Wrack im Weltnaturerbe

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Wanderziel am Inselende: das Wrack von Norderney. Sand begräbt es seit 1967. Beständig sind im Wattenmeer, wo sich in Frühjahr und Herbst zehn Millionen Zugvögel satt essen, vor allem die Veränderungen.
© Beate Wand

Auch wenn das beliebte Ferieneiland aus allen Nähten platzt – im Osten von Norderney finden Urlauber immer noch Ruhe. Eingefleischte Inselliebhaber schwören auf eine Wanderung zum Wrack. Kurz vor Baltrum rostet es im Sand vor sich hin.

Text: Beate Wand

Weich und warm schmiegt sich der feine Sand beim Abrollen an die Sohlen. Ab und zu zucken sie zusammen, kurzer Schmerz bahnt sich durch den Körper. Zerbrochene Muschelschalen pieken ganz schön auf der zarten Haut des Fußgewölbes. Meeresduft streift die Nase. Doch die Nordsee ist weder zu hören, noch zu sehen. Ringsum riesige Sandhaufen. „Wenn man im Osten von Norderney zum Strand möchte, läuft man ganz schön lange durch die Dünen. Das gibt es im Westen gar nicht“, erzählt Imke Kreusel auf ihren Führungen. Am bebauten Ende der Insel engen Küstenschutz- bauwerke wie die Promenade den bei Hochwasser weit überspülten Strand ein. Die Gezeitenströmungen knabbern dort, verfrachten den Sand ostwärts.

Die Naturführerin aus dem Wattenmeer-Besucherzentrum veranschaulicht, wie aus zusammengespülten Samen im Flutsaum Binsen-Quecken ihre Halme aus dem Sand strecken. In ihrem Windschatten häuft sich Sand. Die Pflanzen werden größer. Hinter den Büscheln fängt sich immer mehr Sand, türmt sich zu einer Babydüne auf. „Man weiß nie, ob aus solch einer Primärdüne noch eine hohe wird oder ob die nächste große Sturmflut sie mitreißt“, begeistert der beständige Wandel im Inselosten die Naturkennerin. „Jedes Jahr sieht es hier anders aus. Manchmal ist auch der Wind der Baumeister.“ Tritte in den Dünen würden dem empfindlichen Strandhafer schaden. Fehlen seine Wurzeln als Anker für den Sand, bläst der Wind den körnigen Küstenschutz von den freien Flächen fort. Die langen Halme beugen sich strammen Böen. Dazwischen blecken die Dünen fast schneeweiß hindurch. Im geschützten Tal dazwischen möchte man sich sofort alle Kleider vom Leibe reißen, schließlich ist Hochsommer. Doch hinter dem nächsten Knick pfeift es einem schon wieder gehörig um die Ohren.

In Bodennähe treibt der Wind die feinen Körner vor sich her. Sie zwicken auf den Waden. Ganz weit hinten zeichnet sich zwischen Himmel und Strand ein dunkles Band mit einer weiß schäumenden Wand ab – die Brandung schlägt mit voller Wucht auf. Es ist der perfekte Tag für eine Wanderung. Ans Inselende. Zum Wrack. Glücklich ist, wer ein Fahrrad hat. Westwind schubst Radelnde rasch über Deiche und Dünenwege am Leuchtturm vorbei. Ein Netz aus gepflasterten Wegen, auf dem Radfahrer und Fußgänger in Dünentäler hinuntersausen und sich wieder hochkämpfen, überzieht die Insel bis kurz hinter ihrer Mitte. Etwa sechs Kilometer vom östlichen Stadtrand enden kurz hinter Flugplatz und Leuchtturm alle befestigten Wege am „letzten Park- platz“. Das Inselende ist aber noch lange nicht in Sicht, Luftlinie sind es noch sechs Kilometer (auch wenn ein Schild fünf anzeigt).

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 2/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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