Paradies mit Panzer

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Skurrile Szene: Ein alter Panzer, von belgischen Truppen zurückgelassen, ist mitten in der Heide dem Spiel der Natur ausgesetzt.
© Daniel Elke

Die Schavener Heide in der Eifel ist bei Wanderern nahezu unbekannt. Ausgeschriebene Wanderwege gibt es nicht. Die meiste Zeit ist die Region der Bundeswehr vorbehalten. Doch wer mit ortskundigen Sympathieträgern wie Manfred Knauff in die Heide eintaucht, den erwartet eine Mischung aus schlichter Schönheit und bizarren Naturkulissen.

Text: David Vinzentz

Als meine Frau Eva und ich über die gefühlt einzige Straße im beschaulich ruhigen Dörfchen Schaven in der Nordeifel ankommen, ist schnell klar: Wir sind nicht unerkannt geblieben. Wer nicht von hier kommt, fällt auf. Sofort. 75 Prozent des Dorfes dürften uns bemerkt haben. Als wir den Wagen verlassen, kommt uns aus einem der Häuser bereits ein älterer Herr mit festem Gang und weißem Haar entgegen. Wir schauen in ein freundlich lächelndes Gesicht mit klarem Blick, das auch ohne Worte Geschichten erzählt. „Sie sind für die Recherche hier, richtig?“ Auf mein Nicken hin ergänzt der groß gewachsene Mann: „Sehr schön. Kommen Sie rein auf einen Kaffee zur Stärkung.“ Manfred Knauff ist unser Guide für heute und mir von Grund auf sympathisch. Er bittet uns in ein historisches Fachwerkhaus mit modernem Anbau und weitläufigem Garten. „Das Haus hat eine lange Geschichte. Von einer ehemaligen Scheune über die Nutzung als Jagdhütte bis hin zu unserem Wohnhaus“, erzählt er, während er uns in die Küche bittet. Seine Frau Birgit begrüßt uns ebenso freundlich und reicht uns die dampfenden Kaffeetassen. Eine „Miteinander-warm-werden-Phase“ braucht es nicht. Da Eva gebürtig aus Kommern, dem Nachbarort von Schaven, kommt, ist reichlich Gesprächsstoff darüber vorhanden, was sich in den letzten Jahren alles getan hat. Weggezogene, Zugezogene, Dagebliebene.

Die Blutbuche

Zu viert sitzen wir am Küchentisch und der studierte Vermesser zeigt uns mit ruhiger, tiefer Stimme auf der Karte das Gebiet der Schavener Heide, durch das wir heute gemeinsam wandern werden. Dass Knauff Geodäsie (Vermessungswesen) studiert hat, hat ihm auch bei seiner Tätigkeit als Mitglied des Hauptvorstandes des Eifelvereins geholfen. „Hier war ich unter anderem für die Wanderkarten zuständig“, erzählt er. Und damit stapelt Knauff tief. Er hat das Wegenetz des Nationalparks Eifel konzipiert. Eine logistische Meisterleistung. „Hier gab es viele Wege, aber kein Konzept“, erzählt Birgit Knauff, während sie die Kaffeetassen noch einmal nachfüllt. „Alle wollten ihre Wege, Reiter, Pilgerer, Wanderer ...“ Dann blickt sie sich im Raum um und deutet auf die Fenster. „Letztlich hingen überall Karten und Pläne in unserem Haus, man konnte kaum noch aus dem Fenster gucken.“ Auf die Arbeit des Eifelvereins für die Region ist Manfred Knauff stolz. „Dieser hat in Abstimmung mit den Touristikern und den Kommunen das Wegemanagement übernommen und dazu aus den jeweiligen Ortsgruppen die Wege-Paten rekrutiert“, erzählt er und fügt an: „Die halten hier zahlreiche Premiumwege in Schuss.“ Bis zu seiner Pensionierung 2003 war Manfred Knauff in der Landes- und Regionalplanung beim Regierungspräsidenten in Köln als Dezernent für Braunkohlenplanung im Rheinischen Braunkohlenrevier tätig. Ich verschlucke mich beinahe an meinem Kaffee, als er in einem Nebensatz sein Alter preisgibt – 81. Ich wechsle ungläubige Blicke mit Eva und wünsche mir heimlich, dass ich in diesem Alter mit der gleichen Vitalität und der nötigen Prise Selbstironie wie Knauff gesegnet bin.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 4/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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