Kopenhagen: Die muntere Metropole

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Bunt wie das Leben: Der Stichkanal Nyhavn ist heute eine beliebte Ausgehmeile.
© IMAGO/westend61

Der dänischen Metropole gelingt ein Kunststück, um das andere Städte sie beneiden: Kopenhagen wird größer und dennoch sympathischer. Die unverwechselbare Kombination von Kultur und Architektur, Grünflächen und Shoppingparadies, Charme und Gemütlichkeit bringen ihr auch noch das Label „Lebenswerteste Stadt der Welt“ ein.

Text: Edda Neitz

Neuankömmlinge erkennen es auf den ersten Blick: Kopenhagen ist eine Stadt mit vielen ­Gesichtern. Unaufgeregte Stadtatmosphäre und doch geschäftiges Großstadttreiben. Altes Gemäuer neben jungem Design. In der Stadt am ­Øresund, jener Wasserstraße, welche die Ostsee mit dem Kattegat und Skagerrak verbindet, passen Gegensätze zusammen. Was liegt da näher, in einem der sogenannten Brückenviertel, den Bros, mit der Wanderung zu beginnen. Es gibt drei Brückenviertel: das vornehme Østerbro, das multikulturelle Nørrebro und das Trendviertel Vesterbro. Vor allem in Nørrebro und Vesterbro ist das Leben ziemlich bunt. Die Bros baute man zur Zeit der boomenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert vor die Stadt. Arbeiter und die immer zahlreicher in die Hauptstadt drängenden Landbewohner fanden dort ihre neue Heimat.

Am Vesterbro Torv und die Istedgade entlang locken an warmen Tagen Cafés und Restaurants. Für Elmar Jung, der das Buch „Alles wegen Dänen“ schrieb, das mehr als ein Reiseführer Insiderwissen zu Kopenhagen liefert, ist Vesterbro ein Viertel, in dem der Wandel vom Arbeiter- zum Szeneviertel besonders spürbar ist. „Die Istedgade ist die Bodegastraße von Kopenhagen schlechthin“, sagt er. Bis in die 70er Jahre hinein war hier aber der Mittelpunkt des Rotlichtlebens. Sexshops und Pornoläden reihten sich wie an einer Perlenschnur an der Istedgade entlang. Verrucht und dunkel soll es in den Seitenstraßen gewesen sein. Doch das ist jetzt anders. Vor allem in der Nähe der Vesterbro Torv wurden viele Mietshäuser saniert, und ihre Fassaden leuchten nun in hellen Pastellfarben. Auch die zahlreichen kleinen Läden fallen auf. Zwischen marokkanischen Gemüseläden, Asia-Märkten und türkischen Metzgereien mischen sich kleine Boutiquen und schicke Cafés. Das citynahe Quartier zählt zu den begehrten Adressen.

Wer durch Vesterbro streift, stößt auch auf die „Kødbyen“, die Schlachthöfe. „Fleischstadt“ nennen die Kopenhagener noch immer den Teil der Stadt, in dem einst Metzger und Knochenhauer ihre Spezialitäten zubereiteten. Erst um die Jahrtausendwende ­kamen die Kopenhagener darauf, dass dieses riesige Areal nicht nur für Fleischer interessant ist. Inzwischen sind zahlreiche Kunstbetriebe und Restaurants in die flachen Häuserblöcke mit den weiß gekachelten Innenräumen eingezogen. Darunter auch das „Kødbyen Fiskebaeren“, ein mondänes Fischrestaurant, das sich vor allem um das Feinschmeckerpublikum bemüht. Gemütlich wie bei Muttern ist es dagegen im „Mother“. Breite Holztische mit Birkenwaldtapete an einer Wandfront. Gläser, Besteck und Teller stehen auf einem kleinen Tisch. Hier kann sich jeder das holen, was er zum Essen braucht. Bestellt und bezahlt wird an der Theke. Richtig „hyggelig“ ist es hier. „Hygge“ ist das Lieblingswort der Dänen. Also merken! Für Elmar Jung ist „hygge“ ein Phänomen, das das ganze Land durchzieht. Genau übersetzen kann man es nicht, denn „hyggelig“ ist die Beschreibung für ein Lebensgefühl, für Kerzen, gutes Essen, Lachen, Freunde, Gemütlichkeit, Bier, Musik. Hauptsache, es vermittelt ein positives Gefühl.

Von der „Fleischstadt“ zur Kulturmetropole

Gefühlte zehn Minuten Gehweg ist es vom derben Handwerk zur feinen Kunst. Von den „Kødbyen“ am Halmtorvet, am Tivoli, dem ältesten Vergnügungspark Europas, vorbei zum Dansk Design Center. Kopenhagen ist schon lange bekannt als ein Design-Mekka. Man braucht nur Bang & Olufsen und Kaare Klingt zu nennen. Im Dansk Design ­Center am H. C. Andersens Boulevard, finden Wechselausstellungen statt, vor allem für ­Möbel und Gebrauchsgegenstände. Dass die Dänen nicht nur bei Porzellan und Möbeln wahre Design-Meister sind, zeigen die neuen Bauwerke am ehemaligen Hafen. Das Markenzeichen ist nicht unbedingt eine rabiate Modernisierung, sondern vielmehr das behutsame Einfügen in die Stadtlandschaft. Hier ist sich die dänische Metropole treu geblieben, mehr als manche andere europäische Großstadt.

In unmittelbarer Nähe von Schloss Christiansborg, das jetzt der Sitz des Parlamentes ist, und der alten Börse, die zu den schönsten Renaissancebauten der Stadt zählt, steht die neue Heimstätte für alte Schmöker. Alles, was in Sachen Stadt und Staat zu Papier gebracht wurde, ist hier verwahrt. Schon einmal wurde die Königliche Bibliothek erweitert. Doch dieser Neubau mit einer Fassade aus Glas und poliertem schwarzen Granit aus Südafrika ist in seinen Ausmaßen so markant und wuchtig, dass die ­Namensgebung „Schwarzer Diamant“ auch voll ins Schwarze trifft.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 2/2015 von wanderlust.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2015

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