Bauernregeln: Wissen und Wissenschaft

Wer kennt nicht die ein oder andere Bauernregel? Wetterweisheiten, über Generationen und Jahrhunderte weitergegeben. Lange wurden sie unterschätzt, denn einige davon ­erweisen sich bei der statistischen Überprüfung als zutreffend. Beispiele gefällig?

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© IMAGO, pa/dpa, PR
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„Funkeln heut die Stern, spielt bald der Wind den Herrn“

Diese Regel beschreibt das astrologische Phänomen der Szintillation, bei dem ein Stern den Anschein hat, als verändere er die Helligkeit, also als würde er funkeln. Dieser Eindruck entsteht dadurch, dass das Licht durch Luftun­ruhen in Bodennähe der Erdatmosphäre unterschiedlich gebrochen wird. So wird der Wind angekündigt.

„Bringt Allerheiligen (1.11.) einen Winter, so bringt Martini (11.11.) einen Sommer“

Vor allem in Süddeutschland kennt man den Martinisommer: eine Schönwetter­periode Mitte November, deren stabile Hochdrucklage die letzten schönen Tage vor dem ­Winter bringt. Angeblich entstand der Begriff, als der später heiliggesprochene Bischof Martin von Tour begraben wurde und die Natur wie durch ein Wunder von Neuem ergrünte.

„Pankraz, Servaz, Bonifazi, drei frostige Lumpazi“ oder „Pflanze nie vor der Kalten Sophie“

Diese Sprüche beziehen sich auf die Eisheiligen, die eigentlich zu fünft sind: Vom 11. bis zum 15. Mai sollen sie nach einer warmen Periode erneut Kälte bringen. Jedoch ist auch hier die Einführung des Gregorianischen Kalenders zu beachten: Als der Spruch entstand, galt er für den 23. bis zum 27. Mai. Wetterstatistisch finden sich zu dieser Zeit wirklich häufig Tage mit viel Kaltluft.

„Das Wetter am Sieben­schläfertag sieben ­Wochen bleiben mag“

Der Siebenschläfertag soll ausschlaggebend sein für den Rest des Sommers. Zu beachten ist jedoch, dass der Siebenschläfertag (heute der 27. Juni und übrigens nicht nach dem Tier benannt, sondern nach einer christlichen Legende) vor der Einführung des Gregoria­nischen Kalenders im Jahre 1582 auf den 7. Juli fiel! Das Wetter der ersten Juliwoche stabilisiert sich in Süddeutschland zu etwa 80 Prozent, da stimmt der Spruch also! In Norddeutschland jedoch passt diese Regel nicht.

„Wenn der Fichte Zweigspitzen sich nach oben aufrichten, sich am ­Himmel gewiss die Wolken verdichten“

Da Fichten sehr viel Wasser brauchen, hängen ihre Zweige nach einer Trocken­periode nach unten. Wenn eine Schlechtwetterfront naht, wird die Luft feuchter, die Spitzen richten sich wieder auf. Für viele Naturvölker war die Fichte einer der wichtigsten „Wetterpropheten“.

„Wenn abends die Katzen sich öfter lecken, wird morgen uns Frau Sonne wecken“

Stimmt: Bei einer Hochdruckwetterlage laden sich die Katzen­haare in der trockenen Luft elektrisch auf, wenn die Katze etwas berührt. Durch Lecken erhöht das Tier die Leitfähigkeit seines Fells, so dass die unangenehme Ladung abfließen kann.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2012

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