Drücken, ziehen und sich in den Fels spreizen

Kinder klettern gerne – auch im Fels. Im Klettergarten Wiesensee im Pillerseetal in Tirol können auch die Kleinen schon mit Unterstützung von Profis luftige Höhen erklimmen.

Text: Claudia Steiner

Wir stehen an der steilen Felswand und schauen nach oben. „Das ist aber ganz schön hoch“, sagt mein Sohn Kilian. In seiner Stimme klingt der Respekt vor der Herausforderung mit. Respekt ist gut in den Bergen, denn Klettern ist zwar ein Riesenspaß, aber auch ein Risikosport, bei dem sich deshalb auch schon die Kleinen an wichtige Regeln halten müssen. Die erste Regel lautet: Helm aufsetzen! Unser Guide Markus passt unserem zehn Jahre alten Sohn, unserer sechs Jahre alten Tochter Norah und mir die Helme an. Dann legen wir die Klettergurte an. „Hakt die Karabiner seitlich ein, dann sind sie euch nicht im Weg“, sagt Markus. Voll ausgerüstet laufen wir etwa 15 Minuten vom Parkplatz zu unserem Übungsfelsen im Klettergarten Wiesensee.

Kletterer in der Senkrechten

Der idyllische Klettergarten liegt auf rund 930 Metern Höhe zwischen St. Ulrich und Hochfilzen am kleinen Wiesensee im Pillerseetal der Kitzbüheler Alpen in Tirol. Auf der Informationstafel am Einstieg sind mehr als 30 Kletterrouten beschrieben. Zu den Felsen führen ein schmaler Pfad und hölzerne Stufen. In den Wänden hängen Sportkletterer wie bunte Punkte. „Schau mal, wie hoch der Mann da geklettert ist“, ruft Norah. Am Übungsfelsen angekommen, klettert Markus rasch vor, hakt das Seil in etwa zehn Metern Höhe ein und steigt flott wieder ab. „Wer ist der Erste?“ Norah lieber nicht. Sie will erst einmal zuschauen und überlässt ihrem Bruder gerne den Vortritt. Markus hakt Kilian im Sicherungsseil ein und kontrolliert den Karabiner noch einmal. „Drücken, ziehen, sich in den Fels spreizen – alles ist erlaubt.“

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Mit etwas Hilfe von ihrer Mutter, wanderlust-autorin Claudia Steiner, kann auch die kleine Norah den Fels bezwingen.
© Marden Smith

Kilian findet schnell Halt, schiebt und zieht sich nach oben. Immer wieder tastet er sich mit den Fingern voran, sucht in einer Spalte oder an einem Vorsprung nach zwei, drei Zentimetern, an denen er sich festhalten, auf die er seinen Fuß setzen und sich weiter nach oben drücken kann. „Super, geh ein bisschen weiter nach rechts, jetzt den Fuß auf den Vorsprung“, lotst ihn unser Kletterlehrer durch die Wand. Nach ein paar Minuten befindet sich Kilian in gut zehn Metern Höhe. „Puh, das war anstrengend.“ Markus, der Kilian die ganze Zeit gesichert hat, erklärt ihm, dass er sich nun nach hinten lehnen und ins Seil reinsetzen muss. „Lass deine Beine breit stehen, die Füße in die Wand, genau.“ Schnell hat Kilian wieder festen Boden unter den Füßen.

„Schneller, Mama!“

Jetzt hängt sich Norah ein und klettert los. „Da ist eine Spinne“, ruft sie nach ein paar Metern. „Macht nichts, die hat mehr Angst vor dir! Weiter geht’s!“, ruft Markus ihr zu. Und tatsächlich lässt unsere Kleine Krabbeltiere Krabbeltiere sein und klettert bis auf etwa sieben Meter. Höher will sie nicht. Ich bin als Letzte dran. Nun dirigieren die Kinder mich. „Nicht da lang, Mama, du musst mehr nach links, über die Kante da“, sagt Kilian. „Schneller, Mama!“, ruft Norah. Tatsächlich sieht man die nächsten Griffe und Tritte von unten oft besser, als wenn man selbst in der Wand steht. Aber auch ich schaffe es rauf, wenn auch nicht ganz so flink wie meine Kinder.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2015

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