Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 6 Min.

Dr. Hike: Zeckenzeit

Zecken sind mittlerweile Ganzjahresthema und in Deutschland weit verbreitet. Im Gespräch mit Wanderlust erklärt Prof. Dr. Martin Pfeffer, wo man die Blutsauger antrifft, wie man sie korrekt entfernt und welche Rolle die FSME-Impfung spielt.
Wandern
© Christian Hüller

Weitblicke, Waldwissen und Wasserrauschen

 

Mit zwei Irrtümern räumt Prof. Martin Pfeffer direkt auf. „Zecken fallen nicht von Bäumen, und es gibt zwar eine Impfung gegen die FSME (Frühsommer-Meningo­enzephalitis), aber keine Impfung gegen Zecken.“ ­Pfeffer ist Professor für Epidemiologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig und erklärt, warum Zecken gerade für Wanderer ein relevantes Thema sind. „Zecken leben in den Teilen der Natur, die wir gerne zu Fuß erkunden. Dies sind Wälder und Flure und vor allem die Übergangsbereiche, die sogenannten Ökotone, wo der Wald in Grünland oder Felder übergeht und wo auch meist Wanderwege angelegt sind. Dies sind die Bereiche, in denen die eigentlichen Wirte, kleine Säugetiere, leben, und die von großen Säugetieren wie Reh- und Schwarzwild gekreuzt werden, an denen v.a. die erwachsenen Zecken saugen.“ Mittlerweile gelten Zecken zunehmend als Ganzjahresthema. Hierfür sieht der Epidemiologe einen Mitgrund in den milden Wintern. „Diese bedingen, dass die Zecken nicht in eine Winterruhe gehen müssen, sondern bei Temperaturen wenige Grad über dem Gefrierpunkt aktiv bleiben und auf Wirte warten“, erklärt Pfeffer und ergänzt im Gespräch mit Wanderlust: „Zudem kommen die Nagetiere, die Kinderstube, also die ersten Wirtstiere für die Zeckenlarven, besser über den Winter, und können so schneller größere ­Population aufbauen.“

 

Verbreitung und Schutz

Aktuell gibt es bundesweit 180 FSME-Risikogebiete. Für Deutschland bedeutet das: Mehr als 40 Prozent aller Stadt- und Landkreise sind betroffen. Die Gefahr, von einer FSME-infizierten Zecke gestochen zu werden, ist in Süd- und Mitteldeutschland besonders hoch. Hierzu gehören große Teile Bayerns, Baden-Württembergs sowie Teile von Hessen, Sachsen und Thüringen. Im Februar 2024 kamen mit dem Stadtkreis Frankfurt (Oder) in Brandenburg und dem Landkreis Altenburger Land in Thüringen zwei neue Risikogebiete dazu. In den letzten Jahren wurden immer mehr Stadt- und Landkreise im Norden und Osten Deutschlands als Risikogebiet eingestuft. „Der Gemeine Holzbock kommt überall in Deutschland vor und muss sich nicht mehr weiterverbreiten, außer, dass er über Wirtstiere zum Beispiel in Gärten oder Stadtparks eingetragen wird“, beschreibt Prof. Martin Pfeffer die Entwicklung und fügt an: „Die Wiesenzecke erfährt tatsächlich in den letzten zwei Jahrzehnten eine geographische Ausdehnung in Deutschland, die möglicherweise mit der Zunahme von Brachflächen und extensiver Landnutzung zu tun hat.“ Wie aber schützen wir uns nun bei einer Wanderung am besten? Lange Hosen will man zwar im Sommer beim Wandern nicht tragen, aber sie sind tatsächlich ein guter Schutz, wenn die Enden in die Socken gesteckt sind. So können die Zecken nicht unbemerkt an den Beinen hochkrabbeln und sind speziell auf heller Kleidung besser zu erkennen und zu entfernen. „Es gibt einige Sprays, mit denen man sich Schuhe und bis zu den Knien einsprühen kann, die sehr gut Zecken abwehren“, hält Martin Pfeffer fest und erklärt abschließend: „Auf Wanderwegen gibt es keine Gefahr, aber wenn man ins Unterholz geht, wird man sich fast mit Sicherheit eine Zecke einsammeln, danach sollte man vermehrt darauf achten. Beim Duschen am Abend (oder nächsten Morgen) nach einer Wanderung sollte man ebenfalls auf Zecken am Körper achten.“ 

Der Gemeine Holzbock kommt mittlerweile überall in Deutschland vor. 

© Pfizer Pharma GmbH

INTERVIEW mit Prof. Dr. Martin PfefferWas ist zu tun, wenn man nach einer Tour eine Zecke entdeckt? 

Zecken sind leichter zu entfernen, wenn sie noch nicht lange saugen. Es gibt verschiedene „Werkzeuge“, die alle auf demselben Prinzip beruhen, dass man möglichst dicht an der Haut die Zecke erfasst und unter sanftem Zug langsam so lange zieht, bis sie entfernt ist. Es ist nicht schlimm, wenn der Stechapparat in der Haut bleibt, den verliert man nach ein paar Tagen. Was man unbedingt vermeiden sollte, ist den Körper der Zecke zu quetschen und quasi in die Haut auszudrücken. Je schneller man eine Zecke entfernt, desto geringer ist die Chance, dass möglicherweise Borrelien oder andere Krankheitserreger übertragen werden.

