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Auf dem Felsenpfad durch das Höllental

Das Höllental im Frankenwald kann auf eine bewegte Geschichte und einige spannende Legenden zurückblicken. Dabei erwartet seine Besucher nicht nur eine spektakuläre Wanderung, sondern auch eine ursprüngliche und artenreiche Natur, die sich am besten mit einem Ranger entdecken lässt.
Menschen sitzend auf einem Felsen in einer Bachlandschaft im Grünen
©

Daniel Elke

Das Höllental kam wohl auf eine Weise zu seinem Namen, wie es an anderen Orten dieser Welt auch schon oft passiert ist. Vor langer Zeit soll des Nachts ein Holzkohlen-Händler mit seinem Pferdegespann durch das Tal der Selbitz gefahren sein, als plötzlich seine Pferde scheuten und der Teufel persönlich vor ihm stand. Der Händler nahm seinen ganzen Mut zusammen und argumentierte den Beelzebub in bayerischer Mundart zurück in die Hölle. Seither kennt man diesen Teil des Tals als Höllental, und ein kleiner Ort trägt sogar den Namen „Hölle“.

So lautet hier im Frankenwald die Sage. Allerdings besagt sie auch, dass der Händler so spät unterwegs war, weil er sich von seinem Verdienst vorher noch eine ausgiebige Einkehr gegönnt haben soll. Um eine Begegnung mit dem Teufel zu vermeiden, verzichte ich vorsichtshalber auf eine ähnliche Einkehr, wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Ich begebe mich auch lieber tagsüber in das Tal, denn so lässt sich bestimmt mehr entdecken. Außerdem treffe ich für meine Tour eine viel sympathischere Persönlichkeit, als es der Händler aus der Sage getan hat. Bei Lichtenberg, vor dem Infozentrum Blechschmidtenhammer, treffe ich den Naturpark-Ranger Jan van der Sant. Er führt unsere Wandertruppe durch das Höllental und möchte von der Natur, der Region und seinen Aufgaben als Ranger berichten.

Der Frankenwald - eine vielfältige Grenzregion

Die Region des Frankenwaldes erstreckt sich im bayerischen Norden, vom Main bis zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze zu Thüringen. Eine vielfältige und abseits des Massentourismus liegende Landschaft, die mit ihren zahlreichen Naturparks für Outdoor-Fans einiges zu bieten hat. Daher kommt es nicht selten vor, dass Ranger Jan mit seinen Besuchern im wahrsten Sinne durch die „Hölle“ geht. Das Höllental selbst ist direkt am Grünen Band gelegen, einem Grünstreifen, der entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze führt, östlich des Städtchens Lichtenberg.

„Die ersten Meter werden anstrengend. Am besten geht jeder sein eigenes Tempo“, schärft der Ranger unserer Truppe ein. Denn wir folgen dem Felsenpfad auf der Westflanke des Tals, und dieser wartet mit einem Großteil seiner 159 Höhenmeter direkt auf dem ersten Kilometer auf seine Besucher. Über zahlreiche Stufen begeben wir uns immer höher über die Selbitz, den Fluss, der dieses Tal hier prägt, und erhaschen durch die Bäume die ersten Ausblicke auf die Landschaft. Doch selbst dieser anstrengende Anstieg hält den Ranger nicht von einer seiner vielen Aufgaben ab. Er berichtet uns von der Natur und der großen Artenvielfalt hier im Höllental.

Ein Urwald in der Hölle

In der Talaue der Selbitz, die sich hier über Jahrtausende durch das Tal gegraben hat, findet sich ein ursprünglicher Auwaldbereich. Der Fluss und sein Ufer präsentieren sich wildromantisch. Das klare Wasser umfließt große Findlinge, und die Selbitz wird eingerahmt von den großen Blättern der Pestwurz. Es mutet schon sehr nach Urwald an und weniger nach Höllenpforten. Etwas höher im Tal findet sich ein gesunder Laubmischwald, der dem Höllental mit seinem reichen Tier- und Pflanzenbestand zum Titel des Naturschutzgebietes verholfen hat. Der Ranger berichtet uns von den Gefahren der Monokulturen im Wald und davon, wie auch hier in Bayern der Borkenkäfer viele Wälder geschwächt hat.

