Tierische Begegnungen am Lechweg
Im Herbst besonders schön
Der Herbst verändert den Lechweg spürbar. Die Tage werden kürzer, die Farben kräftiger, auf den Wegen kehrt mehr Ruhe ein. Genau dann lohnt es sich, nicht nur auf die Landschaft zu achten, sondern auch auf ihre Bewohner. Denn entlang des rund 125 Kilometer langen Weitwanderwegs zwischen Formarinsee und Füssen lebt eine erstaunlich vielfältige Tierwelt.
Kleine Landschaftsarchitekten am Fluss
Angenagte Baumstämme, Holzspäne am Ufer oder kleine aufgestaute Wasserflächen verraten einen Bewohner, den man selbst oft gar nicht zu Gesicht bekommt: den Biber. Fast 200 Jahre lang war er aus Tirol verschwunden, ehe er Anfang der 2000er-Jahre aus Bayern wieder ins Lechtal zurückkehrte. In den Auwäldern, Seitenarmen und ruhigeren Zuflüssen findet er heute ideale Bedingungen.
Mit seinen Dämmen verändert der Biber seine Umgebung aktiv. Er schafft neue Kleingewässer, Feuchtflächen und Rückzugsräume – und damit Lebensraum für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Im Naturpark Tiroler Lech zählt er inzwischen wieder zu den charakteristischen Arten des Flusstals.
Steinböcke: Rückkehr der Alpenbewohner
Noch spektakulärer ist die Geschichte des Alpensteinbocks. Anfang des 19. Jahrhunderts war die Art in den Alpen nahezu ausgerottet. Nur rund 100 Tiere überlebten im Gebiet des Gran Paradiso. Schutzmaßnahmen und spätere Wiederansiedlungen ermöglichten schließlich die Rückkehr.
Am Arlberg begann diese 1958. Heute leben im Lechquellgebiet rund 600 Steinböcke – damit befindet sich hier eine der größten Kolonien Europas. An diese Erfolgsgeschichte erinnert auch das bronzene Steinbock-Denkmal nahe der Alpe Formarin, an dem die erste Etappe des Lechwegs vorbeiführt. Mit etwas Glück lassen sich die Tiere oberhalb des Weges zwischen Felsen und Bergwiesen beobachten. Besonders wichtig dabei: Abstand halten und die Tiere nicht bedrängen.
Vogelzug über der Pflacher Au
Ein weiterer guter Beobachtungspunkt liegt deutlich tiefer: die Pflacher Au bei Reutte. Rund 110 Brutvogelarten finden im Naturpark Tiroler Lech geeignete Lebensräume. Im Herbst kommen zahlreiche Zugvögel hinzu, die auf dem Weg in ihre Winterquartiere Rast machen.
Von einem 18 Meter hohen Beobachtungsturm bietet sich ein weiter Blick über Auwald, Bäche, Tümpel und Röhricht. Welche Arten sich zeigen, hängt von Wetter, Tageszeit und Zuggeschehen ab. Ein Fernglas lohnt sich also – und ebenso die Bereitschaft, das Wandertempo für eine Weile zu drosseln.
Der Lechweg
Der „Lechweg – von der Quelle bis zum Fall“ folgt auf rund 125 Kilometern dem Lech vom Formarinsee über Warth, das Tiroler Lechtal und Reutte bis zum Lechfall in Füssen. Die Route verbindet Vorarlberg, Tirol und Bayern und lässt sich in sieben bis zehn Etappen erwandern. Der Weg ist in 15 Abschnitte gegliedert und gilt insgesamt als moderater Weitwanderweg. Gepäcktransport und öffentliche Verkehrsmittel erleichtern die Organisation. Seit 2012 trägt der Lechweg das Prädikat „Leading Quality Trail – Best of Europe“. Weitere Informationen: www.lechweg.com.
Am Ufer des Lechs, an Flussarmen oder kleinen Bächen kann so mancher Wanderer einen Biber in Aktion entdecken.
Verein Lechweg/Fabian Heinz