Saarbrückens schöne Seiten

Geprägt von barocker Pracht und modernen Ausblicken, bietet Saarbrücken einen interessanten Spannungsbogen.

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Text: Edda Neitz

Ich muss diese Geschichte mit der A 620 und mit Friedrich Joachim Stengel beginnen. Damit, wie eine breite Autotrasse und ein ehrgeiziger Baumeister maßgeblich das heutige Stadtbild prägen. Die Geschichte der A 620 ist schnell erzählt. Als in den 60er-Jahren Kohle und Stahl Arbeit und ­Arbeiter nach Saarbrücken brachte, war städtebaulicher Fortschritt wichtiger als der Erhalt alter Bausubstanz. Für den Anschluss an das deutsche Fernstraßensystem wurde deshalb kurzerhand ein Teil der alten Schlossmauer und der historischen Brücke für die vierspurige A 620 abgerissen. Seitdem befindet sich zwischen zwei Stadtteilen, zwischen Alt-Saarbrücken und St. Johann, eine wichtige Verkehrsader, die damals wie heute für schnelle Transportwege sorgt. „Wir wollten die Straße damals“, betont meine Stadtführerin Bärbel Frankenhauser. Über die riesige Autobahntangente wird gern hinweggesehen. Man habe sich arrangiert, heißt es. Hier zeigen sich die Wesenszüge, für die Saarländer im All­gemeinen geschätzt werden: Lockerheit und Frohsinn. Und schließlich haben die Saarbrücker auch noch das reiche Erbe von Friedrich Joachim Stengel.

Ob dieser Friedrich Joachim Stengel, der berühmte Stadtplaner der Stadt, den Ausbau befürwortet hätte, weiß man nicht. Er soll fortschrittlich und ein frühzeitiger Urbanist gewesen sein, das behauptet die Stadtführerin. 1740 kam er mit seiner Familie nach Saarbrücken, weil er von dem regierenden Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken den Auftrag erhielt, aus der schläfrigen Stadt eine bedeutende Residenzstadt zu machen. Doch dem damals 46-jährigen Baumeister schwebte noch viel mehr vor. Er wollte den Alt-Saarbrückener Stadtteil mit dem Schloss auf dem Hügel über der Saar durch Blickführungen mit dem Teil der Stadt am anderen Flussufer, wo Handel und Wirtschaft blühten, zusammenführen. Dies gelang ihm mit drei Sichtachsen, die ein Dreieck bilden – sie werden das „Stengel’sche Dreieck“ genannt.

An einem Eckpunkt dieser Achsen beginnt unsere Stadtwanderung. Der barocke Turm mit geschwungener Zwiebelhaube der Pfarrkirche St. Johann – seit 1975 trägt sie den päpstlichen Ehrentitel „Basilica minor“ – im gleichnamigen Viertel überragt umliegende Bürgerhäuser mit formklarer Eleganz. Stengel legte Wert auf eine streng gegliederte Einheit von Turm und Fassade. Um die Ecke liegt der St. Johanner Markt mit vielen Boutiquen, Kneipen und Restaurants und mittendrin der Stengel’sche Marktbrunnen mit seinem rankenverzierten Obelisken. Für die Saarbrücker ist hier „ihr Wohnzimmer“ zum „gemiedlich ­Leude gucke“. Und das am besten bei „Tante Maja“. Das Café ist in einem der ältesten barocken Bürgerhäuser am Platz und bietet einen Außenplatz, an dem die Sonne am längsten scheint.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 4/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2018

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