Wendland: Charmante Rundlingsdörfer entdecken

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Die Marienkapelle: 1909 im Rundlingsdorf Lübeln als Fachwerkhaus gebaut, steht sie heute unter großen, alten Eichen direkt neben dem Rundlingsmuseum.
© Malte Schwarzer

Wenn die Weite der Landschaft zum Wandern verführt, ist das Wendland nicht fern. Die urtümliche Region im Osten Niedersachsens besticht durch ihr kleinbäuerlich geprägtes Landschaftsbild und ihre liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser, die in einer runden Anordnung stehen. Im Naturpark Elbhöhen-Wendland sind die hübschen Rundlingsdörfer besonders zahlreich vertreten.

Text: Inga Dora Meyer

Fährt man ins Wendland, schauen einen die meisten Leute ­irritiert an, so als spräche man in Rätseln. Das ist dort, wo Gorleben liegt. Ah, Gorleben, das Zwischenlager für Atommüll. Jetzt fällt der Groschen. Hier ein gel­bes X, dort ein Protestplakat und ein paar Meter weiter ein Haufen gelb-schwarzer Tonnen – die Widerstandssymbole gegen Kernkraft sind ja auch unübersehbar mit der Region verbunden.

Doch das Wendland hat weitaus mehr zu bieten als Castor-Transporte und Anti-Atomkraft-Demos. Im östlichsten Zipfel Niedersachsens befindet sich der 1.160 Quadratkilometer große Naturpark Elbhöhen-Wendland, der im Landkreis Lüneburg beginnt und sich über den gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg erstreckt. Etwa die Hälfte seiner Fläche ist als Landschafts- oder Naturschutzgebiet ausgewiesen, das sich sehr vielfältig zeigt: urtümliche Wälder, Wiesen und Weiden, Heide und Bäche, die Elbhöhen, der Staatsforst Göhrde und der Drawehn, eine teils bewaldete, teils landwirtschaftlich genutzte Hügellandschaft. Wer Ruhe und Einsamkeit sucht und nicht durch Industrieansiedlungen, Großstadthektik oder laute Autobahnen gestört werden will, ist hier genau richtig. Natur, Kultur und Menschen bilden im Wendland noch eine harmonische Einheit, die es nicht mehr so oft zu finden gibt.

Fachwerkhäuser überall

Markenzeichen des bereits 1968 gegründeten Naturparks sind seine Dörfer mit den vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern, die in einer lieblichen, durch Landwirtschaft geprägten Gegend liegen. ­Einige Ortsnamen klingen wie die ­magische Beschwörungsformel eines Zauberers: ­Reddebeitz und Meuchefitz, ­Mammoißel und Tolstefanz. Sie zeugen von einer ­slawischen Besiedlung, die ab dem 12. Jahrhundert ihre Spuren in der Region hinterlassen hat. Im gesamten deutschsprachigen Raum wurden sie als Wenden bezeichnet, woraus sich der heutige Name Wendland ableitet. Doch nicht nur die Namen der Dörfer sind etwas ­Besonderes, auch ihre Form ist es: Sie sind nämlich rund.

Die Rundlinge erschließen sich Wanderern vor allem, wenn sie im Dorf­inneren stehen. Von dort schaut man auf die Giebel der Hofstellen, die sich mit der spitzen Seite zum Innenraum um einen runden oder ovalen Dorfplatz anordnen. Die zu den Höfen gehörenden Grundstücke umschließen den Ort und ergeben eine tortenstückartige Kulturlandschaft, die traditionell nur einen öffentlichen Zugang hat. Wieso die Slawen ihre Dörfer in dieser Form errichtet haben, ist bis heute nicht geklärt. Waren sie als Viehkral oder Kultplatz angelegt? Wurden sie zur Abwehr von Feinden erbaut? Oder sind sie als gleichberechtigte Gemeinschaftssiedlung zu deuten?

Keine der Fragen kann abschließend beantwortet werden. Sicher ist nur, dass es in anderen Gebieten Deutschlands – und zwar in einem breiten Streifen von der Ostsee bis zum Erzgebirge – ebenfalls Runddörfer gab, die aber im Laufe der letzten Jahrhunderte zu anderen Formen umgebaut wurden. Nur im Wendland ist diese Siedlungsform besonders gut und häufig erhalten geblieben. Der Grund? Seit dem Mittelalter gilt es als eine strukturschwache Gegend abseits der großen Handelswege. Nur dank diesem vermeintlichen Nachteil konnte es seine Urtümlichkeit behalten.

Erst in den 1960er Jahren setzte auch hier eine Tendenz zum Umbau ein, der aber gleichzeitig ein Bewusstsein für den Erhaltungswert der historischen Besonderheit erweckte. So können Wanderer die restaurierten Hallenhäuser, die im 13. bis 15. Jahrhundert der bäuerlichen Bevölkerung als Zuhause dienten, immer noch bestaunen. Mittlerweile ist neues, kreatives Leben eingezogen. Viele Atomkraft-Gegner, die Ende der 80er erfolgreich die Pläne eines riesigen ­nuklearen Entsorgungszentrums in Gorleben – mit Endlager, Zwischenlager und Wiederaufbereitungsanlage – zunichtemachten, ­haben sich hier niedergelassen. Hamburger, Bremer, Westberliner und Lüneburger mischten sich unter die Einheimischen. Vor allem Studenten, Nachzügler der 68er-Bewegung, Mao-­Anhänger, Sozialisten und Künstler. Ökologisch bauen, biologisch wirtschaften und energiesparend haushalten – das bewegt heute die Menschen, die hinter den bunten Fassaden wohnen und arbeiten.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 2/2015 von wanderlust.

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© Malte Schwarzer

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Den gesamten Artikel finden Sie in dieser Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2015

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