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Schweiz: Kraft tanken

Ein riesiger Felskessel, ein dunkler Torfsee, die Gesteinsnische eines Einsiedlers: Voller Energie und Geheimnisse stecken viele Orte in der Ferienregion Jura & Drei-Seen-Land. Die Schweizerin Joëlle Chautems verbindet solche Kraftorte zu zehn kleinen Wanderungen und verrät wanderlust, wie sie uns aufladen.

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Eindrucksvoll: Über 150 Meter stürzen sich im „Grand Canyon der Schweiz“ die Felswände herab
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Einen Fuß auf den kleinen Absatz im Stein, die Hand sucht eine Stelle zum Hochziehen, den anderen Fuß in eine kleine Nische und – geschafft! Ich sitze oben. Mache es mir bequem auf dem hellgräulich-weißen Koloss. Moos polstert ihn stellenweise, Farne wachsen aus Ritzen hervor, Waldstorchschnabel blüht auf ihm. An dem großen Felsen erinnert eine bronzene Tafel mit der Aufschrift „Club Jurassien 1865–1965“ an den Hundertsten des Jura-Wander- und Naturschutzvereins. Längst überholt, nun wird er schon 150 – in der Zeitrechnung von Steinen nicht einmal ein Wimpernschlag. Wie lange mag es her sein, dass der Klotz noch viel weiter oben an den senkrechten Wänden des gewaltigen Felskessels Creux-du-Van klebte?

Oberhalb des Neuenburger Sees, etwa 15 Kilometer westnordwestlich von Neuchâtel, klafft auf einmal helles, kalkiges Juragestein durch die sattgrünen Hochweiden, die den sanft gewölbten Buckel des Soliat überziehen. Nackte Wände stürzen sich abrupt über 150 Meter senkrecht in die Tiefe. Sie formen das Amphitheater des Creux-du-Van. Über einen Kilometer umspannen die Flanken des Halbrunds. Der Auf- und Abstieg, um das auch „Grand Canyon der Schweiz“ genannte Naturspektakel im Jura zu umrunden, zählt zu den Wanderklassikern für die Eidgenossen – und zu den zehn Kraft-Spazierwegen, die Joëlle Chautems für die Ferienregion Jura & Drei-Seen-Land aufgespürt hat. In einer kleinen Broschüre beschreibt die ausgebildete Geobiologin ihre Touren zu geheimnisvollen, kraftvollen und belebenden Bäumen, Seen, Schluchten oder eben Steinen.

Energiequellen

Es prickelt schon alles sehr, jede Zelle meines Körpers scheint zu vibrieren. Ob dies von der Energie des Steins herrührt? Oder ob all meine Zellen beim Aufstieg von der Hütte Ferme Robert durch den Wald hier hinauf in Wallung kamen und nun noch weiterpulsieren, während ich – im Ruhemodus – dies nun spüre? Schwierig zu unterscheiden. Wie auch immer, ich baue auf das, was mir Joëlle Chautems mit großen blauen Kulleraugen unten an der Ferme Robert über Ener­gie sagte: „Sie ist intelligent und weiß, wo sie hin muss.“ Ich gebe ihr Zeit, den Weg zu finden, alle leeren Tanks mal wieder aufzufüllen. Lausche dabei. Ein Buchfink schmettert vorlaut durch den leicht dunstverschleierten Wald. „Krock, krock, krock“, krächzt ein Kolkrabe. Die Französisch-Fetzen einer fröhlich plappernden Kindergruppe verlieren sich allmählich. Ob sich die Suppenküche noch lichten wird, wenn die (aufgeladenen) Füße mich nach oben an den Kraterrand tragen? Mein unterer Rücken entspannt sich, die Gesichtszüge lockern auf. Wirkt der Stein? Oder eine Folge des ganz bewussten Innehaltens, des In-Sich-Hineinhorchens?

Ein Schluck Wasser. Eiskalt, gerade eben aus der Fontaine Froide in die Flasche gezapft. Die Quelle liegt dem „Ener­gie-Felsen“ fast zu Füßen. Mit vier Grad plätschert ihr Wasser das ganze Jahr über aus dem Hahn in den Holztrog. Eine von drei solch kalten Quellen im Val-de-Travers. Am Grund dieses Tals zwischen Pontarlier und Noiraigue (unterhalb des Creux-du-Van) trennt die Areuse die beiden vordersten Juraketten voneinander, bis sie unterhalb von Noiraigue die erste Kette spektakulär in einer tief eingeschnittenen Schlucht Richtung Neuenburger See durchbricht.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 6/2015 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Seele streicheln: Der Tag verabschiedet sich in Blau vom Kraterrand des Creux-du-Van.
© Beate Wand

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2015

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