Audienz bei Majestät

Ein wahrer Herrscher, eine Naturgewalt, die so schnell von nichts überragt wird – das ist der Hochkönig. Der mit 2.941 Metern höchste Gipfel der Berchtesgadener Alpen steht wie ein Platzhirsch unangefochten über Pinzgau und Pongau. Wer „Seiner Majestät“ aufs Dach steigen will, braucht eine gute Kondition, denn eine Audienz erfordert redliche Mühe.

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Sattgrüne Bergwiesen schaffen einen Kontrast zum Grau der monumentalen Felsformationen.

Text & Fotos: Norbert Eisele-Hein

Wie im Zeitraffer türmen sich schwarze, bedrohliche Wolken auf. Vor uns liegt noch eine gute halbe Stunde Fußmarsch über den Plateaugletscher der „Übergossenen Alm“. Schon hören wir es in der Ferne grollen. Legen einen Zahn zu. Überlegen, unsere Eispickel einfach in den Schnee zu rammen. Derart exponiert, lockt das Eisenzeug am Ende noch die Blitze in unsere Richtung. Westlich, im Steinernen Meer, fahren die ersten Blitze bereits hernieder, kommen immer näher. Weg mit den Eispickeln – und jetzt aber hurtig! Der Aufstieg von Hinterthal, über die Bertgenhütte und den Hochseiler, hat zwar gewaltig Körner gekostet, aber jetzt müssen wir die letzten Reserven mobilisieren. Wir können uns nur noch in das ­Matrashaus, direkt auf dem 2.941 Meter hohen Gipfel des Hochkönigs retten, für den Rückzug ist es längst zu spät. Wir sprinten über den matschigen Schnee, bis uns der Schaum vor dem Mund steht. Endlich oben trifft uns der Anblick der Hütte wie ein rechter Haken von Vladimir­ Klitschko. Das Matrashaus liegt in Schutt und Asche. Das Gewitter läuft zur Höchstform auf, erste Blitze fahren böse zischend in die Funkantenne direkt auf dem Gipfel. Sorgen für ein Britzeln in der Luft, dass uns die Haare zu Berge stehen. Eine Handvoll ebenso Gestrandeter schreit durch das Tosen, lotst uns gerade noch rechtzeitig in einen windigen Notverschlag aus Brettern und Folie. Eingehüllt in einen Stapel Decken überdauern wir diese denkwürdige Nacht in der Gemeinschaft alpiner Schiffbrüchiger. Das alles geschah im Sommer 1982. Kurz davor war das Matrashaus wegen eines Leitungsdefekts bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Internet oder gar Mobiltelefone gab es damals noch nicht.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2017

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