Wandern mit Hilde

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Vom Disibodenberg hat man einen wundervollen Blick nach Odernheim am Glan und ins Nordpfälzer Bergland.
© Alexa Christ

Wer braucht schon den spanischen Jakobsweg, wenn man im wildromantischen Nahetal den Spuren der vielleicht berühmtesten Frau des Mittelalters folgen kann? Autorin Alexa Christ ist drei Tage auf dem Hildegard von Bingen Pilgerweg gewandert, hat eine traumhafte Landschaft entdeckt und dabei viel über eine faszinierende Frau erfahren, die bis heute nachwirkt.

Text: Alexa Christ

In der 1200 Jahre alten Winzer- gemeinde ist Wein schon am Frühstückstisch Thema. „Wir waren die Ersten an der Nahe, die 1978 wieder mit Rotwein angefangen haben“, erzählt Christa Schauß, während sie eine üppige Käseplatte abstellt. „Früher war hier ja fast alles mit Rotwein bepflanzt“, fügt die Winzerfrau hinzu. „Der Anbau wurde aber unter Napoleon verboten, um den französischen Weinbau zu schützen!“ Ts, ts, ts, möchte ich fast den Kopf schütteln und frage mich, wie Hildegard von Bingen wohl über Wein gedacht hat? Eine kurze Recherche fördert folgendes Zitat von ihr zutage: „Der Wein – maßvoll genossen – heilt und erfreut den Menschen zutiefst durch seine große Kraft und Wärme ...“ Wusst ich‘s doch! Warum mich ausgerechnet die Meinung der berühmten Äbtissin des 12. Jahrhunderts interessiert? Weil ich drei Etappen des Hildegard von Bingen Pilgerweges im Naheland wandern will.

Im September 2017 eingeweiht, folgt der etwa 140 Kilometer lange Weg den wich- tigsten Wirkungsstätten und Stationen im Lebens der großen deutschen Mystikerin, Heiligen und Kirchenlehrerin, die von Menschen auf der ganzen Welt verehrt wird. Aus Zeitmangel nehme ich mir das Herzstück des Pilgerpfades vor, laufe die Etappen vier, fünf und sechs und damit mitten hinein ins Zentrum des Hildegard-Landes. Die berühmte Seherin lebte in dem großen, weitläufigen Laubwaldgebiet Mitteleuropas, in dem während ihrer Lebenszeit viel gerodet wurde. Um Platz zu schaffen für Burgen und Dörfer – Dörfer wie zum Beispiel Monzingen.

Der hübsche Fachwerkort an der mittleren Nahe, eingebettet zwischen Weinbergen und den Ausläufern des Hunsrücks, ist Startpunkt meiner Mini-Pilgerwanderung, auf der ich schnell das Gefühl habe, dass Hildegard mich auf Schritt und Tritt begleitet. Etwa durch die Weinberge gleich hinter Monzingen, die jetzt im Oktober ein rot-goldenes Rebenfeuer versprühen. Weit geht der Blick über malerische Hügellandschaft, saugt sich an den Nebelketten fest, die vom Flusstal aufsteigen und für Herbst-Mystik sorgen. Eine Schar Kraniche fliegt in perfekter Formation gen Süden, während ein paar Reiter gemächlich den Pfad entlang traben. Ansonsten: Friedliche Stille. Wer neben der sportlichen eine spirituelle Erfahrung sucht, der kann hier fündig werden.

Grünkraft aus der Natur

Rund 60 Informations- und Meditationstafeln säumen den Weg. Sie machen mit den Visionen, Lehren und Schriften der Hildegard von Bingen vertraut. Ein Großteil dieser Tafeln stammt aus der Feder von Annette Esser, die ich im Etappenort Bad Sobernheim treffe. Die Theologin und Lehrerin ist nicht nur Kennerin der berühmten Äbtissin, sondern auch Initiatorin der hiesigen Pilgerroute. „Hildegard von Bingen ist die urgrüne Heilige schlechthin!“, sagt sie im Kräutergarten des alten Priorhofes, in dem heute das Heimatmuseum der Kurstadt untergebracht ist.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 1/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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