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Lesedauer 6 Min.

Schritt für Schritt die Zeit vergessen

Der Meditationsweg im Naturpark Ammergauer Alpen verlangt weder sportliche noch spirituelle Höchstleistungen. Vielmehr lädt der Weg zum ­Betrachten ein, zum Abschalten und zum Klarheit finden. Ganz nebenbei bietet die Tour bayerische ­Kultur und architektonische Kleinode in einer ­atemberaubenden Voralpenlandschaft.
Kaiserstuhl

Für meditative Wanderungen sind die Ammergauer Alpen absolut prädestiniert.

© Ammergauer Alpen

Sanfte Voralpengipfel, saftige Almwiesen, eindrucksvolle Kulturlandschaft. Der Naturpark Ammergauer Alpen verspricht seit jeher Ruhe und unberührte Natur. Ein zeitloses Refugium der Stille, das schon König Ludwig II. und sein Vater Maximilian II. zu schätzen wussten. Und natürlich Generationen von Berg- und Naturfreunden. So auch Kiki und Chris Geigl aus München. Wann immer es geht, lassen die passionierten Wanderer das laute Stadtleben hinter sich und suchen die Zuflucht und unvergessliche Momente in den Bergen. Mit ihrer Leidenschaft sind die zwei längst nicht mehr allein. Wandern ist ein Trendsport. Oder sollte man besser sagen – Rennsport? Tatsache ist, dass immer mehr Naturliebhaber der Hektik der Städte entfliehen, ihre innere Unruhe aber mitnehmen. Was für viele zählt, sind Geschwindigkeit, Höhenmeter und Gipfelsiege.  Darüber wird auf den Hütten leidenschaftlich diskutiert. Diesmal soll aber alles anders werden. Kiki und Chris wollen die (Vor-)Alpen nicht mehr als Wettkampfarena erleben, sondern als echten Rückzugsort. Den Alltag hinter sich lassen, die Natur in all ihrer Schönheit und Stille genießen. Schritt für Schritt, Atemzug um Atemzug. Die Zeit vergessen. Am Ende wird es so viel mehr sein, was ihnen der Meditationsweg Ammergauer Alpen schenkt.

 

Blick auf eine Brücke aus dem 20. Jahrhundert

Der idyllische Steg am Soiener See lädt zum Verweilen und Naturgenießen ein. Natürliche Ruhe umgibt ihn.

© Ammergauer Alpen/sowhatwetravel

Große Aufgaben in Einzelteile zerlegen
Der Meditationsweg Ammergauer Alpen beginnt offiziell an der Wieskirche im Pfaffenwinkel. Auf rund 85 Kilometern schlängelt er sich durch das hügelige Vorland der Ammergauer Alpen, folgt weiter dem Lauf der Ammer, erklimmt auf Wunsch das Hörnle und endet am Schloss Linderhof im Graswangtal, dem Lieblingsort des Märchenkönigs Ludwig II. Man muss hier kein erfahrener Bergfex sein, um die Tour in fünf Tagen zu erwandern. Wer möchte, plant einfach mehr Zeit ein. Was wie eine Mammutaufgabe klingt, entpuppt sich als perfekte Gelegenheit zum Abschalten. Und wie so oft im Leben lohnt es sich, die große Aufgabe in ihre Einzelteile zu zerlegen. So besteht die ganze Runde aus 15 Sehenswürdigkeiten und Kraftorten, die auch individuell miteinander kombiniert werden können. „Auf meinen geführten Wanderungen sind die Tagesetappen in der Regel zwischen 10 und 15 Kilometer lang. Die wichtigsten Voraussetzungen sind Freude an der Natur und Lust auf Bewegung“, bestätigt Norbert Parucha, Achtsamkeits-Coach und Initiator des Meditationswegs Ammergauer Alpen.

Die erste Etappe endet in Bad Bayersoien, das zugleich am Soier See und am Fluss Ammer liegt. Ein freundlicher Ort mit bunt gestrichenen Häusern und dörflichem Flair. Erster Höhepunkt: die Abendstimmung am Soier See. Friedlich und idyllisch. Sanfte Hügel und Wolken spiegeln sich im ruhigen Wasser. Wellen plätschern ans Ufer, Vogelgezwitscher erfüllt die klare, frische Luft. Eine Atmosphäre der Ruhe, die zum Innehalten und Genießen einlädt. Ihren ersten Lieblingsplatz hat Kiki schon gefunden. „Einfach nur dasitzen, aufs Wasser schauen und der Natur zuhören. Wann mache ich das schon mal?“

Zwei Wanderer auf einem Wanderweg im Grünen

Schloss Linderhof ist das einzige Schloss, das König Ludwig II. vollständig ­fertigstellen konnte und das seit 2025 ebenso zum UNESCO Welterbe zählt.

© Ammergauer Alpen/sowhatwetravel

Der Weg ist das Ziel

Zeit haben. Das ist das Ziel des Meditationsweges. Denn anders als der Name vermuten lässt, geht es nicht darum, stundenlang im Schneidersitz zu sitzen. Vielmehr geht es darum, achtsam mit sich und der Natur umzugehen. Nach innen zu lauschen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Es geht um den Weg. Norbert formuliert es so: „Das Wichtigste ist, dass jeder seinen ganz persönlichen Schritt findet. Ohne Zeitdruck offen sein und wahrnehmen, was einem begegnet. Mit allen Sinnen im Moment sein.“ Orte gibt es hier genug dafür.

