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Alpenduft und Höhenluft

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Hoch leben die Gärten der Natur. Im Rennsteiggarten wachsen 4.000 Pflanzenarten aus allen Gebirgen der Welt.
© Anne Webert

Auf dem Kamm des Thüringer Waldes liegt der Rennsteiggarten mit seiner reichen Alpenflora. Prächtige Hochstaudenflur und genügsame Felsenspaltbewohner säumen die Wege.

Text: Edda Neitz

Gestern war das Wetter besser. Heute nieselt es. Dicke Nebelschwaden ziehen durch die Landschaft. Andreas Reichelt kennt das Phänomen und nimmt den meteorologischen Zustand des Tages als gegeben hin. „Hier regnet es jeden 3. Tag“, sagt er und schiebt für uns als Trostpflaster nach: „Regen hat den Vorteil, dass wir den Rennsteiggarten dann nur für uns haben, da wenig Besucher kommen.“ Der Rennsteiggarten liegt oberhalb von Oberhof auf dem Kamm des Thüringer Waldes. Der gelernte Holzbildhauer Andreas Reichelt hat sich hier gut eingearbeitet. „Im Naturschutzver- ein war ich schon immer, und weil ich mich dort sehr engagiert habe, haben sie mich gefragt, ob ich nicht Führungen übernehmen möchte“, erzählt er. Das war vor sieben Jahren, seit ein paar Jahren kümmere er sich auch um gärtnerische Arbeiten. Dann bittet er zum Rundgang, geht voran und deutet auf ein grünes bodennahes Spalier. „Hier wächst die Silberwurz“, sagt er. Nach Süden – der Sonne entgegen – ausgerichtet, erwärmt sich die Kalksteinfläche relativ schnell und bietet Felsbewohnern und polsterartigen Pflanzen aus süd- und südosteuropäischen Gebirgen ein ideales Zuhause. Im Sommer breitet sich die kleine Silberwurz-Pflanze, die auf kurzen Stängeln mit weißen Blüten zwischen anderen Pflanzen hervorlugt, großflächig aus. Mit ihrem Sprosssystem bildet sie einen festen dichten Teppich, der nach Abblühen eine Rohhumusauflage für das Ansiedeln anderer Pflanzen ist. Solche Symbiosen lassen sich an vielen Stellen im Rennsteiggarten beobachten.

Artenreicher Alpingarten

Der Rennsteiggarten ist auf der Fläche eines ehemaligen Steinbruchs am Pfanntalskopf entstanden und hat seinen Namen von dem vorbeiführenden Wanderweg Rennsteig. Um es gleich vorweg zu sagen: Üppige und bunte Blütenpracht kann man hier nicht unbedingt erwarten. Aber liegt das nicht nahe? Denn schließlich sind „Alpenpflanzen“ oder „Gebirgspflanzen“ jene Spezialisten, die die baumfreien Regionen oberhalb der Waldgrenze besiedeln und harter Witterung trotzen müssen. Sie gedeihen anders als jene Artgenossen in niedrigen oder gar wärmeren Gebieten. Und sie wachsen nicht – wie oft vermutet wird – ausschließlich in den Alpen. Um die 4.000 Pflanzenarten aus allen Gebirgen der Erde (Alpen, Pyrenäen, Kaukasus, Karpaten, Neuseeländische Alpen) fühlen sich hier wohl. Hier wuchert aber auch kein Enzian neben Edelweiß und Alpenrose, selbst wenn das schön und ein begehrtes Fotomotiv wäre. Nein, hier wachsen die Pflanzen in jener Umgebung, die ihnen auch in freier Natur geboten würde.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 1/2022. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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