Fels in der Brandung

Helgoland – einst gefürchtetes Piratennest, im Krieg total zerstört und zwei Jahre später fast in die Luft gejagt, dann als „Fuselfelsen“ verschrien. Heute lässt das entlegenste Fleckchen Deutschlands die Herzen Naturverliebter höher schlagen: Basstölpel brüten vor den Füßen der Wanderer.

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Volle Kante: In den roten Klippen des Lummenfelsens nisten Helgolands „Big Five“: Basstölpel und Trottellummen am zahlreichsten, aber auch Eissturmtaucher, Dreizehenmöwen und Tordalken nutzen in der Kolonie.
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Die vorgestreckten Schwimmflossen nähern sich dem Fels – und hops, etwas tollpatschig, aber gelandet! Halme und Blüten von Gräsern -gucken aus dem langen, spitzen Schnabel. Der auf dem Nest sitzende -Vogel – gänsegroß, weißes Gefieder, das in einen honiggelben Kopf übergeht, himmelblauer Ring um die Augen – bewundert die Aus-beute. Beide recken die Hälse in die Höhe, reiben sie aneinander, schütteln ihre Köpfe. Zwei, drei Mal stoßen sie giftig rüber zum Pärchen nebenan. Es ist aber auch voll hier! Dann schnäbeln sie weiter, begleitet von kurzen, schnarrenden Rufen. Ab und an dringt die gerade über den roten Helgoländer Felsen gestiegene Sonne durch den morgendlichen Dunst. Dann leuchten die Köpfe der Basstölpel warm auf.

Meeresvögel. Gute Segler. Mit ihren zigarrenförmigen Körpern stürzen sie aus großer Höhe mit bis zu 100 Stundenkilometern ins Meer, um Heringe, Makrelen und andere Schwarmfische zu jagen. Zum Brüten kehren sie in ihre Kolonie an Land zurück. Seit 1991 haben sie Helgoland für sich entdeckt, den einzigen Felsen in der Deutschen Bucht. Einsam reckt er sich gut 50 Kilometer vor unserer Nordseeküste aus den Wellen. „Irgendwo ins grüne Meer hat ein Gott mit leichtem Pinsel, lächelnd, wie von ungefähr, -einen Fleck getupft: Die Insel!“ So rühmt Schriftsteller James Krüss seine Heimat, der er auch aus der Ferne stets verbunden blieb. Fälschlicherweise wird sie oft als Hochseeinsel bezeichnet. Vieles deutet darauf hin, dass früher eine Landbrücke Helgoland mit der heutigen Halbinsel Eiderstedt verband. Geologisch gehört sie zum Schelf, dem Festlandsockel, und nicht zur Tiefsee auf hoher See. Auch trennt kein internationales Gewäs-ser die Insel vom Mutterland.

Dennoch schaukeln die Schiffe auf der Überfahrt manch -einem zu heftig. An Bord gibt es sogar Pillen gegen Seekrankheit. Die Neuauflagen historischer Postkarten im sehenswerten Helgoländer Museum beweisen humorvoll, dass die Mägen zu Beginn des Seebädertourismus genauso empfindlich waren, die egal wie feinen Herrschaften reichlich Fischfutter über die Reling- der Dampfer spuckten. Hübsch, wenn auch irgendwie skurril, mutet an, dass vor dem Museum die winzige Welt von Helgoland minia-turisiert wurde: Verkleinerte Hummerbuden reihen sich um -einen Mini-Leuchtturm samt Badekarren aneinander. Jede der bunten Buden widmet sich einem Thema – eine kompakte Reise zu den vielen großen Geschichten, die das kleine Eiland geschrieben hat: Wie das von Hoffmann von Fallersleben auf (britischem!) Helgoland verfasste Deutschlandlied Nationalhymne wurde, zum ersten Mal gesungen am 9. August 1890, bei der Übergabe der Insel an Deutschland. Hintergründe zur politischen Situation, die zum soge-nannten „Sansibar-Helgoland-Vertrag“ zwischen England und Deutschland führte. Dabei wurde Helgoland nicht gegen das freie Sultanat vor Tansanias Küste getauscht, wie bis heute oft behauptet wird. Sansibar war niemals deutsche Kolonie. Deutschland versicherte lediglich, den Briten keine Steine in den Weg zu -legen, wenn diese Sansibar und andere lukrative afrikanische Posten für sich beanspruchten. Wie Helgoland vor seiner Zerbombung aussah, hielt Insel- und Kaiserlicher Hoffotograf Franz Schensky beeindruckend in Schwarz-Weiß fest.

Den vollständigen Artikel inklusive aller Fotos und Wandertipps finden Sie auch in Ausgabe 3/2019 von wanderlust. Hier können Sie das komplette Magazin nachbestellen.

  • Volle Kante

    Volle KanteIn den roten Klippen des Lummenfelsens nisten Helgolands „Big Five“: Basstölpel und Trottellummen am zahlreichsten, aber auch Eissturmtaucher, Dreizehenmöwen und Tordalken nutzen in der Kolonie.Beate Wand

  • Dauerbrüter

    Dauerbrüter Brüten seit 1991 auf Helgoland: Basstölpel verdanken den Namen der schottischen Insel Bass Rock und ihrer etwas tölpelhaften Landung. Beate Wand

  • Lange Anna

    Lange AnnaDas ­Wahr­zeichen Helgolands: die Felsnadel Lange Anna.Beate Wand

  • Küstenformen

    KüstenformenSandstrand mit Dünengras und Schutzwällen am künstlich hinzugewonnenen Nord-Ost-Land.Beate Wand

  • Küstenschutz

    KüstenschutzAutorin ­Beate Wand auf den Tetra­poden – Küstenschutz an der Westmole unterhalb von Mittelland.Beate Wand

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    SonnenbadKegelrobben und Seehunde sonnen sich gern am Strand der Düne.Beate Wand

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    Bunte ZeileDie Hummerbudenmeile.Beate Wand

  •  Treppe zum Oberland

    Treppe zum OberlandDer Jägerstieg am Nordstrand.Beate Wand

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