Entlang der Ammer geht es weiter durch herrliche Moorlandschaften. Insekten summen, Vögel zwitschern. Leise rauscht der Wind durch das hohe Gras, kleine Wasserläufe plätschern. Froschquaken begleitet Kiki und Chris. Dann der Ammerdurchbruch Scheibum, ein Kraftort im wahrsten Sinne des Wortes. Hier, wo das tosende Wasser im Laufe der Jahrtausende eine tiefe Schlucht in den Fels geschliffen hat, taucht man förmlich ein in das pulsierende Herz der Natur. Wild und ungestüm wirken die hohen Felswände, die von Spalten und Rissen durchzogen sind. An manchen Stellen wachsen Moose und Farne, die den Wänden einen grünen, lebendigen Anstrich verleihen. Von Zeit zu Zeit verweilen Kiki und Chris an einer Stelle und nehmen die Stille oder die begleitenden Naturgeräusche am Wegesrand auf.

„Natürlich kann man die Tour auch allein machen“, sagt Chris. Denn der Weg ist bestens ausgeschildert. Wer will, kann sein Gepäck sogar transportieren lassen. „Aber mit Norbert ist es schon ein Erlebnis. Er erdet, strahlt Ruhe aus und holt einen wieder ins Hier und Jetzt zurück, wenn man mal abdriftet. Er regt zum Nachdenken an.“ Aber auch wer alleine unterwegs ist, kommt an Denkanstößen nicht vorbei. Immer wieder laden Inspirationstafeln mit kleinen Weisheiten zum Nachdenken und Innehalten ein.

Eine Höhle mit einem Unterwassersee

Am UNESCO-Welterbe Wieskirche im Pfaffenwinkel beginnt der Meditationswegs Ammergauer Alpen.

© Ammergauer Alpen/sowhatwetravel

Langsam Klarheit gewinnen

Genau darum geht es Norbert. Die Dauer des Unterwegsseins ist nicht wichtig. Viel wichtiger ist der Moment, die Wahrnehmung der Natur um einen herum, die Gedanken, die kommen und gehen. „Die Menschen sollen merken, dass sie diese Erfahrungen auch im Alltag machen können und dadurch gelassener werden“, sagt der Coach. Tatsächlich nimmt Kiki die Erlebnisse an der Ammer mit nach Hause. Und auch Norberts Worte. „Einfach bei sich bleiben, keine falschen Vergleiche ziehen, sich nicht mit anderen messen. Ich habe das Wandern neu entdeckt. Simples Höhenmeterfressen oder Geschwindigkeitsvergleiche haben für mich definitiv an Bedeutung verloren.“  Kein Wunder, wenn das Besondere im Detail liegt.

Und dann ist da noch die Hörnle-Gruppe. Ein Abstecher? Immer wieder gibt der Meditationsweg den Blick frei auf das heimliche Wahrzeichen der Ammergauer Alpen. Drei nicht gerade hohe Gipfel, umgeben von grünen Wiesen. Für Geübte kein Problem. Doch der Schein trügt. Was aus der Ferne sanft und leicht erscheint, ist in Wirklichkeit ein steiler Aufstieg. Abhilfe schafft auf der dritten Etappe die Hörnle Schwebebahn ab Bad Kohlgrub. „Das Hörnle haben wir trotzdem zu Fuß erklommen“, sagt Chris. „Nicht, weil es uns auf die Leistung ankam, sondern weil uns das Gipfelerlebnis ein starkes Gefühl der Erfüllung gibt.“

 

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Eine Höhle mit einem Unterwassersee

Der spektakuläre Ammerdurchbruch (auch als Scheibum bekannt) liegt auf der Route des Meditations­weges und gilt als besonderer Kraftort.

© Ammergauer Alpen/sowhatwetravel
Logo
© Hansi Heckmair

Wandern

Meditationsweg

Auf einen Blick

Ausgangspunkt: Wieskirche (876 Meter)

Ziel: Schloss Linderhof (952 Meter)

Streckenlänge: rund 85 Kilometer

Höhenunterschied: 1.100 Höhenmeter

Zeitbedarf: 5 bis 8 Tagesetappen

 

• Der Meditationsweg Ammergauer Alpen führt vom UNESCO-Weltkulturerbe Wieskirche (876 Meter) durch das Ammertal in ­14 weiteren Etappen unterschiedlicher Länge bis zum Schloss Linderhof (952 Meter).  

• Unterwegs passiert man unter anderem Bad Bayersoien (812 Meter), Bad Kohlgrub, Saulgrub, Unter- und Oberammergau (837 Meter) sowie Ettal (877 Meter).

• Auf einem Teil der Tour aufs Mittlere Hörnle (1496 Meter) kann die Bergbahn genommen werden. 

• Die Streckenabschnitte können auch ­einzeln oder in veränderter Reihenfolge ­gegangen und/oder entsprechend verkürzt werden.

• Der Meditationsweg kann sowohl geführt als auch individuell erwandert werden.  

 

Geführte Tour

Geführtes Wandern auf dem Meditationsweg mit Norbert Parucha: 

07.06.2026 - 12.06.2026 

20.09.2026 – 25.09.2026

Preis: € 1275.- pro Person im Einzelzimmer bzw. € 1118.- pro Person im Doppelzimmer

Im Preis enthalten sind die komplette Führung der Tour durch Norbert Parucha, Gepäcktransport, Verpflegung sowie Meditationen und Achtsamkeitsübungen. Außerdem: ­Führungen durch Schloss Linderhof und das Passionstheater.

 

Individuelle Tour

Wer sich ohne Guide auf den Weg machen möchte, kann die Tour auch als Paket mit Übernachtungen und Gepäcktransport ­buchen.

 

www.ammergauer-alpen.de/meditationsweg

wandern

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