Spitzingsee: Entspannte Höhen

Auf entspannten Höhen am Spitzingsee – Ein richtiger Gipfel und trotzdem bezwingbar, idyllische Wanderwege und doch mit direktem Kontakt zum Fels, schroffe Wände, aber ganz ohne Klettern: Der Gipfelschneid am Tegernsee bietet ­keine Höhenrekorde, dafür umso mehr Entschleunigung. Wie ­gemacht für Naturfreunde, die einfach eine Auszeit brauchen.

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Hier hat der Blick Freigang: Auf dem Grasplateau des Gedenkkreuzes eröffnet sich Wanderlust-Redakteurin Carolin Müller das gesamte nördliche Alpenvorland. © Birgit Gelder

Text: Carolin Müller

Hier an der Rotwand wurde Bruno ­erschossen“, eröffnet uns Rudi Hauptvogel, Spitzname „­Alpen­­rudi“. Unser Gruppenführer deutet mit seinem Wanderstock vage auf einen steilen Abhang hinter ihm. ­Einige nicken wissend, andere folgen schuldbewusst seinem Blick. Ein dunkles Kapitel, da ist man sich einig.

Wir stehen vor der Rotwand, die nicht nur einem umherstreunenden Braunbären vor sechs Jahren zum Verhängnis wurde. Mit 1.884 Metern ist sie auch das Höchste, was die Region um den Spitzingsee zu bieten hat. Rudi kennt sie gut, Höhe fordert ihn heraus. Mit uns geht er es heute gemächlich an, wenn auch nicht ohne Anspruch. Wo der Schwierigkeitsgrad liege, frage ich. „Jo mei, für den ein is a Radelweg, für den anderen is zu schwierig“, antwortet er leicht belustigt. Will heißen: die gute alte Mitte. Überhaupt ist „­Mitte“ das Stichwort, wenn man so will: Schon bald werden wir uns inmitten einer der wasserreichsten Regionen Oberbayerns befinden; von unserem Zielpunkt aus wird unser Blick auf den Tegernsee, den Schliersee und den Spitzingsee gleichzeitig fallen – wenn wir erst am Ziel sind und auf dem Gipfel der Bodenschneid stehen.

So stapfen wir los, noch sind Gespräche rar, die wenigen hörbaren Stimmen gedämpft. „In der Würm war das hier alles Gletscher“, fährt Rudi fort und bricht einmal mehr, ohne mit der Wimper zu zucken, die morgendliche Stille. Gemeint ist die Würmeiszeit. „Das war vor so ungefähr 10.000 Jahren. Da waren der Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee gut drei Mal so groß wie heute!“ Letzterer liegt kühl glitzernd vor uns, mit einer Oberfläche so glatt wie ein Spiegel. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Es ist kurz vor fünf, die Sonne hat noch nichts von sich sehen lassen, und nur Rudi trägt kurze Shorts.

Rudi hat die Tour komponiert. Er ist zertifizierter Tergernsee-­Heimatführer und hat 40 Jahre Bergerfahrung mit insgesamt 1.000 Gipfeln. Kürzlich knackte er seinen 1.000.000. Höhenmeter, das schrieb er mir wenige Tage nach der Wanderung per SMS. Permanent kundschaftet er die Gegend aus, seit Kindheitstagen faszinieren ihn die Berge. Erst am Tag zuvor war er die Strecke begangen – „zur Sicherheit“. Und tatsächlich arrangierte er kurzfristig um, einige Passagen waren ihm zu „batschig“, zu matschig. Nach eigenen Angaben verliert er im Straßenverkehrsnetz nicht selten hoffnungslos die Orientierung, die Berge allerdings sind ihm bekannt wie sein Wohnzimmer. Rudi und ich sind uns auf Anhieb sympathisch.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 2/2014 von wanderlust.

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