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Auf Grenzgang

Wo Sachsen an Böhmen stößt, versteckt sich das kleinste Mittelgebirge Deutschlands. Eine Landschaft, die von den Romantikern geliebt wurde: voll bizarrer Fels­formationen, malerischer Ruinen, putziger Dörfer und merkwürdiger Mundart.

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Der Nonnenfelsen ist die markanteste Steinformation im Zittauer Gebirge.

Text & Fotos: Alexa Christ

An das rollende R muss man sich erst mal gewöhnen. „In der Oberlausitz hat man „a Rad’l a dr Gurgl“, sagt Simone Richter lachend und klingt dabei wie eine Amerikanerin, die es mal mit Deutsch probiert. Die blonde Gäste- und Wanderführerin aus dem idyllischen Waltersdorf ist ein kleines Persönchen. Zu ihr passt der Oberlausitzer Hang zum Verniedlichen perfekt. „Dann lass uns mal a Stückl gehen“, schiebt sie frohgemut hinterher und schultert den Rucksack. Wir befinden uns mitten im Naturpark Zittauer Gebirge, dem kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. Es gehört zum Gebirgszug der Sudeten und liegt im äußersten Südosten Sachsens. Da, wo in Deutschland zuerst die Sonne aufgeht. Und die schiebt sich gerade mit voller Strahlkraft hinter ein paar Cumuluswolken hervor. Perfekt! Unsere Schritte wenden sich nach rechts. Wir folgen der Hauptstraße zum Ortsausgang von Waltersdorf und machen dabei ein paar erste kleine Höhenmeter.

Überall Geschichte

Waltersdorf, das sich vollmundig „Lufthol-Ort“ nennt und zur Gemeinde Großschönau gehört, entstand wohl schon Mitte des 13. Jahrhunderts. Lange Jahre lebte die Bevölkerung vom lukrativen Silberbergbau, später kam die Leinenweberei hinzu. Historischen Spuren begegnet man im Ort auf Schritt und Tritt. Allein 300 Umgebindehäuser – 230 davon unter Denkmalschutz – zieren das Dorf. „Die Umgebindehäuser sind etwas Einzigartiges. Es gibt sie nur dort, wo Deutsche auf Slawen getroffen sind, also in Niederschlesien, der Lausitz, in Nordböhmen, dem Erzgebirge und vereinzelt im Vogtland“, berichtet Simone. „Aber in Sachsen hat das Umgebindehaus eine besondere Ausprägung bekommen. Man kombinierte nämlich die slawische Blockhütte mit einem deutschen Fachwerk- und Steinhaus.“ Ein Drei-in-eins-Paket sozusagen, das viele Vorteile bot. Die Blockhütte war dem Fachwerkhaus in Sachen Wärmedämmung nämlich haushoch überlegen. Also kamen die Wohnstuben in diesen Teil des Hauses, der stets nach Süden ausgerichtet war. Im massiven Steinhaus wurden der Stall für die Tiere der Familie, die Speicherräume und die Feuerstelle zum Kochen untergebracht. Die hölzerne Stützkonstruktion, die den Stubenteil von der Last des Daches befreite, nennt sich Umgebinde. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der typische Umgebindebogen, von dem es normalerweise immer drei gab. Wer mehr verbaute, hatte genügend Geld an der Hand, um sich das Protzen leisten zu können. Hübsch anzusehen ist das Ganze allemal, egal ob mit drei oder mehr Bögen. Ein besonderer Hingucker sind dabei die vielfach aus Granit oder Sandstein gefertigten Türstöcke, die so wunderbar barock daherkommen.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum Sammeln und Nachwandern erhalten Sie in Heft 3/2017 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2017

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