Hart, aber herzlich

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Die Skyline von Rostock: vom anderen Ufer der Unterwarnow aus gesehen.
© Wolfgang Stelljes

Rostock ist eine Stadt, zu der vielen auf Anhieb kaum mehr einfällt als der „F.C. Hansa“, der Rapper Marteria oder „Polizeiruf 110“. Dabei hat die Ostsee-Metropole sehr viel mehr zu bieten.

Text: Wolfgang Stelljes

Beginnen wir mit einem Geständnis: Wir mögen Stadtführungen. Jedenfalls dann, wenn die unvermeidlichen geschichtlichen Exkurse eher gerafft präsentiert werden. So wie bei Antje Jonas, einer gebürtigen Rostockerin. Es sind nur ein paar zentrale Eckdaten, die sie uns zu Beginn mit auf den Weg gibt: 2018 feierte die Stadt ihren 800. Geburtstag, denn 1218 wurden ihr die Stadtrechte verliehen. 1283 wurde sie Mitglied der Hanse. Und gut 600 Jahre hat die altehrwürdige Institution auf dem Buckel, vor deren Hauptgebäude unser Rundgang beginnt: die Universität. Gegründet 1419, ist sie die älteste Uni im Ostseeraum. „Die Hanse brauchte Theologen, Mediziner, gut ausgebildete Verwaltungskräfte.“ 160 Studenten machten den Anfang. Sie lebten noch mit ihren Professoren unter einem Dach und verständigten sich auf Latein. Und alle sind noch namentlich bekannt, denn die Matrikelliste ist erhalten geblieben. Später folgten ihnen dann – um nur ein paar bekanntere Namen zu nennen – Heinrich Schliemann, Erich Kästner und Joachim Gauck. Heute gibt es in der Stadt mit ihren knapp 210.000 Einwohnern rund 13.000 Studenten.

Alles andere als prüde

Antje Jonas lenkt unseren Blick auf den „Brunnen der Lebensfreude“ vor dem Uni-Hauptgebäude. Er ist „das Zentrum im Zentrum“ und war anfangs nicht unum- stritten wegen seiner teils leicht bekleideten und offenbar quietschvergnügten Figuren. Der Volksmund taufte ihn kurzerhand um in „Pornobrunnen“. „Man kann ja manches sagen über die DDR, aber prüde war sie nicht.“ Der Brunnen jedenfalls ging durch. Dort, wo jetzt der Brunnen ist, war früher der Hopfenmarkt. „Bier war das einzige Produkt, das Rostock selbst in großen Mengen hergestellt hat. Reich geworden ist die Stadt durch den Zwischenhandel“, erzählt Jonas. „Rostock hat zwei berühmte Söhne.“ Der eine schaut von einem hohen Sockel unweit des Brunnens etwas grimmig auf das frivole Treiben: Gebhard Leberecht von Blücher, „Marschall Vorwärts“, wie ihn seine Soldaten nannten, berühmt vor allem dank des Sieges über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo 1815. An den anderen erinnert eine Dauerausstellung in einem der kleinen Häuser im Klosterhof links von der Uni: Wal- ter Kempowski. Der Reedersohn wurde 1929 in Rostock geboren und am 8. März 1948 zusammen mit seinem Bruder Robert von den Sowjets aus dem Bett heraus verhaftet. Der Vorwurf: Spionage für die Amerikaner. Acht Jahre saß Kempowski im Zuchthaus in Bautzen. 1956 wurde er entlassen, ging in den Westen und wurde einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Im Januar 1990 kehrte er das erste Mal nach Rostock zurück.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 1/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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