Beim Ur-Wanderer

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Etappe 6 des Neanderlandsteigs: Bei Isenbügel schwenkt der Weg über die sanften Hügel des niederbergischen Hügellands vom Rinderbach zur Ruhr. Auf den Äckern wiegt sich das Getreide – Lössreste machen den Boden auf der Rhein-Hauptterrasse fruchtbar.
© Beate Wand

Der Neandertaler machte die Gegend zwischen Rhein und Ruhr weltberühmt. Nun erkundet der Neanderlandsteig samt andockender Entdeckerschleifen quasi sein Wohnzimmer: Der Streifzug durch das Neanderland zeigt eine überraschend grüne Vielfalt – vom Rhein hinauf bis ins Bergische.

Text: Beate Wand

Etwas hart, dafür mit komfortablem Schwung: Eine Gruppe von Liegen aus bloßem Beton bevölkert zwischen Gänseblümchen den Rasen. Links schreitet eine in Cortenstahl gefräste Gestalt übers Gras. Ihre Silhouette wirkt kräftig-gedrungen, der Schädel mit fliehender Stirn. Auf der Liege fläzend, richtet sich mein Kopf schräg gen Himmel. „So gucken die Besucher etwa auf die Höhe, wo sich früher die Kleine Feldhofer Grotte befand“, bemerkt Beate Schneider vom Neanderthal Museum. Auch alle anderen Felsen, die sich einst zwischen Erkrath und Mettmann dicht an der Düssel fast senkrecht auftürmten, zersprengte der Kalkabbau. Mit dem Lehm, den zwei Steinbrucharbeiter 1856 aus der Höhle schippen, befördern sie zunächst unbemerkt ein Skelett hinunter. Als ein sonderbarer Schädel mit verknöchertem Wulst über den Augen und größere Knochen auffallen, ziehen die Eigentümer den Elberfelder Lehrer und Naturforscher Johann Carl Fuhlrott zu Rate. Seine Vermutung: ein eiszeitliches Wesen.

Steile These in Zeiten, wo die Evolutionstheorie gerade erst aufkommt. Mit gängigen Glaubensmustern schwer zu vereinen. So ist es ein britischer Geologe, der erst ein paar Jahre später die Spezies nach ihrem Fundort benennt: Homo neanderthalensis. „Das war der erste Fund überhaupt weltweit, den man als Frühmenschen erkannt hat“, ordnet Ethnologin Schneider die Bedeutung dieses Neandertalers ein, „also heißen alle dieser Art nach diesem Ort.“ So trug der Ur-Wanderer aus dem Tal zehn Kilometer östlich von Düsseldorf den Namen in die ganze Welt. Auch in Israel, Spanien und Italien fand man unsere ausgestorbenen Verwandten, die zwischen 30.000 und 300.000 v. Chr. umherstreiften. Die Strahlkraft des berühmtesten Einwohners nutzt die Region zwischen der rheinischen Landeshauptstadt, Wuppertal und Essen seit einigen Jahren: Die zehn Städte im Kreis Mettmann treten unter dem Kunstnamen Neanderland geschlossen auf. Vor allem, um ihr touristisches Potenzial zu steigern. Seit sechs Jahren umrundet der Neanderlandsteig den gesamten Kreis. 17 Etappen stückeln die stattliche Portion von 240 Kilometern in genüsslich wanderbare Häppchen. Ein Weitwanderweg, der für die Vielen aus den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr vor der Haustür liegt. Extrem gut mit Bus und Bahn erreichbar, lässt er sich auch wochenendweise erwandern. Zusätzlich docken mit den Neanderlandsteig Entdeckerschleife Rundwege an. Oft vermitteln und vertiefen sie, wie der Mensch die Landschaft mitgestaltet hat.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 1/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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