"Macht euch auf nach Speyer"

Dem Ruf von Goethes Götz von Berlichingen folgte wanderlust-Autorin Alexa Christ nur zu gern – und entdeckte eine Stadt voller Geschichte und genussvoller Pfälzer Lebensart. Dabei ließen die meisten Touristen Speyer noch vor 30 Jahren links liegen – sie wissen gar nicht, was für eine schöne Stadt ihnen entgangen ist.

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Text: Alexa Christ

Wenn wir damals die toten Kaiser und Könige im Dom nicht gehabt hätten, dann wäre hier ja tote Hose gewesen!“ Der Satz sitzt. Ruft ein kleines Stutzen hervor, das Stadtführer Peter Ellspermann mit seinen nächsten Worten jedoch gleich wieder wegwischt. „Heute sieht das natürlich ganz anders aus. Mittlerweile haben wir an die zwei Millionen Besucher pro Jahr. Menschen aus aller Welt kommen zu uns!“, schwärmt der Ur-Speyerer voller Stolz. Tatsächlich gibt es in der Stadt am Oberrhein zwei Zeitrechnungen: eine vor der 2000-Jahr-Feier 1990 und eine danach. Der runde Geburtstag stellt eine Art Wendepunkt dar. Damals besann sich die Stadt, die 10 v. Chr. von den Römern gegründet wurde und damit zu den ältesten in Deutschland zählt, auf ihr Potenzial. Sie verstärkte ihr Marketing und hübschte sich gehörig auf. Das Pflaster für den Prachtboulevard Maximilianstraße etwa ließ man extra aus Portugal kommen. Als der Bundeskanzler noch Helmut Kohl hieß, sind viele prominente Füße über den, damals noch holprigen, Asphalt gelaufen. Egal ob Bush, Gorbatschow, Jelzin, Thatcher oder Chirac: Sie alle machten Stippvisite in Kohls Pfälzer Heimat und erwiesen dem Kaiserdom die gebührende Reverenz. Seit einem knappen Jahrtausend wacht der imposante Bau aus gelb-rotem Sandstein über Speyer – und kann mit allerhand Superlativen protzen. „Der Dom ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt“, erläutert Friederike Walter, die seit ein paar Jahren das Kulturmanagement der Unesco-Welterbestätte leitet. „Vieles ist in ihm zum ersten Mal umgesetzt worden. Damit gab er Impulse für die architektonische Entwicklung in ganz Europa.“ Von geradezu strenger Schönheit ist das gewaltige Kirchenschiff, dessen zwölf Bögen sich über mächtige Pfeiler spannen. Hier wird die Schlichtheit zur vollendeten Kunst erhoben. Rekordverdächtig auch die Bauzeit: Unter dem Salier-Kaiser Konrad II. vermutlich 1030 begonnen – genaue Aufzeichnungen gibt es nicht –, wurde der Dom bereits 1061 geweiht. Von Anfang an hatte Konrad II. übrigens den Dom als Grablege seines Herrschergeschlechts geplant. Und sein Plan ging auf. Nach den Saliern wählten auch die nachfolgenden Familien der Staufer, Habsburger und Nassauer für weitere 200 Jahre die Krypta des Speyerer Doms als letzte Ruhestätte.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2018

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