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Lesedauer 4 Min.

Auf den Spuren der Geschichte

Wo einst das „gemeine Volk“ für Gerechtigkeit aufbegehrte, schlängelt sich heute ein stiller Wanderweg durch eine Landschaft voller Geschichte - und Geschichten. Der Karstwanderweg im Südharz in Sachsen-Anhalt führt durch Naturwunder und Kulturorte, die 500 Jahre Bauernkrieg lebendig machen.
Drohnenblick auf das Schloss Allstedt

Weithin sichtbar thront hoch über der Stadt die beeindruckende Schlossanlage von Allstedt.

© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH

Der Südharz ist still geworden. Kein Zorn, keine Aufstände, keine Predigten mehr, die das Land erzittern lassen. Nur das Knirschen der Wanderschuhe auf Kalkstein, das Flüstern des Waldes. Und doch ist der Boden, den man hier betritt, geschichtsträchtig – vor allem im Jahr 2025, wenn sich der Bauernkrieg zum 500. Mal jährt. Hier, zwischen Sangerhausen, Stolberg und Allstedt, wirkte Thomas Müntzer – Theologe, Revolutionär, Visionär. Und genau durch diese Landschaft führt ein Weg, der Naturerlebnis und Geschichtsbewusstsein miteinander verbindet: der Karstwanderweg. Besonders die Etappe zwischen Wettelrode und Questenberg offenbart die Schönheit der Karstlandschaft und öffnet zugleich ein Fenster in eine Zeit, in der Bauern, Bergleute und Bürger aufbegehrten.

Blick auf eine Brücke aus dem 20. Jahrhundert

Das Mansfelder Viadukt gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, an dem sich drei Strecken kreuzten. Der Viaduktblick Mansfeld ist ein Aussichtspunkt auf dem etwa 260 Meter hohen Schäferberg.

© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH

Zwischen Glaube und Gerechtigkeit

Wanderer auf dieser Route begegnen nicht nur schroffen Felsen, Dolinen, Bachschwinden und weiten Wäldern – sie bewegen sich durch ein geistig aufgeladenes Terrain. Thomas Müntzer, einst Prediger in Stolberg und Allstedt, predigte von einer radikalen Umkehr: einer göttlichen Ordnung, in der nicht mehr Fürsten und Kirchenherren das Sagen haben, sondern das „gemeine Volk“. In Allstedt, nur einen Abstecher vom Karstwanderweg entfernt, hielt Müntzer seine berühmte Allstedter Fürstenpredigt – eine flammende Anklage gegen die Obrigkeit. Heute lädt das Schloss Allstedt mit einer spannenden Ausstellung dazu ein, sich Müntzers Gedankenwelt zu nähern. Originalschauplätze und interaktive Stationen machen Geschichte greifbar. 

Auch Stolberg, ein malerischer Fachwerkort, lohnt den Besuch, nicht nur wegen seiner Müntzer-Stationen, sondern auch wegen der harmonischen Verbindung von Renaissancearchitektur und Harzidylle.

 

Zwei Wanderer auf einem Wanderweg im Grünen

Natur und Kultur erwandern, gelingt auf dem Karstwanderweg perfekt.

© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH

Wandern auf dem Karst

Der Karstwanderweg selbst ist ein Juwel unter Deutschlands Fernwanderwegen. Er durchquert auf über 230 Kilometern eine faszinierende Karstlandschaft mit Gipsfelsen, Höhlen, Quellen und Erdfällen – geformt durch Wasser, das den Untergrund über Jahrtausende ausgehöhlt hat. Die Etappe von Wettelrode bis Questenberg (ca. 14 km) ist dabei besonders abwechslungsreich: stille Täler, lichte Wälder und grandiose Fernblicke säumen den Weg.

Wer hier wandert, spürt, dass Natur und Geschichte keine Gegensätze sind – sie erzählen dieselbe Geschichte, nur in unterschiedlichen Sprachen: Der Stein erinnert an geologische Zeit, die Ruinen und Kirchen an menschliches Streben. In Questenberg, einem verträumten Dorf mit mittelalterlicher Struktur, gipfelt die Etappe – auch im übertragenen Sinne. Hoch über dem Ort thront die sogenannte Queste, ein hölzerner Sonnenpfahl, der jährlich zu Pfingsten im Rahmen eines jahrhundertealten Rituals erneuert wird. Der Ursprung dieses Brauchs liegt im Dunkeln – vielleicht heidnisch, vielleicht christlich. Sicher ist nur: auch das ist Teil dieser Region – ein Miteinander von alten Mythen, christlichem Glauben und modernem Naturerlebnis.

Eine Höhle mit einem Unterwassersee

Eine der wenigen begehbaren und größten Karsthöhlen der Karstlandschaft Südharz ist die Höhle Heimkehle bei Uftrungen.

© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH
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© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH

Erleben

Auf den Spuren von Thomas Müntzer
2025 erinnert Sachsen-Anhalt mit einer Landesausstellung an fünf authentischen Orten an das Ende des Bauernkriegs und den 500. Todestag des Reformators Thomas Müntzer. Unter anderem erwarten die Besucher ein lebendiger Kunstparcours in der Altstadt sowie immersive Erlebnisse im Schloss Allstedt, die Ausstellung „Eine Prägung für Müntzer“ in der Alten Münze in Stolberg und eine interaktive Mitmachausstellung in den Luther Museen Eisleben und Mansfeld.Alle Infos und Termine: www.gerechtigkeyt1525.de
Logo Sachsen-Anhalt
© Standortentwicklungsgesellschaft Mansfeld-Südharz mbH

Wandern

Der Karstwanderweg 

Bachschwinden, Dolinen, Erdfälle – bizarre Karstformationen und die für den Südharz so typischen weißen Felsen aus Gipsstein reihen sich wie an einer Perlenschnur aufgezogen aneinander. Über 200 Infotafeln liefern wissenswerte Hintergründe zu den geologischen Kunstwerken sowie zur beachtlichen Vielfalt der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt. Der Karstwanderweg ist leicht zu gehen, als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifiziert und zeigt, wie genussvolles Bilderbuchwandern aussehen kann.

www.karstwanderweg.de

 

Touren im Biosphärenreservat

Das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz erstreckt sich auf 30.034 Hektar im östlichen Teil des Südharzes und bietet eine Vielfalt an Landschaften, geologischen Besonderheiten sowie eine reiche Flora und Fauna. Tipps zur Erkundung gibt es in der Ausstellung „Natur, Mensch, Vielfalt“ in Roßla. Auf drei interaktiven Rundtouren, den Südharzer Erlebniswegen, erfahren Wanderer und Familien Spannendes über die Karstlandschaft, Streuobstwiesen und können Abenteuer am Questenberg erleben.

www.biosphaerenreservat-karstlandschaft-suedharz.de

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