Wandern auf der Murgleiter

Der Schwarzwald bietet Wanderern ­echte sportliche Herausforderungen. Auf dem ­insgesamt 111 Kilometer langen ­Fernwanderweg Murgleiter müssen sie etwa 4.700 Höhenmeter überwinden.

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Hein Highlight der Tour ist Schloss Ebensten bei Gernsbach mit seinen steilen Weinbergen.

Text & Fotos: Claudia Steiner

Es geht bergauf und bergab – immer wieder. Rauf durch den Wald, runter auf schmalen Pfaden, erneut bergan und dann weiter über Weiden und saftige ­Wiesen. Der insgesamt 111 Kilometer lange Fernwanderweg ­„Murgleiter“ im Schwarzwald kann Wanderer ganz schön ins Schwitzen bringen. Wer die komplette Strecke von Gaggenau bis zum 1.053 Meter hohen Schliffkopf geht, muss einen Aufstieg von insgesamt rund 4.700 Höhenmetern bewältigen und merkt, dass der Schwarzwald echte sportliche Herausforderungen bietet. Ich laufe „nur“ zwei Etappen: die vierte, 23,4 Kilometer lange Tour von Schönmünzach nach Baiersbronn und die fünfte über 21,7 ­Kilometer von ­Baiersbronn zum Schliffkopf.

Rast am Weinbrunnen

Erster Tag: Startpunkt meiner gut siebenstündigen Tour ist Schönmünzach. Wir queren den Fluss Murg, laufen über Forstwege und Wiesen bergauf. Nach etwa einer Stunde führt der Weg – mit Blick auf das historische Örtchen Schwarzenberg – zur ersten Rast, dem Mähderbrunnen. Hier wird in eiskaltem Wasser Weißwein und Rosé gekühlt. Eine Holzbank und ein großer Tisch laden zu einer kleinen Pause ein. „Wer will einen kleinen Schluck probieren?“, fragen meine Wanderfreunde. „Einen kleinen Schluck Weißwein.“ „Ach, ein Gläschen Rosé.“ Auch ein Paar aus Leipzig, das beim Brunnen in der Sonne sitzt, ist begeistert von der Schänke, bei der man einfach einen Euro pro Glas in eine Kasse wirft. „Das ist eine wunderbare Einrichtung!“, schwärmen sie.

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Ein Schnäppchen aus einem der Schnapsbrunnen am Weg.

Köstliche Beeren am Wegrand

Kurz darauf geht es auf Trampelpfaden in den dichten Wald, ­hinein in den Nationalpark Schwarzwald. Am Wegrand locken süße Walderdbeeren und Heidelbeeren. Aber Vorsicht beim ­Beerenpflücken: Oft sonnen sich zwischen den Büschen giftige Kreuzottern. Die sind zwar scheu, und ihr Gift ist normalerweise nur in hohen ­Dosen gefährlich. Aber Vorsicht ist dennoch ratsam. Auch wir sehen auf unserer Wanderung zwei der Schlangen mit dem typischen Zickzackband auf dem Körper. Die Tiere nehmen jedoch sofort Reißaus, als wir uns nähern. Gegen Mittag erreichen wir den Huzenbacher See, einen kleinen Karsee auf 747 Metern Höhe. Die gelben Teichrosen liegen wie ein Teppich auf dem dunklen Wasser. Nicht umsonst werden die Karseen – Überbleibsel aus der Eiszeit – auch die „dunklen Augen des Nordschwarzwalds“ genannt. Vom See aus geht es noch einmal ziemlich steil bergauf bis zum Huzenbacher Seeblick. Spätestens jetzt kommen wir ganz schön aus der Puste. Schließlich müssen bei dieser Tagesetappe knapp 1.000 Höhenmeter überwunden werden. Weiter führt der Weg über das Hochmoor Kleemiss zum Überzwercher Berg und über kleine Wege schließlich bergab ins Tonbachtal, immer entlang des rauschenden Tonbaches. Das letzte Stück der Tour verläuft über einen Panoramaweg rund um den Rinkenberg und dann bergab nach Baiersbronn. Was für eine Tour! Traumhaft schön, aber auch ganz schön anstrengend. Meine Fußsohlen brennen ein wenig, und die Beine fühlen sich schwer an.

Traumhafte Ausblicke

Am zweiten Tag passieren wir den 1914 vom Württembergischen Schwarzwaldverein erbauten König-Wilhelms-Turm, auch Rinkenturm genannt. Und obwohl wir auch dieses Mal auch so wieder ausreichend Höhenmeter überwinden werden, steigen wir die Stufen hoch und genießen einen wundervollen Ausblick über das Murgtal und den Ort Klosterreichenbach. Wenig später machen wir eine Kaffeepause in der auf 706 ­Metern gelegenen urigen Wanderhütte Sattelei. Dann führt uns unser Weg wieder durch den Wald, vorbei an einem Damwildgehege nach Buhlbach, durch schattigen Tannenwald, über sattgrüne Hügel und schmale Forstwege, bis wir nach etwa sechs Stunden den Schliffkopf, das Ende der Murgleiter, erreichen. Es sind fantastische Etappen, abwechslungsreiche Touren. Und wer die gesamte Murgleiter abläuft, sieht tatsächlich die vielfältigen Orte und Landschaften im Nordschwarzwald: weite Auen, imposante Felsengen, dunkle Wälder, saftige Wiesen, felsige Köpfe, stille Moore und dunkle Karseen.

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Von Schloss Eberstein bietet sich ein herrlicher Blick auf Gernsbach.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2016

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