Hans im Glück in Roerdalen

„Klein Geluk uit Roerdalen“ – die Gemeinde Roerdalen im niederländischen Limburg hat 25 Orte mit schöner Aussicht inmitten der Natur ausgewählt und nennt sie „Glücksorte“.

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Das „Elfenmeer“ bei Glücksort 13 im Nationalpark De Meinweg bezaubert mit Heideseen, von weißen Seerosen und Blutaugen bedeckt.

Text: Edda Neitz

Es ist allseits bekannt: Wer Glück teilt, hat mehr davon. Genau das machen die Einwohner von Roerdalen. „Wir sind über unsere schöne Heimat glücklich. An diesem Glück möchten wir andere teilhaben lassen“, sagt Silvia de Rooi, ihres Zeichens Glücksbotschafterin, die am Projekt „Ein Stück vom Glück aus Roerdalen“ – niederländisch „Klein Geluk uit Roerdalen“ – mitarbeitet. So einfach lässt sich Glück selten fassen. Was steckt dahinter? 25 Glücksorte und ein klares Konzept.

Ab in die Glücksschmiede

Weit ausgebreitet liegt die Landschaft um Roerdalen unter dem hohen, blauen Himmel. Malerische Dörfer mit allem, was dazu gehört, finden wir hier. Ein Bach schlängelt sich durch den Ort, dazu eine Brücke und eine Mühle. Im Dorf rote Backsteinhäuser mit viel Fachwerk. Herkenbosch, Posterholt, Melick, Montfort, St. Odiliënberg und Vlodorp heißen die sechs Dörfer mit 20.000 ziemlich glücklichen Einwohnern, die zu Roerdalen, einer Gemeinde in der Region Midden Limburg, nahe Roermond gehören. Am Glücksort 13 im Nationalpark de Meinweg steht ein Aussichtsturm. Pflanzen wie weiße Seerosen und Blutauge bedecken die kleine Gruppe von Heideseen, die den zauberhaften Namen „Elfenmeer“ trägt. Der Weg dorthin führt über offene Flächen mit sanften Hügeln, dazwischen Wacholder- und Waldkiefergruppen, die für den herrlich würzigen Duft sorgen. Warum der Ort ein Glücksort ist, erfahren wir durch das Hinweisschild: „Die Aussicht vom Turm. Tolle Wolkenformationen. Der Horizont in der Dämmerung. Die Natur schützen. Plötzlich einem Wildschwein begegnen. Eine Oase der Ruhe“. Sicher sprechen nicht alle Hinweise jeden an. Ein schönes Panorama kann den einen, das Zusammenspiel von Licht und Schatten im Wald den anderen beglücken. Aber so ist es mit dem Glück. Es ist vielschichtig, und es ist individuell. Schon seit Jahrhunderten fragen sich Glücksforscher: Was brauchen wir, um glücklich zu sein? In einem Aspekt sind sie sich einig: Fast die Hälfte unseres Glücks ist hausgemacht. Auch neue internationale Studien belegen, dass das gefühlte Glück zu 50 Prozent durch Gene und zehn Prozent durch Lebensumstände bestimmt wird, die restlichen 40 Prozent geben uns aber den Spielraum, das Glücksgefühl selbst zu beeinflussen. Nicht viel anders sieht das Leo Bormans. Der belgische Glücksforscher hat die Roerdaler bei der Gestaltung des Konzeptes unterstützt. Wer Glück sucht, muss auch aktiv werden, lautet seine Devise.

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Sechs Glücksorte sind extra für Kinder ausgewählt

Kraft der kleinen Freuden

Die erste Aufgabe der Roerdaler für das Glückskonzept war es, Orte und Plätze in der Region zu nennen, die sie glücklich machen, und warum sie es tun. Von 200 Vorschlägen wurden 25 für die Route der Glücksorte ausgewählt. Sechs davon sind speziell für Kinder. „Als wir das Projekt mit Leo konkretisierten, war uns klar, dass daraus keine großen Attraktionen entstehen werden“, erzählt Silvia de Rooi. Den kleinen Freuden mehr Beachtung schenken, ist die Botschaft der Roerdaler Gemeinde. Auch Glücksort 22 – eine Fahrradbrücke – wirkt erst einmal unspektakulär. Hier erfahren wir, dass „Ins fließende Wasser schauen. Seine Tiefe und Farbe. Schwäne, Eisvögel und Sonnenuntergang“ Glücksmomente hervorrufen können. Ich schaue am Ufer entlang. Vom Eisvogel keine Spur, aber ein paar Enten schlagen vergnügt mit ihren Flügeln im Wasser. Ein Anblick, der meine gute Laune fördert. Und dem Glücks­tipp, dass Bewegung Kraft und ­positive Motivation fördert, kann ich auch zustimmen. Nicht alle Glücksorte liegen nah bei­einander. Jeder Ort ist mit einer Informationstafel und Glückstipps versehen – sei es in den Wanderdünen von Rozendal, im versunkenen Garten von Melick oder auf der Loungebank an der Rur bei Vlodrop. Nun kann man über die Auswahl und Interpretation der Glücksorte durchaus geteilter Meinung sein. Aber: Wie und wo man Glück empfindet, ist eben individuell verschieden.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2017

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