Plastik vermeiden – aber wie?

Europa kämpft gegen die Plastiktüte. Ist die Papiertüte wirklich eine gute Alternative oder gibt es bessere Möglichkeiten? Welche Rolle spielt Afrika?

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Plastiktüten sind eine große Belastung für die Umwelt.
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Vermutlich 1960 wurde in Deutschland die erste Plastiktüte benutzt. Seitdem verbraucht ein Bundesbürger im Schnitt 70 Tüten pro Jahr. Die Benutzungsdauer einer solchen Tüte beträgt nur 25 Minuten – bis die Tüte jedoch biologisch abgebaut ist, dauert es sage und schreibe 10 bis 20 Jahre! Deshalb sucht die Industrie nach Alternativen. Von vielen wird die Papiertüte favorisiert.

Die Papiertüte erscheint auf dem ersten Blick als umweltfreundliche Alternative zur Plastiktüte. Wer jedoch genau hinsieht merkt schnell, dass das nicht stimmt. Für ihre Herstellung sind viele Ressourcen nötig, darunter Zellstoff, Wasser, Energie, vor allem aber Chemikalien. Hinzu kommt, dass die Papiertüten aufgrund ihrer Wasseranfälligkeit meist nur wenige Male benutzt werden können. Empfehlenswerter sind Mehrwegtragetaschen aus Baumwolle oder Jute. Die ökologisch sinnvollste Variante jedoch: Polyester-Beutel. Sie halten bis zu 10 Kilogramm und damit deutlich länger als Papiertüten.

Warum also nicht einfach Plastiktüten verbieten und die Menschen zum umdenken zwingen? In Australien hat das nicht funktioniert. Dort sollten Kunden nun für Plastiktüten Geld bezahlen – kostenlose Tüten wurden per Gesetz verboten. Die Reaktion war überraschend. Viele Kunden regierten wütend und aufgebracht – doch wieso kann eine vermeintliche Industrienation nicht ohne die umweltschädlichen Plastiktüten auskommen? Ganz einfach – weil sie so vielseitig einsetzbar sind und weil Menschen Gewohnheitstiere sind und es einfach bequem geworden ist. Die Plastiktüte ist im Alltag integriert: ob als Müllbeutel, Obsttüte oder Einkaufstasche – kaum ein Mensch kommt ohne Plastiktüten aus.

Das es auch ohne geht zeigen ausgerechnet sogenannte Entwicklungsländer in Afrika. In elf Ländern in Afrika sind Plastiktüten per Gesetz verboten. Und das nicht erst seit gestern. Bereits seit 2005 sind die schädlichen Tüten in Tansania, seit 206 in Ruanda verboten. Andere Länder haben nachgezogen – zuletzt Kenia. Dort werden Touristen sogar am Flughafen nach Plastiktüten durchsucht. Warum klappt es dort, nicht aber in Europa? Ist die Kunstofflobby hierzulande genauso mächtig, wie die Tabaklobby?

Bis Deutschland ganz ohne Plastiktüten auskommt scheint es noch ein weiter Weg zu sein. Die Papiertüte ist eine Alternative, wenn auch nicht die Beste. Wer wirklich was für die Umwelt tun will, benutzt Jute-Beutel, Baumwolltragetaschen, Polyester Beutel und verzichtet auf Plastiktüten. Mehr Informationen rund zum Thema Plastikmüll und Müllvermeidung gibt es beim NABU.

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Gibt es eine wirkliche Alternative zur beliebten Plastiktüte?
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