Einmal Erdgeschichte und zurück

Hinter Trier heißt es stark bremsen! Sonst ist man schon in ­Belgien – und verpasst eine der schönsten Gegenden des ­Großherzogtums Luxemburg. Das verwunschene Müllerthal mit seinen skurrilen Felsformationen und zauberhaften Bachtälern ist ein Traum für Wanderer und Hobby-Geologen.

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Postkarten-Motiv: Wie ­hingegossen spiegelt sich die mächtige ­Burgruine Beaufort im Wasser.
© Alexa Christ

Text & Fotos: Alexa Christ

Gewaltig muss es gewesen sein. Ein Urmeer, das weite Teile des heutigen Europas bedeckte. Bizar­re Wesen tummelten sich darin: fingerlanges, asselähnliches Getier, rätselhafte Gliederfüßler, seltsame Würmer und Seeskorpione. Ganz langsam lagerten sich Unmengen von Sand ab, verklebten sich zu festem Fels: Sandstein, Mergel und Dolomit. Im Jura war das, vor 200 Millionen Jahren. Erosion setzte ein. Flüsse wie die Sauer, die Weiße und die Schwarze Ernz schnitten sich in den Untergrund und schufen eigenartige Felsgebilde. Eine märchenhaft anmutende Welt aus Stein und Wald, die sich heute Müllerthal, im Beinamen auch Kleine Luxemburger Schweiz, nennt. Wer sie erwandert, unternimmt eine Entdeckungsreise in die Erdgeschichte. „Schau mal hier, das ist die Hohllay, eine der bekanntesten Höhlen der Region“, zeigt Wanderführer Marco auf die ockergelbe Sandsteinpassage, die kurz hinter Berdorf vor uns aufragt. „100 Meter Sand ergeben zusammengedrückt zehn Meter Fels – wenn man eine Million Jahre wartet.“ Er deutet auf die kreisrunden Ausbuchtungen an Decke und Wänden der Höhle. „Hier kannst du noch heute sehen, wo man früher die Mühlsteine aus dem Fels gebrochen hat.“ Ganze 88 Mühlen standen einst in dieser Region im Osten des Großherzogtums Luxemburg. Sie gaben dem Tal den Namen. Vor zehn Jahren entstand hier der „Mullerthal Trail“, ein europäischer Qualitätswanderweg von 112 Kilometern, der sich in drei verschiedenen Schlaufen erkunden lässt. Die Zeiten, in denen man das winzige Luxemburg – Nord-Süd-Ausdehnung 80 Kilometer, Ost-West-Ausdehnung 50 Kilometer – schlichtweg übersah, sind längst vorbei. „Wir haben versteckte Zähler entlang der drei Routen angebracht. Im vorigen Jahr waren 105.000 Wanderer auf dem Mullerthal Trail unterwegs“, verrät Tourismusmanagerin Marianne Origer voller Stolz. Trotzdem führt der Weg, zumindest im frühlingshaften April, in herrliche Einsamkeit. Ein Meer aus weißen Buschwindröschen bedeckt den Waldboden. Gelbes Milzkraut und violett blühendes Immergrün recken ihre filigranen Köpfchen aus der Erde. An halbtoten Baumstämmen saugen gierig graue Zunderschwamm-Pilze. Mit dem Schwäche-Parasit entfachte man einst Feuer. „Aber früher nutzte man auch seine blutstillende Wirkung“, sagt Marco, „und in Rumänien produziert man noch heute aus seinem Fleisch eine Art Leder, aus dem Taschen gemacht werden.“

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 4/2017 von Wanderlust. Hier können Sie die Ausgabe nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2017

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