Glückauf im Erzgebirge

Mit dem ersten „Berggeschrey“ im 12. Jahrhundert ging es los: Silbererzfunde ­begründeten im Erzgebirge eine einzigartige Bergbaukultur, die auch heute noch lebendig ist. Kein Wunder also, dass bei den Sächsischen Bergmanns-, Hütten- und Knappentagen eine ganze Region kopfsteht. Dann sind alle im Herzen Steiger, Hauer oder Stürzer.

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Text & Fotos: Alexa Christ

Der Auftrag bereitet Klaus-Jürgen ­Seiler, seiner Frau Thea und Sohn Markus doch ein wenig Kopfzerbrechen. Ein Abgeordneter des Sächsischen Landtags hat grade noch mal angerufen und Druck gemacht. In zwei Wochen wird sein Sohn zur Welt kommen, und das Erste, was der Kleine tragen soll, ist ein Freiberger Bergkittel in Säuglingsformat. „Ich weiß noch gar nicht, wie wir die Knöpfe und Aufschläge en miniature umsetzen sollen“, sagt Seiler, der im erzgebirgischen Marienberg die letzte Trachtenschneiderei Deutschlands führt, die noch ein komplettes Bergmannshabit vom Hut bis zu den Gamaschen fertigt. Historische Aufzeichnungen aus dem Jahr 1831 dienen Vater, Mutter und Sohn Seiler als Vorlage für die Paradeuniformen, die unter ihren Händen entstehen. Vom einfachen Hauer bis zum Oberberghauptmann haben sie alles im Programm. Mit geschickten Fingern schneiden sie Stoff zu, nähen Goldtressen und anderes Zierwerk an, fertigen Samtärmelaufschläge und Kniebundhosen, füttern Arschleder (das heißt wirklich so) und versehen Schachthüte mit sächsischer Mauerkrone, Wappen, Kokarde und Federbusch. Der Freiberger Bergkittel ist ihr Bestseller. Weil es an der Bergakademie im benachbarten Freiberg Ehrensache ist, dass Professoren und Studenten zu offiziellen Anlässen den „Smoking“ des Bergmanns aus schwarzem Tuchloden, schwarzen Knöpfen, Samt und Schnüren tragen. „Da die Studenten in Freiberg immer internationaler werden, gingen unsere Bergkittel bereits nach Chile, Russland, Vietnam oder Nigeria“, erzählt Sohn Markus, der als einziges der drei Kinder den Eltern in den Beruf gefolgt ist. Je nach Aufwand und Ausstattung kann ein Paradehabit bis zu 5.000 Euro kosten, im Schnitt muss man mit der Hälfte rechnen. „Am Sonntag, bei der Großen Bergmännischen Parade in Ehrenfriedersdorf, da werden Sie einige Trachten aus unserem Haus zu sehen bekommen“, verkündet Klaus-Jürgen Seiler stolz.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 2/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2018

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