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Märchenhafter Nordschwarzwald

Wer im Winter mit Schneeschuhen durch den Nordschwarzwald wandert, könnte glauben, er sei in Skandinavien. In der einsamen, tief verschneiten Grindenlandschaft sind kaum Menschen unterwegs – und wer Glück hat, begegnet Füchsen, Rehen und sogar Auerhähnen.
Panoramablick auf den Nordschwarzwald bei Schnee im Winter.
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Die Buchen sind mit einer hauchfeinen, silbrig glänzenden Eisschicht überzogen. Die Tannen haben dicke Mützen aus Schnee auf. In der Nacht hat es im Nordschwarzwald noch einmal gut 30 Zentimeter geschneit. Noch immer fallen dicke Schneeflocken vom Himmel – sie tanzen und wirbeln durch die klirrend kalte Luft. Wir stapfen – dick eingepackt – mit Schneeschuhen durch die Grindenlandschaft, eine Heidefläche in den Bergen, die früher als Weide genutzt wurde. Es ist ganz still, nur der Schnee knirscht unter unseren Füßen. Die Gegend hier oben hat etwas Geheimnisvolles. Der Grund dafür ist, dass die Wolken vom Atlantik kommend direkt auf die Bergkuppen im Schwarzwald treffen.

Wildnis im Schwarzwald

Rike, die Forstwirtschaft studiert und ehrenamtlich beim Naturschutzzentrum tätig ist, hält unterwegs immer wieder an und weist uns auf Dinge hin, die wir ohne sie gar nicht wahrnehmen würden. „Schaut mal, da ist eine Fuchsspur. Die Abdrücke sind in einer Linie und damit leicht zu erkennen.“ Und da, nur gut hundert Meter vor uns, trippelt tatsächlich ein rotbrauner Fuchs durch den Tiefschnee. „Da seht ihr den typischen Fuchsgalopp. Es ist total wichtig, dass Wanderer immer auf den Wegen bleiben. Die Tiere können diese Wege dann meiden und müssen nicht kostbare Energie bei der Flucht durch den Schnee vergeuden.“ Wir wandern – mal ein bisschen bergauf, dann wieder bergab – auf einer Höhe von etwa 1000 Metern dahin.

Dann reißt die Wolkendecke plötzlich auf. Die Schneekristalle glitzern, die weißen Bergkuppen glänzen in der Sonne. Ganz in der Ferne kann man Straßburg erahnen. Auch die Hornisgrinde – den mit 1163 Metern höchsten Berg des Nordschwarzwalds – kann man sehen. Auf ihm thront der 23 Meter hohe Hornisgrindeturm. Nach knapp drei Stunden erreichen wir die Darmstädter Hütte. Das urige Haus liegt inmitten eines Hochmoors zwischen Wild und Mummelsee, Hornisgrinde und Schwarzwaldhochstraße auf einer Höhe von 1030 Metern. Legendär auf der knapp 90 Jahre alten Hütte sind deftige Spätzle mit Linsen und Saitenwürstl – so heißen hier die Wiener Würstchen. An der Wand hängt – wie sollte es hier auch anders sein? – eine alte Kuckucksuhr.

Schneebedeckte Bäume im Nordschwarzwald.
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Gefiederter Besucher

Der Kuckuck ruft pünktlich zu jeder halben und vollen Stunde. Die Gaststube ist rappelvoll – denn die Hütte ist direkt an einem Winterwanderweg und an einer Loipe gelegen. Eine Dame am Tisch erzählt von einem Auerhahn, der schon ein paarmal in Hüttennähe gesichtet wurde. „Manche Wanderer bekommen fast ein bisschen Angst, wenn sie den Auerhahn sehen. Der ist ganz schön groß.“ Eigentlich zeigen sich die bis fast einen Meter hohen Männchen, die sich im Winter vor allem von Kiefern , Fichten und Tannennadeln ernähren, so gut wie nie. Aber in der Balzzeit – die normalerweise erst im Frühjahr ist – steigt der Testosteronspiegel an, und das Tier verliert etwas die Scheu. Warum aber dieser Hahn auch im Winter gelegentlich so forsch durch die Gegend streift, weiß auch Rike nicht so genau. Dann geht unsere Tour weiter durch den Bannwald – einen sehr dichten Wald, in dessen Wuchs nicht eingegriffen wird. Hier kann man sich bildlich vorstellen, wie deutscher Urwald einst ausgesehen haben muss. Mit seinen über 100 Jahren ist er einer der ältesten Bannwälder im Schwarzwald. „Bannwald bedeutet, dass die Wirtschaft aus dem Wald verbannt ist“, erklärt Rike. Weder werden hier Bäume gefällt noch neue angepflanzt – der Wald ist vollständig sich selbst überlassen. Nur kleine Trampelpfade sind gestattet. Auf dem Weg zum Naturschutzzentrum Ruhestein entdecken wir frische Spuren im Schnee – von Rehen und von Mäusen. Und immer wieder versinken wir – selbst mit Schneeschuhen – bis zu den Knien im tiefen Schnee. Unsere Wangen sind von Kälte und vor Anstrengung gerötet. Gegen Ende der insgesamt vierstündigen Tour fängt es wieder ganz leicht zu schneien an. Der Schnee deckt unsere Spuren zu – zurück bleibt eine fast unberührte, einsame, märchenhafte Schneelandschaft.

Einige Personen auf einem Wanderweg in verschneiter Winterlandschaft im Nordschwarzwald.
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Tipps für Baiersbronn

Tourist-Information Baiersbronn am Rosenplatz: baiersbronn.de

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Die Tour vom Schliffkopf bis zum "Ruhestein-Vater"

Ausgangspunkt ist der obere Parkplatz des Schliffkopfhotels. Etwa 150 m links vom Hotel ist der Einstieg in den Weg. Dem schmalen Weg aufwärts folgen bis zu einer Informationstafel unweit des Aussichtspunkts Schliffkopf. Dann links halten und den schmalen Pfad weiter gehen, der sich durch die Grindenlandschaft schlängelt. Die Wanderung verläuft über den Westweg, einen berühmten Fernwanderweg. Der Pfad führt zum Skilift Vogelskopf. Den Parkplatz kreuzen und links halten. Der Weg führt in den Wald. Bei der ersten Lichtung ist der Blick frei auf den gegenüberliegenden Skihang Ruhestein und die Sprungschanze Ruhestein. Danach geht es links abwärts durch den Wald, bis dieser sich öffnet und der Weg entlang des Rodelhangs Ruhestein hinunter zum Parkplatz führt. Hier geradeaus über die Straße gehen, direkt auf die Jugendstilvilla zu. Hinter dem neuen Nationalparkzentrum steigt der Weg moderat an. Dem Weg folgen bis zur Darmstädter Hütte. An der Hütte rechts halten. An der nächsten Weggabelung weiter nach rechts und in Baden Württembergs ältesten Bannwald einbiegen. Nach etwa 500 m weist ein Weg rechts ins Unterholz in Richtung Euting Grab und Wildsee. Dem Pfad in den Wald hinein folgen, jedoch nach 500 m nicht rechts abbiegen Richtung Wildsee, sondern auf dem Weg bleiben. Nach etwa 300 m befindet sich rechts die Grabstätte des Geheimrats Prof. Dr. Julius Euting, dem „Ruhestein Vater“. Im Zickzackkurs führt der Weg zu rück zur Talstation, wo ein Bus Richtung Tal und Schliffkopf verkehrt. Insgesamt 9,7 km, etwa 4 Stunden, mittel.

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