Der Aufstieg nähert sich seinem Höhepunkt, denn die Ausblicke auf das grüne Tal werden immer häufiger. Der Teufel ist uns bisher noch nicht begegnet, wohl aber die Zeugen einer heiß brodelnden Vergangenheit, die der Hölle schon ziemlich nahekommen musste. Wir blicken rechts von uns auf eine hohe Felswand mit einer auffallend wulstigen Struktur. Jan erklärt uns die ungewöhnliche Form der Wand: „Das sind unsere ,Pillows‘, zu Deutsch ,Kissen‘, hier im Höllental.“

Eine Gruppe von Personen auf einer Wanderung im grünen.
© Daniel Elke

Geologische Highlights

Nur der Teufel kann Kissen aus massiven Felsen haben, denke ich insgeheim. Der Begriff und die Erklärung stammen aus der Geologie. Vor Millionen Jahren, als die Region hier noch unter dem Meeresspiegel lag, trat aus dem Erdkern flüssige Lava aus und kühlte im Wasser sofort ab, was zu dieser besonderen Form der Felsen führte. Auf unserem Weg lassen sich auch weitere geologische Besonderheiten des Tals erkunden, denn hier führt ebenfalls der Erlebnispfad „Geologie und Bergbau“ entlang.

Für die Geologie in der Region hier interessierte sich bereits Alexander von Humboldt. Damals war er noch ein preußischer Bergbaubeamter und wurde vom König hierhin beordert. Seine Karriere als Forschungsreisender begann nach seiner Zeit im Frankenwald.

Ein Ranger für alle Fälle

Der Felsenpfad führt uns nun auf modernen Treppen wieder bergab, und der Naturpark-Ranger berichtet zwischendurch immer wieder von der Tier- und Pflanzenwelt, weist uns auf kleine Insekten hin, die auf dem Weg marschieren, oder berichtet von der lokalen Kultur und Mundart. So wird, als wir einige Fichtenzapfen auf dem Boden finden, direkt klargestellt, dass diese hier als „Butzelkühe“ bezeichnet werden. Unser Wanderführer vermittelt sein umfangreiches Wissen sehr anschaulich.

Eine wichtige Eigenschaft in seinem Beruf, denn als Ranger muss man ein Multitalent sein. Seine Aufgaben liegen nicht nur in der Landschaftspflege und im Naturschutz, sondern auch darin, den Menschen die Natur näher zu bringen. Durch Führungen oder Veranstaltungen vermitteln sie ihr Wissen und wollen für den Umweltschutz im Frankenwald sensibilisieren. Ein Ranger ist in seiner Region aber auch ein Ansprechpartner für Anfragen von verschiedenen Behörden, Ämtern oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Ein spannender Gesprächspartner also, dem man gerne und interessiert zuhört.

Gruppe von Wanderer im Wald mit Guide.
© Daniel Elke

Fernwandern bis zur Schwäbischen Alb

Unten im Tal angekommen, wenden wir uns wieder in Richtung Norden und laufen entlang der Selbitz. Der Weg, den wir verlassen haben, führt weiter in Richtung Süden als der „Frankenweg“. Ein Fernwanderweg, der auf 520 Kilometern vom Rennsteig bis zur Schwäbischen Alb führt. Er startet etwas weiter nördlich vom Höllental, in Untereichenstein, beim Drehkreuz des Wanderns, wo gleich fünf überregionale Fernwanderwege beginnen oder enden. Hier unten am Fluss machen wir eine kurze Rast und genießen die Geräusche des Flusses, der hier riesige Felsbrocken umspült, auf denen wir uns ausruhen.

