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Vom Atmen der Jahreszeiten

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Mitreißend: In der "Sonnenstube der Schweiz", dem Tessin, folgt der Sentiero Verzasca dem klaren Wasser der Verzasca durch ihr abgeschiedenes Tal.
© Beate Wand

Wer hinter der „Verzasca-Vergnügungsmeile“ tiefer ins Tal eintaucht, hebt einen wahren Schatz: das Wissen um die Kunst des Überlebens im abgeschiedenen Bergtal der Verzasca. Eiskalt, klar und grün rauscht diese vorbei. Unermüdliche Schleiferin. Und Verführerin!

Text: Beate Wand

Unten gurgelt der grüne Fluss. Bei Gegenverkehr passen gerade mal zwei Personen aneinander vorbei, ohne sich allzu weit nach außen lehnen zu müssen. Die gemauerte Brüstung der beiden Brückenbögen reicht lediglich über meine Kniekehlen. Aber nur so passten mit prall gefüllten Säcken beladene Esel hinüber. Die Brücke gehört zum alten Saumpfad entlang der Verzasca, der sich früher als einzige Verkehrsader durch das rund 25 Kilometer lange Tal zog. Heutzutage treten Touristenfüße über die „Ponte dei Salti“, die steinerne Doppelbogenbrücke von Lavertezzo. Vor drei Jahren pries das Internet-Kurzvideo eines italienischen Bloggers die Stelle als „Malediven von Mailand“: Junge Leute plumpsen rücklings von den Felsen ins Nass, planschen, tauchen und blubbern begeisternd im glasklaren Wasser. Es ging so viral, dass kurz darauf Horden von Italienern einfielen und die Einheimischen schier überrannten. „Nein, bloß nicht noch mehr Leute!“, wimmelt die Dame vom Grotto oberhalb der Brücke die Frage nach einer Visitenkarte ab. Doch: Nach einem Selfie auf der Brücke aus dem 17. Jahrhundert kehren die meisten um. Auf dem alten Saumpfad, dem Sentiero Verzasca, wandert man tiefer im Tal fast allein.

Den Fluss ins Dorf geholt

Die Verzasca schneidet sich nördlich vom Lago Maggiore in die Tessiner Alpen, Sonnenstube der Schweiz. Graue, steile Wände aus Granit und Gneis flankieren den Fluss, der auf seinem Weg durch das gleichnamige Tal mit smaragdgrüner Farbe glänzt. Dennoch rührt der Name nicht etwa vom italienischen „verde acqua“ für grünes Wasser her. Er soll sich von Verzöö, einem höher gelegenen Dorfteil Lavertezzos, ableiten und „Tal von Lavertezzo“ bedeuten. Aus der Ebene des Lago Maggiore schraubt die Straße sich hinauf, zieht vorüber an der riesigen, elegant gebogenen Staumauer. Von ihr stürzte Pierce Brosnans Stuntdouble zu Beginn des 007-Streifens „Golden Eye“ mit einem Bungee-Seil in die Tiefe. Hinter ihr verbreitert sich das Verzasca-Wasser stromerzeugend zum Lago di Vogorno. An seinem nördlichen Ende fallen die Häuser von Corippo ins Auge. Wie ein Schwalbennest kleben sie oben am Hang, scharen sich um die Kirche. Elf Einwohner sind geblieben, machen den denkmalgeschützten Ort zur kleinsten Gemeinde in der Schweiz. Bis April, dann verschmilzt sie mit der neuen Fusionsgemeinde Verzasca. Das Projekt einer „Albergo diffuso“, eines dezentralen Hotels mit Rezeption in der Osteria, soll das Dorf in die Zukunft retten.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 2/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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