Tschechien: Märchenland der Burgen und Schlösser

Kaum ein anderes Land bietet so viele historische Bauwerke wie Tschechien. Kein Wunder, dass manches Schloss Schauplatz von Märchen wurde.

Text: Karina Müller

Es war einmal ein König, der sich nichts sehnlicher als einen männlichen Thronfolger wünschte. Doch auch das dritte Kind wurde ein Mädchen – Fantaghiró. Die kleine Prinzessin entwickelte sich anders als ihre Geschwister. Jahre später weigerte sie sich, vermählt zu werden. Daraufhin wurde Fantaghiró von ihrem Vater in den Märchenwald verstoßen. Dort traf sie erstmals auf den Prinzen des benachbarten und verfeindeten Königreichs, der sich auf der Stelle in ihre Augen verliebte, und die weiße Hexe, die sie das Kämpfen lehrte. Dann nahmen die Abenteuer Fantaghirós ihren Lauf. Und wo könnte der mehrteilige Märchenfilm „Prinzessin Fantaghiró“ mit Mario Adorf besser spielen als auf der tschechischen Burg Bouzov.

Denn die Burg im Drahaner Bergland in der Region Mähren ist für viele Besucher das Sinnbild eines Märchenschlosses. Deshalb ist sie auch bei Filmemachern beliebt. Unter anderem fand dort zum Beispiel die tschechische Fantasy-Kinderserie „Die Märchenbraut“ ihren Schauplatz. Doch die märchenhafte Gestalt wurde der Burg Bouzov erst im 19. und 20. Jahrhundert auferlegt. Zu dieser Zeit ließ der Deutsche Ritterorden sie als Sommersitz für den damaligen Hochmeister Erzherzog Eugen von Österreich im Stil der Spätgotik umgestalten. Heute wird die Burg auf dem Felsenvorsprung regelmäßig zu einer der schönsten Burgen Tschechiens gewählt.

Für romantische Seelen geschaffen

Dabei zählt Tschechien, das in die Regionen Böhmen, Mähren und Schlesien gegliedert ist, noch weit über 2.000 wunderschöne und gut erhaltene Schlösser und Burgen. So viele wie hier findet man nirgendwo anders auf der Welt, und in kaum einem anderen Land sind so viele der Öffentlichkeit zugänglich. Sie bilden das kulturelle Erbe der Tschechischen Republik und zählen nicht selten zu den Denkmälern mit internationaler Bedeutung. Deshalb wird Tschechien auch als Land der Burgen und Schlösser bezeichnet. Ein Land also, das wie für romantische Seelen geschaffen ist.

Architektonisch decken die tschechischen Bauwerke alle Epochen ab, von Gotik über Barock bis hin zum letzten Umbau Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein wahres Märchenschloss ist auch das schneeweiße Schloss Hluboká in Südböhmen. Es wurde im 13. Jahrhundert vom böhmischen König Pemysl Otakar II. gegründet und durchlebte bis zu seinem heutigen Antlitz im neugotischen Stil vier Umbauphasen. Zuletzt ließ Johann Adolf II. Fürst zu Schwarzenberg, österreichischer Diplomat und Mitglied des Hochadels, das Schloss nach dem Vorbild des königlichen Schlosses Windsor ändern. Ein Rundgang durch das Innere zeigt den Luxus der Vergangenheit: Die 140 privaten Räume und Festsäle sind geprägt von geschnitzten Vertäfelungen, Kassettendecken, Stilmöbeln, Kristall-Kronleuchtern und reichen Gemälde-, Silber- und Porzellansammlungen. Das Schloss umfasst elf Türme – der höchste misst 60 Meter – und zahlreiche der Verteidigung dienende Bastionen. Das umliegende Land ist flach und lädt besonders zum Wandern ein.

Obwohl jede Burg und jedes Schloss etwas Besonderes hat, sticht die Prager Burg in der Hauptstadt Tschechiens von allen Bauwerken am meisten heraus. Denn das in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragene Anwesen ist nicht nur das meistbesuchte touristische Baudenkmal Tschechiens, sondern auch – laut Guinness-Buch der Rekorde – die größte kontinuierliche Burganlage der Welt. Zum Anwesen gehören mehrere majestätische Gebäude, ein alter Königspalast, eine Basilika, ein goldenes Gässchen, eine Reithalle und ein Ballsaal. Zudem ein wunderschöner Garten samt Sommerpalast und zahlreiche Türme wie der St. Veitsdom, der Wendel und der Adalbert, welche die tschechischen Kronjuwelen beherbergen.

Geheimnisvolle Ruinen

Längst nicht alle historischen Schätze sind so gut erhalten, ihren Reiz haben sie dennoch nicht verloren. Geheimnisvoll und geisterhaft schlummern in Tschechien zahlreiche Burgruinen in einer meist atemberaubenden Naturlandschaft dahin. So auch Burg Trosky – das Wahrzeichen des „Böhmischen Paradieses“, ein Nationalpark in Nordböhmen –, deren Überreste zwei Türme, Baba (das bedeutet „altes Weib“) und Panna („Jungfrau“), bilden. Emporgestiegen, bietet sich dem Betrachter ein weitreichendes Panorama aus dichten Wäldern, durch die unzählige Wanderwege führen. Im „Böhmischen Paradies“ stoßen Wanderer auf zahlreiche Pflanzen- und Lebewesengemeinschaften, Bäche und weitere Kulturdenkmäler. Und verhält man sich besonders leise, kann sich sogar ein Mufflon oder Rehwild zeigen.

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Märchenhaft: Die Burg Bouzov ist mit ihren Türmen und roten Dächern schon von Weitem zu sehen.
© IMAGO, pa/dpa

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2012

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