Milch Marsch!

Im Pitztal kommt Milch statt Wasser aus der Leitung. Aber nur aus einer ganz ­speziellen: Aus der Pipeline von der Tanzalm hinunter ins Bergdorf Jerzens

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Das Pitztaler Grauvieh genießt in 2.000 Meter Höhe saftige Almen und kommt nur zum Melken in den Stall.
© Monika Neiheisser

Text und Fotos: Monika Neiheisser

Es ist 16.30 Uhr. Schluss mit der Tagweide für das Milchvieh auf 2.000 Meter Höhe. Jetzt treibt Anne die Tiere in den Stall der Tanzalm. Für Wanderer ein Spektakel, das zum Stehenbleiben und Staunen einlädt. Unter ohrenbetäubendem Schellengeläut finden die Kühe ihren Weg fast von selbst in den Stall, wäre da nicht der Border Collie Rockie und die helfende Hand von Beihirtin Anne, die in Jeans und festen Wanderschuhen den Tross dirigiert. Die eine Kuh eilt voraus, eine andere kann sich von den Grashalmen auf der Weide nicht trennen. Viele Milchgeber kommen schon seit Jahren zur Sommerfrische auf die Alm am Hochzeiger und haben ihren festen Platz im Stall.

Jede Kuh hat ihren festen Platz im Stall

Stress gibt es nur, wenn einer der Vierbeiner den falschen Stallplatz ansteuert, denn: „Unter den Rindern gibt es eine Rangordnung, die nicht gestört werden darf, und es gibt so ein paar Charaktertiere“, erklärt die Kuhflüsterin. Das frische Heu, dessen Duft den Stall erfüllt, liegt schon bereit, und wenn jede Kuh ihren Platz gefunden hat, heißt es „Mahlzeit“ und Entspannung erfüllt den lichtdurchfluteten Stall, der mit Sauberkeit besticht. Eine entspannte Atmosphäre ist wichtig. Nicht nur für Anne und den Hirten Thomas, auch für die Tiere. „Nur eine entspannte Kuh gibt gute Milch, und wenn wir gestresst sind, wirkt sich das sofort auf die Tiere aus“, erläutert Anne.

Diese gute Milch soll zwei bis drei Stunden später 900 Meter tiefer im Pitztal im Bergdorf Jerzens sein. Doch nicht per Tank­lastzug oder eimerweise, sondern durch die Pipeline. Misst die längste Pipeline der Welt von Sibirien bis zum Pazifik 4.700 Kilo­meter, kommt das Tiroler Exemplar gerade mal auf 3,5 Kilometer, bei einem Rohrdurchmesser von knapp zwei Zentimetern. Statt mit hoch entwickelter Bautechnik, entstand diese innovative Errungenschaft mit viel Schweiß in Handarbeit, damals vor sechzig Jahren, im wohl entlegensten Seitental der Ostalpen.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 3/2018 von Wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Erst wenn die Pipeline an den Milchtank angeschlossen ist, kann die Milch zu Tale fließen.
© Monika Neiheisser

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