Im Tal der Almen
Genusstur im Großarltal
Wenn er über „seine“ Almen spricht, gerät Thomas Wirnsperger völlig ins Schwärmen. Er ist seit rund 35 Jahren Tourismuswerber im Großarltal und hat bereits im Jahr 1995 seiner Heimatregion, dem Großarltal im Salzburger Land, den Beinamen „Tal der Almen“ verpasst. „27 Hütten waren es damals, die in mittlerer Höhenlage zwischen rund 1.400 und 1.800 Metern bewirtschaftet wurden“, erklärt er im Gespräch. Nicht der Gäste wegen, sondern weil man im Großarltal seit Generationen das Vieh den Sommer über quasi auf „Sommerfrische“ auf die Alm treibt, um auf den Wiesen im Tal den Futtervorrat für den Winter einzubringen. „Um die großen Mengen an Milch auf den Almen haltbar zu machen, wurde sie an Ort und Stelle zu Butter und Käse verarbeitet. Der wertvolle, fetthaltige Teil der Milch wurde also weiterverarbeitet und die verbleibende Molke an die Schweine verfüttert“, hält Wirnsperger fest und ergänzt: „Jede Sennerin hat hier ihr ganz eigenes Rezept und so schmeckt der Käse auf jeder Hütte etwas anders.“ Das wollen wir heute testen.
Mit Feingefühl zum besonderen Geschmack
Der für das Großarltal typische Käse ist der Sauerkäse, eine Art Graukäse, der ohne Beigabe von Lab aus der entrahmten Magermilch hergestellt wird. Es ist die einfachste Art, Käse zu machen. Auf der mit rund 400 Jahren ältesten Hütte im Tal, der Karseggalm auf 1.603 Metern wird heute noch wie zu Großvaters Zeiten der Käse im rußgeschwärzten Kupferkessel über dem offenen Feuer zubereitet. Wir besuchen Senner Willi Gruber, den hier im Tal alle einfach „Egg Willi“ nennen. Er setzt ganz bewusst diese Tradition fort. „Nur durch die sorgfältige Bearbeitung von Hand und die Lagerung im Rauch über dem offenen Feuer bekommt der Käse den für die Alm charakteristischen Geschmack“, beschreibt er seine Arbeit. Besonders köstlich ist der würzige Knetkäse, den Willi gerne über die Käsespätzle oder einfach auf ein Butterbrot reibt. In diesen Genuss kommen wir dann zum Glück auch.
: Senner Willi Gruber von der Kaseggalm zeigt stolz seinen Käse. Die Karseggalm liegt direkt am Salzburger Almenweg, einem 350 km langen Weitwanderweg, der in 25 Tagesetappen alle Pongauer Gemeinden und 120 Almen miteinander verbindet.
Thomas WirnspergerWarum die Almbutter gelb ist
Eine Hütte, die sowohl am Salzburger Almenweg als auch an der Sternwanderung Almen- und Gipfelglück liegt, ist die Filzmoosalm, auf einer Höhe von 1.710 Metern im hinteren Ellmautal. Hier besuchen wir Sennerin Bettina Huber. Sie ist bekannt für ihre Käsevielfalt. Neben dem traditionellen Sauerkäse bietet sie verschiedene Topfenfrischkäse und unterschiedlichste Arten von Schnittkäse an. Dazu selbst gebackenes Bauernbrot und – ganz besonders bei kleinen Naschkatzen beliebt – das selbst gemachte Bauernhofeis. Von ihr stammt auch die Idee zum Stickerheft „Komm mit auf die Alm“. Dabei können die Kinder auf jeder Alm die kostenlos bereitgestellten Sticker sammeln und in ihr Buch einkleben. Sie lernen so viel über den richtigen Umgang mit der Natur, den Tieren und die bäuerliche Arbeitswelt. So auch, dass man für die Herstellung von 1 kg Butter rund 18 Liter Vollmilch braucht. Und dass die Almbutter deshalb so gelb ist, weil die Kühe auf der Alm so viele Kräuter fressen, die den natürlichen Farbstoff Beta-Carotin enthalten und dadurch die Butter so gelb färbt. Das und noch viel mehr erfährt man, wenn man die Almen in den beiden Wanderdörfern Großarl und Hüttschlag erwandert.
