Auf zur sächsischen Landpartie

Mal raus aus der Großstadt, rein ins ländliche Idyll: Wer geschäftiges Treiben gegen dörfliche Ruhe und Natur eintauschen möchte, findet in Sachsen lohnende Refugien – etwa das malerische Elbweindorf Diesbar-Seußlitz oder die Nationalparkgemeinde Hinterhermsdorf in der Sächsischen Schweiz.

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Auf Achse: Ob Radeln oder Wandern, rund um Diesbar-Seußlitz gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Natur zu genießen.

Text: Michaela Roemkens | Fotos: Sylvio Dittrich, Rainer Weisflog

Gute Luft, klares Wasser, Wald und Wiesen, idyllische ­Natur: Die Grundzutaten für eine erholsame Landpartie bringen Sachsens Dörfer ohne Zweifel mit. Was noch hinzukommt: Hier, im östlichen Zipfel Deutschlands, hat man sich viel von seinem Brauchtum und seiner Landkultur ­bewahrt. Auf Wanderungen rund um und in den Ortschaften werden jahrhundertealte Traditionen regelrecht erlebbar: Immer wieder begegnet man uraltem Handwerk, markanter Volkskunst und typisch dörflichem Leben. In zahlreichen Schauwerkstätten erhalten Reisende authentische Einblicke in die traditionellen Gewerbe der Region – darunter Schnitzen, Keltern oder Schmieden. Das Bauernmuseum in Zabeltitz zeigt eine umfangreiche Sammlung von früheren bäuerlichen Alltagsgegenständen. Im Spielzeugmuseum Seiffen lässt sich die Entwicklung des Kunsthandwerks „Reifendrehen“ nachvollziehen und in den Schaumühlen rund um Leubnitz sowie in Obercunnersdorf und Schwarzkollm erfahren Interessierte alles über das Müller-Handwerk.

Diesbar-Seußlitz: Elbe und Wein

Ein besonders malerisches Kleinod unter diesen Sachsen-Dörfern ist Diesbar-Seußlitz, direkt an der Elbe und nur 15 Kilometer von der Porzellanstadt ­Meißen entfernt. Sein Dorfbild wurde seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt. Angenehm ruhig geht es hier zu, bisweilen auch betriebsam. Hektisch wird es aber nie. Das macht Diesbar-Seußlitz zu einem Ort für Genießer – und auch für Feinschmecker. Schließlich sind seine steilen Hänge Heimat von unzähligen Wein­stöcken und Reben, die sich im samtigen Licht der Region sonnen und durch das besonders milde Klima die Grundlage für vorzüglichen sächsischen Wein bilden.

Der Weinbau, bewaldete Hügelketten sowie Schlösser, Burgen und eine romantische Flusslandschaft bestimmen das Landschaftsbild dieses Sächsischen ­Elblandes. Und da hier, in Diesbar-Seußlitz, die Sächsische Weinstraße beginnt, eignet sich der Ort auch prima als Startpunkt für entdeckungsreiche Touren.

37 verschiedene Rebsorten gedeihen auf sächsischem Boden, dem kleinsten Weinbaugebiet Deutschlands mit immerhin 850-jähriger Geschichte. In Diesbar-Seußlitz lassen sich zahlreiche davon in den idyllisch gelegenen Winzerhäuschen mit gemütlichen Wirtsstuben verkosten. Wanderliebhaber können die schroffen Granitfelsen der Region auf zahlreichen Routen erklimmen oder entlang des Weinwanderweges an der Abbruchkante des Elbtals einmalige Aussichten ­genießen.

Schloss in Sicht

Ein Juwel in diesem ländlichen Umfeld ist das Barockschloss Diesbar-Seußlitz, das im 18. Jahrhundert vom Dresdner Frauenkirchen-Architekten George Bähr ­umgebaut wurde. Neben dem Schloss und dem Schlossgarten in englischem und französischem Stil gehören ein Garten- und ein altes Winzerhaus zu der ehemaligen Jagdresidenz. Von der Anhöhe des Gartenhäuschens aus eröffnet sich dem Besucher ein fantastisches Panorama auf das Elbtal.

Wer sich gern aktiv erholt, kann in Diesbar-Seußlitz aufs Fahrrad steigen und stromauf- oder abwärts dem lieblichen Flusslauf der Elbe folgen. Mit der ­Fähre gelangt man zur anderen Flussseite, auf der man Schloss Hirschstein ­besuchen kann, ein Jagdschloss, dessen ursprüngliche Anlage bis ins 13. Jahrhundert belegt ist.

Wanderidyll im Nationalpark

Ein Idyll ganz anderen Charakters stellt Hinterhermsdorf, die erste Nationalpark­gemeinde der Sächsischen Schweiz, dar. Die Region fasziniert Naturfreunde mit ihren beeindruckenden Felsformationen und den schier endlosen Wanderrouten, die durch diese „Märchen aus Stein“ führen. Auch Bootsfahrten in der wildromantischen ­Kirnitzschklamm bieten sich an. Schon bei der Anreise fällt das kleine Flüsschen auf, das sich durch das Tal schlängelt und den Blick auf die bizarr anmutenden Felsformationen des Elbsandsteingebirges freigibt.

Hinterhermsdorf liegt am Ende des Tals, kurz vor der tschechischen Grenze. Von dem kleinen Ort können Wanderer, Kletterer und Bergsteiger ideal in das angrenzende Fels- und Berg-Paradies der Sächsisch-Böhmischen Schweiz eintauchen.

Faszinierende Naturkulisse

Die sogenannte „Obere Schleuse“ gilt als eines der bekanntesten Ausflugsziele in der Umgebung. Der Flusslauf der ­Kirnitzsch wird hier auf etwa 700 Meter angestaut und bietet einen eindrucksvollen Blick. Einst für die Holzflößerei genutzt, gleiten die „unsinkbaren ­Kähne“ seit 1879 nur noch für Touristen über das glitzernde Wasser.

Lautlos lässt sich hier durch die mys­tische Klamm fahren, vorbei an den mit märchenhaftem Moos und Farnen bewachsenen Steinhängen und geheimnisvoll wirkenden Felsgestalten. Hier finden Wanderer ein weitläufiges Wegenetz, das für seine Ursprünglichkeit, seine stillen Täler und seine Landschaftspanoramen bekannt ist. Hinterhermsdorf ist allerdings nicht nur Startpunkt für viele lohnende Wanderpfade. Auch der Ort selbst lädt zum Verweilen ein.

Rundgang mit Heimatkunde

Das Ortsbild der 600-Seelen-Gemeinde Hinterhermsdorf wird geprägt von über 70 unter Denkmalschutz stehenden Umgebindehäusern. Dabei handelt es sich um liebevoll restaurierte Bauernhäuser, mit farbenprächtigen Blumengärten, die an den Hängen des Ortes thronen.

Über die interessante Geschichte des Dorfes können sich Wanderer auf einem mit über 30 Tafeln beschilderten „Heimatlichen Dorfrundgang“ informieren. Das authentisch eingerichtete Museum „Waldarbeiterstube“, Teil dieses Rundgangs, dokumentiert dabei anschaulich das Leben einer typischen Waldarbeiterfamilie um das Jahr 1900.

Wählt man den „Panoramaweg“, der oberhalb des Ortes zum benachbarten Weifberg führt, lässt sich das Dorf auch aus der Vogelperspektive betrachten. 173 Stufen führen zum im Jahre 2000 eröffneten Weifbergturm. Wer ihn erklommen hat, wird mit einem imposanten Rundumblick über die Landschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz und ihre schroffe, wildromantische Sandsteinwelt belohnt.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2015

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