchen­königs“ an. Das Museum am anderen Seeufer rollt die verrückten Ideen des Träumers und Technik-Freaks auf, der mit einem Luftwagen in Pfauenform schneller vom Badestrand zurück in sein Schloss kommen wollte.

Am Pindarplatz, ein Stück weiter auf dem See-Rundwanderweg, las Ludwigs Vater Maximilian II. gerne griechische Philosophen, behauptet Gößler. Stufen fallen zu der Felsnase ab. Hinter dem bis zu 62 Meter tiefen Alpsee erheben sich die weißen Türmchen Neuschwansteins. Ein Blick, der auch Weitwanderer auf den letzten Metern des Lechwegs noch beflügeln dürfte. Obwohl die meisten der 125 Kilometer hier schon in ihren Knochen stecken, obwohl sie den türkisblauen Hauptdarsteller für dieses feudale Finale zunächst völlig aus den Augen verlieren. Von der Quelle bis zum Fall begleitet der Lechweg den Fluss – mal dicht an seinem Ufer, mal hoch über ihm. Ein weißes, schwungvolles „L“ auf borkiger Baumrinde weist die richtige Richtung. Bei seiner Reise vom westösterreichischen Vorarlberg durchs Tiroler Lechtal ins Allgäu trennt der Donauzufluss Allgäuer und Lechtaler Alpen. Sie tragen ihm die vielen namensgebenden Steine zu: „Lech“ wurzelt im Keltischen und soll „der Steinige“ bedeuten. Daraus löst das kalte Lechwasser (6 Grad Celsius im Jahresmittel!) kalkhaltige Minerale. Bedingungen, unter denen kaum Plankton wächst. Im Lech strömen nur wenige der frei schwebenden Kleinstorganismen, die Wasser grünlich färben. So schimmert der letzte große Wildfluss der nördlichen Alpen in eisigem Türkisblau. Ein Markenzeichen, das ihn noch wilder erscheinen lässt. Nach starken Regenfällen wälzt sich allerdings schlammige Brühe durchs Tal.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2018

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