Die Insel der Vierbeiner

Die holländische Schöne in der Nordsee ist bekannt für ihren entspannt-­legeren Stil: Hier fühlen sich nicht nur die berühmten Schafe wohl, sondern auch ­Menschen mit Hund sind herzlich willkommen.

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Auch ohne Hund locken endlose Watt- und Deichwanderungen mit Windmühlen wie hier bei Oost.

Text & Fotos: Friederike Brauneck

Ein Königreich für einen Schluck Wasser – so oder so ähnlich würde es Labrador-Dame Frieda wohl formulieren. Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang, bei dem sich eine fröhliche Toberei mit Artgenossen ergab, hängt ihr regelrecht die Zunge aus dem Hals. Aber Frauchen hat vorgesorgt und hält eine Erfrischung bereit. Hundebesitzer wissen die niederländische Insel Texel – oder Tessel, wie die Einheimischen sagen – zu schätzen. Nicht nur wegen ihrer entspannten Lockerheit den heißgeliebten Vierbeinern gegenüber, sondern auch wegen ihrer Naturschönheiten.

Mit 58 Hektar ist die größte und westlichste der Westfriesischen Inseln bequem per Fähre von Den Helder in 20 Minuten erreicht. Auf ihr sind etwa 13.500 Einwohner und etwa ebenso viele Schafe zu Hause. Bei letzteren handelt es sich um die typische Texelaar-Rasse, die durch Einkreuzen von englischen Tieren im 19. Jahrhundert nicht mehr nur hervorragende Wolle für Decken, Hausschuhe und Kosmetik liefert, sondern bekannt ist für eine besondere Fleischqualität: Pré Salé – von Natur aus vorgesalzen.

Die Insel besteht zu einem Drittel aus zugänglichen Naturschutzgebieten und lässt sich über 140 Kilometer Radwege und 225 Kilometer Wanderwege herrlich erkunden. Etwa 350 Vogelarten sind hier anzutreffen, und in der ältesten Seehundeaufzuchtstation Europas, Ecomare, kann man die eleganten Schwimmer von Kindesflosse an bestaunen. Und natürlich gibt es auch die für die Niederlande typischen kleinen Dörfer mit bunten Häusern, alle hübsch zurecht gemacht. In Den Burg, der „Hauptstadt“ der Insel, ist für die Zweibeiner reichlich Gelegenheit zum Bummeln, Shoppen und Genießen in kleinen Geschäften und Restaurants. Selbst ein Kino findet sich, in dem man einen ungemütlichen Schlechtwettertag überbrücken kann.

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Rudelwandern mit Verhaltenstherapeut Jos Oosting außerhalb der Sommersaison.

Ein Herz für Hunde

Die besondere Großzügigkeit Vierbeinern gegenüber hat auch Jos Oosting überzeugt: Der Hunde-Coach ist in den Niederlanden eine bekannte Größe, wenn es um die Verständigung von Hund und Herr geht. Da gibt es nämlich allerlei Missverständnisse, die alleine schon durch die unterschiedliche Körpersprache der beiden Spezies entsteht. Mit seinen Workshops, Beratungen und während endloser Strandspaziergänge dröselt er behutsam Kommunikationsfehler auf und verhilft zu neuer Qualität im täglichen Miteinander – nicht nur für Einheimische hilfreich, sondern auch für Touristen die perfekte Gelegenheit für einen Urlaub mit „Mehrwert“. Ganz nebenbei gibt es noch verblüf­fende Einblicke in das Gemüt des eigenen Vierbeiners. Gute Gelegenheit dafür ist das Rudelwandern, das Jos Oosting zweimal pro Woche startet. Da können schon mal bis zu 70 Hunde zusammenkommen! Aber im Freien regelt sich das meiste von selbst, und wenn es mal lauter wird, ist Jos zur Stelle. Herrchen und Frauchen können bei dieser Gelegenheit so manchen aufschlussreichen Tipp bekommen – kostenlos, versteht sich. Wer mehr wissen möchte, hat dazu Gelegenheit in einem Workshop oder bei einem Einzel-Coach. Und die Betonung liegt auf Coach. Jos ist wichtig, dass er kein Trainer ist, sondern sich mit dem Verhalten der Hunde auseinandersetzt.

Etikette statt Verbot

Natürlich ist die Freiheit der Vierbeiner nicht grenzenlos. In den Naturschutz- und Vogelbrutgebieten sowie in der Sommersaison an den Hauptstränden – Sandstrand gibt es hier immerhin auf einer Länge von bis zu 30 Kilometern – gilt ein Leinengebot. Und selbstverständlich lässt man seinen Hund nicht über die Weiden hetzen. Aber wohl nirgends in den Niederlanden gibt es so einen freundlichen Empfang für zwei- und vierbeinige Gäste wie in den meisten Restaurants und Hotels. Das reicht vom Wassernapf über Leckerli bis hin zu Liegekissen und Tüten für ein echtes „Doggy Bag“. Die meisten Hunde sind hier auf der Insel genauso ausgeruht und erholt wie ihre Besitzer und halten sich selbstverständlich an eine gewisse Etikette. Und falls es da mal Schwierigkeiten gibt, sollte man einfach Jos Oosting auf der nächsten Rudelwanderung abpassen und sich bei ihm Rat holen. Labrador-Dame Frieda und ihr Frauchen waren allerdings auf keinerlei Ratschläge angewiesen. Sie genossen in friedlicher Zweisamkeit entspannte Tage auf Texel.

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wanderlust-Redakteurin Friederike Brauneck auf ­Tuchfühlung mit Labrador-Dame Frieda.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2016

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