Usedom: Stille genießen auf der Sonneninsel

Neben vielfältiger Natur von Moorlandschaften bis zu feinem Sandstrand bietet die Ostseeinsel Usedom vor allem eins: Sonne satt! Beste Bedingungen für paradiesisch ruhige Wanderungen auf rund 400 Kilometer umfassenden Wegen und Pfaden.

Text und Fotos: Annika Müller

Das wahre Geheimnis Usedoms ist die Stille. In unserer kleinen, von einem Schilfgürtel abgeschirmten Badebucht teilt sie sich uns fast körperlich mit. Kein Windhauch raschelt in den Halmen; das Wasser des Stettiner Haffs ist spiegelglatt; die Sonne brennt auf den weißen Sandstrand. Man erschrickt fast, als eine Ente ihre Flügel streckt, sich kurz schüttelt, um sich dann träge wieder auf das Wasser zurückfallen zu lassen und ohne eigenen Antrieb vor sich hin zu gondeln. Hier auf der Halbinsel Gnitz ist Entschleunigung das Stichwort. Ein Wanderweg führt uns vom Örtchen Lütow durch einen naturbelassenen Mischwald, wo wir uns an umgestürzten Bäumen vorbeischlängeln und durch die wild romantische Urlandschaft des Naturschutzgebiets wandern, in der – von Moosen und Flechten überzogen – das Totholz verrottet. An der Südspitze von Gnitz besteigen wir den „Weißen Berg“, der mit seinen 34 Metern Höhe eher ein Sandhügel ist. Man hört nur das leise Knirschen der Stiefel auf dem Sandboden. Die Lungen füllen sich mit salziger Luft. Immer wieder öffnet sich der Blick aufs sogenannte Achterwasser, ein Zipfel des Stettiner Haffs.

Sonnenrekord

Die Sonne gleißt heute am wolkenlosen Himmel– und das ist keine Seltenheit: „Fast jedes Jahr knacken wir die 2.000-Stunden-Marke. 2015 wurden im Ostseebad Trassenheide wieder 2.035 Sonnenstunden gemessen“, erklärt Dörthe Hausmann, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Usedom. Damit liegt Usedom weit vor Deutschlands „sonnigster Stadt“ Freiburg im Breisgau mit ihrem Jahresdurchschnitt von „nur“ 1.740 Sonnen stunden. Die Ostseeinsel hat sich also den Beinamen „Sonneninsel“ wahrlich verdient. Zum Glück laden überall versteckte Buchten zu einem erfrischenden Bad ein. Leichte Brisen trocknen den Schweiß auf der Stirn. In Lütow lockt uns ein blau gestrichenes Fahrrad und ein handgeschriebenes Schild in den charmant verwilderten Lütower Biergarten, wo es Bulletten-Brötchen und Filterkaffee in herzlich-familiärer Atmosphäre gibt, fernab von der Latte-Macchiato-Kultur der schicken Ostsee-Strandcafés. Es sind diese Kontraste zwischen melancholischer Wildnis und ländlicher Ursprünglichkeit im Hinterland einerseits und dem trubeligen Badebetrieb an der Ostseeküste andererseits, die die zweitgrößte Insel Deutschlands so spannend machen. Nördlich von Lütow treffen wir später auf eine Zeugin der Geschichte, die weit zurückblicken kann: Eine uralte Eiche steht hier als lebende Skulptur. Um sie scharen sich wie Jünger riesige Steinklötze, die Jahrtausende überdauert haben: Es ist eines von vielen Hügelgräbern aus der Jungsteinzeit, die von der frühen Besiedlungsgeschichte der Insel zeugen. 1936 grub man das Grab aus und fand Waffen, Gefäße und Schmuck. Wie aus der Zeit gefallen wirkt auch das niedliche Netzelkow mit seiner gotischen Backsteinkirche, einer der ältesten auf Usedom. Hinter dem Dorf wiegen sich wie riesige Fabelwesen schwarze Erdölpumpen auf und ab. Bizarr ragen sie vor der lieblichen Landschaft in den Himmel.

Seit den 1960er Jahren bis fast zur Wende wurde hier Rohöl für fast die gesamte DDR gepumpt, 220.000 Tonnen im Jahr. Heute sind von 21 Pumpen noch sieben in Betrieb. Das Wasser ist das Element, das die Landschaft auf Usedom am stärksten prägt. Begrenzt wird die 632 Quadratkilometer große Insel von der Peene imWesten, dem Stettiner Haff – vor 15.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit, ein Eisstausee – im Süden, dem Fluss Swine im Osten und der Pommerschen Bucht im Norden.

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Typisches Bild: Strandkörbe bieten überall an Usedoms Küste Schutz vor Wind und dem schnell wechselnden Wetter.
© Annika Müller

Die Wanderungen auf dem rund 400 Kilometer umfassenden Wegenetz der Insel führen daher fast immer an ein Gewässer: an die Ostsee, die sich mal grau schäumend, mal tiefblau zeigt, oder ans windgeschütztere Haff, das sich oft als perfekter Himmelsspiegel präsentiert.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum Sammeln und Nachwandern erhalten Sie in Heft 2/2106 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2016

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