Der Nase nach zum Meer

Abseits von Pauschalurlaub und weiß getünchten Städte bietet die Insel Chios viele Möglichkeiten, die griechische Inselwelt neu zu entdecken. Duftende Pfade zwischen kleinen Dörfern und eine besondere Pflanze prägen das Bild dieser Insel.

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Text & Fotos: Daniel Elke

Girogos und Trias gehen voran und suchen zwischen den kniehohen Gräsern den Pfad, der uns ans Meer führen soll. Die Sonne wirft zum Nachmittag ihre ganze Kraft auf uns herab, und jede noch so kleine Passage, die durch Bäume und Sträucher führt, bietet eine mehr als willkommene Abkühlung. Genau an solchen Orten passiert es immer wieder, ganz unvermittelt: Düfte verschiedenster Kräuter mischen sich mit dem Aroma der sommerlichen Luft zu einem Parfum, das nur die Insel Chios trägt. Ist das Salbei? Oder ist das Thymian, der hier überall am Wegesrand wächst, oder vielleicht doch etwas ganz anderes? Den Ursprung des Duftes, der gerade in die Nase steigt, muss jeder für sich selbst finden. Denn nur drei Meter weiter kann schon wieder das Aroma einer ganz anderen Pflanze in der Luft liegen. Girogos und Trias haben inzwischen den Weg gefunden. Es geht weiter in Richtung Norden zum Meer. Das Ziel des heutigen Tages ist Agiasmata, ein kleines Dörfchen, direkt an der nördlichen Küste von Chios gelegen.

Geschichtsstunde an der Ägäis

Der Gedanke an einen Sprung in die kühlende Ägäis motiviert für den weiteren Weg durch die schattenlosen Abschnitte. Schon seit den Morgenstunden hat die Sonne eine immense Kraft entwickelt. Zum Wandern bietet der Frühling auf Chios angenehmere Temperaturen als der Sommer. Es ist kein Wunder, dass viele Bewohner der größten Stadt, die genauso genannt wird wie die Insel, Chios, in den heißen Sommermonaten die Nächte in den höher und kühler gelegenen Dörfern verbringen. Sie sind ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf der ganzen Insel. Sehr zentral liegt das Dorf Avgonima. Hier hat der Tag im Spitakia-Hotel begonnen. Der Hotelier George kann einiges über die Insel und sein geliebtes Heimatdorf berichten und möchte mir später ­seinen liebsten Wanderweg auf der Insel zeigen. Der Name seines Heimatdorfes bedeutet frei übersetzt soviel wie „unproduktives Land“. Eine Eigenschaft, die in dieser Landschaft nicht nur auf Avgonima zutrifft, sondern auch auf die Nachbar­dörfer. Die gesamte Hügellandschaft in der höher gelegenen Region von Chios zeugt davon, dass auch die alten Kulturen, die hier gelebt haben, nur unter größten Anstrengungen Ackerbau betreiben konnten. Überall sind Steinterrassen zu sehen, die durch bloße Muskelkraft ­geschaffen wurden. Die Menschen haben die Steine und Findlinge beiseite geräumt, um so den Mutterboden nutzen zu können. Über die Jahrhunderte sind so Terrassen entstanden, die noch Heute auf der ganzen Insel zu finden sind.

Bevor wir zu unserer duftenden Wanderung durch die ­Hügellandschaft bis an die Küste aufbrechen, zeigen mir die beiden Insulaner Girogos und Trias ein weiteres beeindruckendes Zeugnis vergangener Zeiten. Nicht weit von Avgonima entfernt liegt Anavatos, ein Geisterdorf, das seit der Eroberung durch ­osmanische Truppen im 19. Jahrhundert verlassen ist. Beide ­Dörfer gehen auf die Kolonie der Republik Genua zurück, die hier lange Zeit Bestand hatte. Die Architektur dieser Zeit ist bis heute Teil des Erscheinungsbildes der Dörfer. Chios war durch die Jahrhunderte hinweg schon immer ein Treffpunkt verschiedenster Kulturen. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 3/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2018

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