Das Wasser fließt in kleinen Kaskaden durch den Wald und trägt eine angenehme Kühle mit sich. Der Felsenpfad führt nun eigentlich weiter auf einem breiten Fahrweg, doch Ranger Jan hat mit dem Röhrensteig noch eine schöne alternative Route, die er uns zeigen möchte, weil diese auch von der Geschichte hier im Höllental zeugt. Über den Teufelssteg, mehr Brücke als Steg, biegen wir über den Fluss auf den Röhrensteig ab. Auch hier, auf dem Teufelssteg, gibt es noch keine Begegnung mit dem Satan. Und selbst wenn, glaube ich, dass unser Ranger ihn, so wie der Händler aus der Sage, mit einer schlüssigen Argumentation schnell wieder vertreiben würde. Schwefel und Höllengase können für die Natur sicher nicht gut sein. Und gerade diese zeigt sich hier von ihrer schönsten Seite.

Abschluss am Hirschsprungfelsen

Der Röhrensteig verdankt seinen Namen einer unterirdischen Rohrleitung, die Wasser zu einem Kraftwerk im Tal führt, welches früher von einem Industriellen für seine Papierfabrik genutzt wurde. Eine stillgelegte Bahntrasse ist ein weiterer stummer Zeuge der Industrialisierung im Tal. Das Infozentrum Blechschmidtenhammer berichtet aus den 1930er-Jahren, als die Höllentalbahn noch regelmäßig fuhr und das Gebäude selbst ein Bahnhof war. Und natürlich klärt es auch über die Natur im Frankenwald auf.

Nachdem wir hier etwas von der Kulturlandschaft erfahren haben, wechseln wir über den Jungfernsteg die Flussseite und richten unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Natur im Tal. Doch hier sollte der Blick unbedingt einmal nach oben gerichtet werden, denn von hier unten können wir durch die Bäume den Hirschsprungfelsen erkennen. Ein aus Holz gefertigter Hirsch, dargestellt im Sprung, steht hier auf einem Felsen und überwacht das Tal. Eine regionale Legende besagt dazu, dass bei einer Jagd auf diesem Felsen ein Hirsch in die Enge getrieben wurde und todesmutig in die Tiefe sprang. Es ist spannend, zu hören, wie viele Geschichten über dieses Tal erzählt werden können. Zum Abschluss unserer Tour folgen wir dem Weg wieder bis zu dem Infozentrum Blechschmidtenhammer. Den Teufel haben wir bei unserer Wanderung nicht gesehen, aber jede Menge Eindrücke aus einem ursprünglichen und geschichtsträchtigen Tal gewonnen.

Große Brücke in steinigen Bachbett im Höllental.
© Daniel Elke

hören

Das Rauschen und Plätschern der Selbitz begleitet uns fast auf dem gesamten Weg. Der Fluss entspringt in Helmbrechts und führt über 37 Kilometer unter anderem durch das Höllental, bevor er im thüringischen Blankenstein in die Saale mündet.

Naturraum Höllental

Eine Besonderheit des Höllentals ist, dass sich verschiedenste Pflanzenarten mit unterschiedlichen Verbreitungsschwerpunkten hier treffen. Viele verschiedene kleine Standorte im Tal, die den Pflanzen unterschiedliche Wuchsbedingungen bieten, ermöglichen eine große Artenvielfalt. Aufgrund dieses Pflanzen- und auch Tierbestands wurde das Tal 1997 auf einer Fläche von 160 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Frankenwald - Info: Felsenpfad "US 14"

  • Typ: Rundwanderweg
  • Länge: 5,4 km
  • Dauer: 1 Std. 25 Min.
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhenmeter: 159 m
  • Höchster Punkt: 537 ü. M.
  • Markierung: US 14
  • Beste Wanderzeit: April bis November
  • Start/Ziel: Infozentrum Blechschmidtenhammer
  • Besonderheit: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind aufgrund der Anstiege und Abhänge erforderlich

Weitere Infos gibt es im Artikel "Der Felsenpfad durch das Höllental".

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