Das begleitende Gipfelerlebnis zwischen 2.000 und knapp 3.000 Metern rundet diese Besuche ab und ist durch ein 400 km langes Wanderwegenetz sowie durch 160 km ausgeschilderte Mountainbikestrecken bestens erschlossen. So ist sowohl für gemütliche Wanderer als auch für echt konditionsstarke Alpinisten das Richtige dabei. „Besonders der Talschluss mit seinen schneebedeckten Gipfeln im Nationalpark Hohe Tauern bietet einige echte landschaftliche Besonderheiten und hochalpine Herausforderungen“, hält Thomas Wirnsperger fest.
Abwechslungsreiche Wanderung über die Aualm zum Schuhflicker und weiter zum idyllischen Schuhflickersee mit herrlichen Ausblicken.
Thomas WirnspergerAuszeit im Tal
Nach so viel Aktivität hat sich aber jeder auch mal eine Pause in einem der erstklassigen Hotels, Pensionen und Appartements im Tal verdient. Wer es gerne gemütlich mag, nutzt für den Aufstieg die Bergbahnen, entschwebt mühelos bis in eine Höhe von 1.954 Metern und startet dort seine Wanderung – etwa zur nahe gelegenen Gehwolfalm oder zur Aualm und dem sagenumwobenen Schuhflicker (2.214 m). Selbst der Abenteuerspielplatz im Tal widmet sich dem Thema „Alm“: Rucki-Zucki´s „Gaudi Alm“ mit Kristallbergwerk, Hochalm, Bergsee, und Almbach ist Salzburgs größter Almenspielplatz, und das mitten im Ortszentrum von Großarl. Daneben sorgt das Erlebnisbad mit Breitrutsche, Sprungturm, Minigolf und Beach-Volleyball für Action und die nötige Abkühlung. Nach einem Tag Pause unten im Tal lockt schon wieder der Ruf der Berge. Das Rauschen der Wasserfälle und der Duft der Almwiesen. Erneut zieht es uns hinauf auf die Gipfel und Almen. Mittlerweile sind es rund 40 bewirtschaftete Hütten, die dem Namen „Tal der Almen“ alle Ehre machen. Hier wird echte Gastfreundschaft mit köstlichem Käse garniert und man wähnt sich dem Himmel ein Stück näher.
Zählt man die vielen markanten Gipfel der Venedigergruppe auf, so darf der 3.291 m hohe Keeskogel nicht fehlen.
Thomas WirnspergerWandern
Rundumschlag an Naturerlebnissen
Ein ganz neuer Weitwanderweg ist die Sternwanderung „Almen- und Gipfelglück“. Dabei lässt sich auf einer Strecke von 46 km Länge und rund 3.300 Höhenmetern in vier Tagesetappen die landschaftliche Vielfalt des Großarltals erleben. Der Taleingang ist geprägt von schroffen Felsgipfeln. Danach wird das Tal lieblich und breit. Weite Almböden und saftig grüne Gipfel wie der Gamskarkogel, der mit 2.467 Metern höchste Grasberg Europas, prägen das Landschaftsbild. Der Talschluss des Bergsteigerdorfes Hüttschlag wird von den steilen Felswänden und den schneebedeckten Gipfeln der Hohen Tauern dominiert. Die vier Etappen erstrecken sich über den gesamten Talbereich. Ausgangspunkt der Tour ist immer das selbst gewählte Quartier im Tal. Von dort kommt man mit dem Wandertaxi zum Ausgangspunkt der Tagesetappe und anschließend auch wieder retour. Der Vorteil, wenn man immer in derselben Unterkunft nächtigt, liegt auf der Hand: Nur einmal aus- und einpacken, Wandern nur mit leichtem Tagesrucksack, fixe Tourenvorschläge mit Möglichkeit zur Änderung im Falle von Schlechtwetter.
Alle Infos unter:
Tourismusverband Großarltal
T. +43 (0)6414/281