 

Viele Menschen denken bei Zecken vor allem an FSME und ­Borreliose. Worin unterscheiden sich diese Erkrankungen?

Grundsätzliche Unterschiede sind, dass es sich bei FSME um eine über ein Virus übertragene Infektion handelt, die gleich beim Stich übertragen wird und für die wir keine Therapie haben, aber eine sehr gut wirksame Impfung. Die Borreliose wird durch Bakterien verursacht, welche erst mit der Blutmahlzeit in der Zecke „aktiviert“ werden müssen. Das heißt, sie sind im Mitteldarm der Zecke und müssen erst den Weg in die Speicheldrüse der Zecke finden, um übertragen zu werden. Hier gibt es noch keine Impfung (die aber 2027 auf dem Markt kommen soll), aber hier gibt es die Möglichkeit mit Antibiotika zu behandeln. Bei Letzterer sollte man zum Arzt oder zur Ärztin gehen, wenn sich eine Wanderröte ausbildet. Dies ist eine sich ausbreitende Rötung an der Einstichstelle, die sicher auf eine Borrelieninfektion hinweist. Aber man sollte beim Arztbesuch aufgrund anderer Symptome erwähnen, dass man einen Zeckenstich hatte. Dies können Fieber, Kopfweh, Durchfall und andere Symptome sein, die hinweisend auf eine FSME sind und die dann labordiagnostisch abgeklärt werden kann. Erwähnt man dies nicht, so wird der Arzt die Labordiagnose auch nicht anfordern.

 

Welche Rolle spielt die FSME-Impfung? 

Die Impfung gegen die FSME spielt eine entscheidende Rolle. Über 95 Prozent der FSME-Fälle hatten keine oder keine vollständige Impfung, die gut verträglich, sicher und sehr gut wirksam ist. Ich empfehle sie für alle Menschen, die sich der Gefahr aussetzen, von Zecken gestochen zu werden. Das Risiko, über einen Zeckenstich eine FSME zu entwickeln, mag sich in bestimmten Regionen Deutschlands und natürlich auch der Nachbarländer unterscheiden, aber es ist in ganz Deutschland vorhanden.

MEHR WANDERLUST: Inspirierenden Reportagen, Produkttests und Wissenswertem aus unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt gibt es in unserer Frühlingsausgabe der Wanderlust, erhältlich ab dem 30.3.2026 und natürlich im Wanderlust-Abo! 5 x im Jahr.

Hier sichern!

Gerade bei Wanderungen durch hohes Gras sollte man nach der Tour einen Zecken-Check durchführen. 

© Eifel Tourismus GmbH, AR-shapefruitAG

Zur Person

Prof. Dr. Martin Pfeffer ist ­Professor für Epidemiologie an der Veterinärmedizinischen ­Fakultät der Universität Leipzig mit dem Arbeitsschwerpunkt Zoonosen, die durch biologische Vektoren zwischen Menschen und Tieren übertragen werden.

wandern

Neueste Beiträge

Wandertipp der Woche - Sommertipps im Tal der Almen
Zwei Touren, zwei Naturerlebnisse – und jede Menge Berggefühl im „Tal der Almen“. Unser Tipp der Woche führt ins Großarltal im Salzburger Land: zum besonderen Schödersee im Talschluss des Bergsteigerdorfes Hüttschlag und auf den aussichtsreichen Schuhflicker.
2 Minuten
Erfrischende Touren - Tipps für heiße Tage
An heißen Tagen können entspannte Touren am Wasser echte Erfrischung und Abkühlung schaffen. Wir haben vier Wanderungen mit Coolness-Faktor für euch zusammengestellt. Vom Naturpark Schwalm-Nette über Sachsen Wasserburgen bis hin zu einer Kanu-Wanderung in der Altmark.
7 Minuten
Der Burgensteig - Traumhaft durch die Oberpfalz
Zwischen Neumarkt und Regensburg warten stille ­Täler, weite Hügel und Dutzende Burgruinen – oft ganz für sich allein. Fünf besondere Steige führen durch ­eine ­unterschätzte Wanderregion voller ­Geschichte, ­Ausblicke und überraschender Momente.
9 Minuten
16. Jun 2026

Das könnte Dir auch gefallen

Produkttest: Bergschuhe
In unserem Bergschuhtest erfahren Sie, worauf es bei stabilen Wanderschuhen für alpines Gelände ankommt. Dabei haben wir die Modelle untereinander verglichen und stellen vor allem die Vor- und Nachteile heraus. So lässt sich der passende Schuh nach individuellen Wünschen und Voraussetzungen anhand des Fazits finden.
2 Minuten
28. Jul 2025
Auf Elfen-Spuren - Traumtour zur Grotte in der Eifel
Am westlichen Eingang von Bad Bertrich in der Eifel liegt das beeindruckende Naturdenkmal Elfengrotte. Entstanden ist diese faszinierende Landschaft durch vulkanische Aktivität. Ein spannendes Erlebnis für die ganze Familie, inklusive kleinem Wasserfall.
4 Minuten
Belgiens schönste Touren - Regionen und Wanderungen zum Träumen
Es gibt Landschaften, die man durchquert – und solche, die einen ­verändern. Die Wallonie gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Wir stellen hier acht Naturregionen mit acht ganz eigenen Charakteren vor – und unzählige Wege, die dazu einladen, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.
5 Minuten
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige